# Katholisch und evangelisch: Die Unterschiede einfach erklärt

URL: https://katholisch-thueringen.de/glaube/katholisch-und-evangelisch
Stand: 25. September 2026
Herausgeber: Katholisch Thüringen (privates Projekt)

Der Unterschied zwischen katholisch und evangelisch: Abendmahl, Sakramente, Papst, Maria, Amt. Fair erklärt, mit Tabelle und Blick auf Thüringen.

## Kurz beantwortet

Katholische und evangelische Christen glauben an denselben dreieinigen Gott, lesen dieselbe Bibel und erkennen die Taufe der anderen an. Der Unterschied liegt vor allem im Verständnis von Kirche und Amt: Katholiken haben sieben Sakramente, geweihte Priester und den Papst. Evangelische kennen zwei Sakramente, keinen Papst und berufen sich vor allem auf die Bibel.

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In deiner Klasse, deiner WG oder deiner Familie sind vielleicht beide vertreten. Die eine geht zur Firmung, der andere zur Konfirmation. Die einen gehen zur Messe, die anderen zum Gottesdienst. Von außen sieht das fast gleich aus. Trotzdem hält sich die Trennung seit 500 Jahren. Was ist also der Unterschied zwischen katholisch und evangelisch?

Die ehrliche Antwort hat zwei Teile. Das Gemeinsame ist viel größer, als die meisten denken. Und die Unterschiede, die bleiben, sind keine Kleinigkeiten, sondern berühren die Frage, was Kirche überhaupt ist. Beides erklären wir hier, so fair wie möglich, aus katholischer Sicht, aber ohne die evangelische Seite schlechtzureden.

## Unterschied katholisch evangelisch: die Übersicht

Katholische und evangelische Christen teilen den Kern des Glaubens. Sie unterscheiden sich vor allem darin, wie sie Kirche, Sakramente und geistliches Amt verstehen. Die Tabelle zeigt die wichtigsten Punkte auf einen Blick.

| Thema | Katholisch | Evangelisch |
| --- | --- | --- |
| Grundlage des Glaubens | Bibel und Überlieferung (Tradition), ausgelegt vom Lehramt | Die Bibel allein als oberster Maßstab |
| Sakramente | Sieben: Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, Weihe, Ehe | Zwei: Taufe und Abendmahl |
| Eucharistie / Abendmahl | Brot und Wein werden wirklich Leib und Blut Christi (Wandlung) | Christus ist gegenwärtig, Verständnis je nach Tradition verschieden |
| Geistliches Amt | Priester durch das Sakrament der Weihe, nur Männer, in der Regel ehelos | Pfarrerin oder Pfarrer durch Ordination, Frauen und Männer, dürfen heiraten |
| Leitung | Papst und Bischöfe in Gemeinschaft mit ihm | Landeskirchen mit Synoden, kein gemeinsames Oberhaupt |
| Maria und Heilige | Verehrung und Bitte um Fürsprache | Vorbilder im Glauben, aber keine Anrufung |
| Beichte | Sakrament mit Lossprechung durch den Priester | Möglich, aber kein Sakrament |
| Ehe | Sakrament, unauflöslich | Kein Sakrament, Wiederheirat nach Scheidung möglich |

Die Tabelle vereinfacht. Innerhalb der evangelischen Kirchen gibt es lutherische, reformierte und unierte Traditionen, die sich in einigen Punkten selbst unterscheiden. Die Grundlinien stimmen aber.

## Was haben katholisch und evangelisch gemeinsam?

Mehr, als die Tabelle vermuten lässt. Beide glauben an den einen Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist. Beide bekennen Jesus Christus als den, der für alle gestorben und auferstanden ist. Beide beten das Vaterunser in derselben ökumenischen Fassung und das Apostolische Glaubensbekenntnis. Dort gibt es nur einen kleinen Unterschied: Katholiken sprechen von der „heiligen katholischen Kirche“, Evangelische von der „heiligen christlichen Kirche“.

Vor allem teilen sie die Taufe. Am 29. April 2007 haben elf Kirchen in Deutschland, darunter die katholische und die evangelische, im Magdeburger Dom erklärt, dass sie ihre Taufen gegenseitig anerkennen. Wer evangelisch getauft ist, ist in katholischen Augen voll und gültig getauft. Deshalb wird niemand neu getauft, der die [Konfession](/glossar/konfession) wechselt.

Der Katechismus sagt es so: Die Kirche weiß sich mit allen Getauften verbunden, auch mit denen, die nicht in voller Gemeinschaft mit ihr stehen (KKK 838). Evangelische Christen sind für Katholiken Schwestern und Brüder im Glauben. Keine Konkurrenz.

## Wie kam es zur Trennung?

Die Trennung begann mit einem Mönch, der die Kirche erneuern und nicht spalten wollte. Martin Luther verschickte am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen gegen den Ablasshandel, also gegen die Praxis, Sündenstrafen gegen Geld zu erlassen. Daraus wurde ein Streit, der sich schnell um viel grundsätzlichere Fragen drehte.

Luther fragte: Wie wird ein Mensch vor Gott gerecht? Wer hat in der Kirche das letzte Wort, die Bibel oder der Papst? 1521 wurde er aus der Kirche ausgeschlossen. Auf dem Reichstag in Worms weigerte er sich im selben Jahr, seine Schriften zu widerrufen. Er berief sich auf die Heilige Schrift und sein Gewissen.

Aus der Reformbewegung wurden eigene Kirchen, auch weil Fürsten und Städte politisch mitentschieden, wer welchem Bekenntnis folgte. Mit den Jahrhunderten kamen gegenseitige Verurteilungen, Kriege und viel Misstrauen dazu. Dass Katholiken und Evangelische heute gemeinsam feiern und beten, ist deshalb keine Selbstverständlichkeit. Es ist das Ergebnis langer Arbeit.

## Bibel und Tradition: Worauf berufen sich die Kirchen?

Evangelische Christen sagen: „Allein die Schrift.“ Die Bibel ist der oberste Maßstab, an dem sich alles in der Kirche messen lassen muss. Katholiken sagen: Die Bibel ist Gottes Wort, aber sie steht nicht allein. Sie ist in der Kirche entstanden und wird in ihr gelesen und ausgelegt.

Der Katechismus beschreibt Heilige Schrift und Überlieferung als zwei Ströme aus derselben Quelle (KKK 80–82). Die Kirche schöpft ihre Gewissheit nicht aus der Schrift allein. Was genau mit dieser Überlieferung gemeint ist, erklärt der Artikel [was die Tradition in der Kirche ist](/katechismus/tradition). Wichtig ist: Tradition heißt hier nicht „Das haben wir immer so gemacht“, sondern der lebendige Glaube, der von den Aposteln weitergegeben wurde.

Ein praktischer Unterschied zeigt sich sogar im Inhaltsverzeichnis. Die katholische Bibel enthält im Alten Testament einige Bücher mehr, zum Beispiel Tobit, Judit, Jesus Sirach und die Makkabäerbücher. Luther stellte sie als „Apokryphen“ an den Rand. Mehr zum Aufbau findest du im Artikel [die Bibel erklärt](/katechismus/bibel).

## Gnade und Glaube: Wie wird der Mensch gerecht?

Das war die Kernfrage der Reformation, und hier hat sich am meisten bewegt. Luther las bei Paulus, dass der Mensch durch den Glauben gerecht wird, nicht durch eigene Leistung ([Röm 3,28](https://www.bibleserver.com/EU/R%C3%B6mer3%2C28)). Die katholische Kirche seiner Zeit hatte das nach seiner Ansicht verdunkelt.

Am 31. Oktober 1999 unterzeichneten der Vatikan und der Lutherische Weltbund in Augsburg die „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“. Darin halten beide fest: Wir werden allein aus Gnade gerecht, nicht aufgrund unserer Verdienste. Die gegenseitigen Verurteilungen aus dem 16. Jahrhundert treffen die heutige Lehre des anderen nicht mehr. 2006 schlossen sich die Methodisten an.

Ein Unterschied in der Betonung bleibt. Katholiken sagen, dass die Gnade den Menschen innerlich verwandelt und dass er mit ihr frei zusammenwirkt (KKK 1993). Evangelische betonen stärker, dass Gott den Sünder gerecht spricht, obwohl er es von sich aus nicht ist. Beide Seiten sagen heute aber: Du musst dir Gottes Liebe nicht verdienen. Du kannst es auch gar nicht.

## Sakramente: Warum sieben und nicht zwei?

Die katholische Kirche kennt sieben [Sakramente](/katechismus/sakramente), die evangelische zwei. Katholisch sind es Taufe, Firmung, Eucharistie, Beichte, Krankensalbung, Weihe und Ehe (KKK 1113). Evangelisch sind es Taufe und Abendmahl.

Der Grund liegt in der Frage, was ein Sakrament ausmacht. Die Reformatoren erkannten nur Handlungen an, die Jesus nach dem Zeugnis der Bibel ausdrücklich eingesetzt und mit einem sichtbaren Zeichen verbunden hat. Das traf für sie nur auf Taufe und Abendmahl zu. Die katholische Kirche sagt: Alle sieben gehen auf Christus zurück, auch wenn nicht jedes in der Bibel mit einer genauen Anweisung steht. Die Kirche hat mit der Zeit erkannt, was ihr anvertraut ist.

Die übrigen fünf fehlen im evangelischen Leben nicht völlig. Es gibt Konfirmation, Trauung, Ordination, Beichte und Segnung von Kranken. Sie gelten nur nicht als Sakramente, also nicht als Zeichen, durch die Christus selbst sicher wirkt.

## Eucharistie und Abendmahl: Wo liegt der Unterschied?

Hier liegt der Unterschied, der im Alltag am meisten schmerzt. Katholiken glauben: In der Messe werden Brot und Wein bei der Wandlung wirklich zu Leib und Blut Christi. Äußerlich bleibt alles gleich, das Wesen ändert sich. Das hat das Konzil von Trient festgehalten, und der Katechismus übernimmt es (KKK 1376). Wie die Kirche die [Eucharistie](/katechismus/eucharistie) versteht, liest du dort ausführlicher.

Auch Evangelische glauben, dass Christus im Abendmahl gegenwärtig ist. Lutheraner sagen, er sei „in, mit und unter“ Brot und Wein da. Reformierte Christen betonen eher die geistliche Gegenwart. Eine Wandlung im katholischen Sinn lehren beide nicht. Übrig gebliebenes Brot wird deshalb auch nicht wie in katholischen Kirchen im Tabernakel aufbewahrt und angebetet.

Dazu kommt die Frage des Amtes. Die katholische Kirche sagt, dass den aus der Reformation hervorgegangenen Gemeinschaften vor allem wegen des fehlenden Weihesakraments die volle Wirklichkeit der Eucharistie fehlt (KKK 1400). Das ist ein harter Satz. Er ist kein Urteil über den Glauben der Menschen, die zum Abendmahl gehen, sondern eine Aussage über das Amt.

Die Folge: Eine gemeinsame Kommunion gibt es noch nicht. Die evangelische Kirche lädt alle Getauften zum Abendmahl ein. Die katholische Kirche lässt Nichtkatholiken nur in Ausnahmen zur Kommunion (KKK 1401). 2018 haben die deutschen Bischöfe eine Orientierungshilfe veröffentlicht: Evangelische Ehepartner in konfessionsverbindenden Ehen können im Einzelfall nach einer Gewissensprüfung zur Kommunion gehen, wenn sie den katholischen Glauben an die Eucharistie teilen.

2019 schlug ein ökumenischer Arbeitskreis von Theologen beider Kirchen vor, die gegenseitige Teilnahme grundsätzlich zu erlauben. Die römische Glaubenskongregation hat dem 2020 widersprochen. Die Frage ist offen, und viele Paare leiden darunter. Das darf man ehrlich sagen.

## Priester, Pfarrerin, Papst: Wer leitet die Kirche?

In der katholischen Kirche empfangen Priester das Sakrament der Weihe. Sie handeln in der Messe und bei der Beichte im Namen Christi. Geweiht werden nur Männer (KKK 1577). In der lateinischen Kirche leben Priester in der Regel ehelos, also im [Zölibat](/glossar/zoelibat).

Evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer werden ordiniert, also in einem Gottesdienst mit Handauflegung zum Dienst beauftragt. Ein Sakrament ist das nicht. Grundlage ist das „Priestertum aller Getauften“: Jeder Christ hat unmittelbar Zugang zu Gott, das Amt ist ein geordneter Dienst in der Gemeinde. Frauen werden in den evangelischen Landeskirchen in Deutschland ordiniert, Pfarrer dürfen heiraten. Auch die katholische Kirche kennt übrigens das gemeinsame Priestertum aller Getauften. Sie unterscheidet es aber vom Weiheamt.

Der sichtbarste Unterschied ist der Papst. Für Katholiken ist er als Bischof von Rom Nachfolger des Petrus und sichtbares Fundament der Einheit (KKK 882). Die Kirche bezieht sich dabei auf das Wort Jesu an Petrus, er sei der Fels, auf den er seine Kirche baut ([Mt 16,18](https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us16%2C18)). [Warum es das Papsttum gibt](/apologetik/papsttum), erklärt ein eigener Artikel. Die evangelische Kirche hat kein weltweites Oberhaupt. In Deutschland bilden 20 Landeskirchen gemeinsam die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Sie werden von Synoden geleitet, gewählten Versammlungen aus Laien und Geistlichen, zusammen mit Bischöfinnen und Bischöfen.

## Maria und die Heiligen

Katholiken verehren Maria als Mutter Gottes und bitten sie und die Heiligen um ihre Fürsprache (KKK 971). Angebetet wird nur Gott. Wer Maria um Hilfe bittet, bittet sie, mit ihm zu Gott zu beten, so wie du eine Freundin bittest, für dich zu beten. Warum das so ist, erklärt der Artikel [Maria, die Mutter Jesu](/katechismus/maria).

Die evangelische Kirche ehrt Maria als Mutter Jesu und Vorbild im Glauben. Luther selbst schätzte sie sehr. Gebete zu Maria und den Heiligen gibt es evangelisch aber nicht. Das Augsburger Bekenntnis von 1530 sagt: Man soll der Heiligen gedenken, um am eigenen Glauben zu wachsen, aber nicht sie anrufen, denn es gibt nur einen Mittler zwischen Gott und Mensch, Jesus Christus ([1 Tim 2,5](https://www.bibleserver.com/EU/1.Timotheus2%2C5)). Die beiden jüngeren Mariendogmen teilen evangelische Christen nicht: dass Maria ohne Erbsünde empfangen wurde (1854) und mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen ist (1950).

Interessant ist der Kalender. Luther schickte seine Thesen am Vorabend von Allerheiligen ab. Heute feiern Evangelische am 31. Oktober den Reformationstag, Katholiken am Tag danach, wie [Allerheiligen und Allerseelen gefeiert werden](/glaube/kirchenjahr/allerheiligen). Zwei Feste, die zusammen fast wie ein Gespräch wirken.

## Messe, Beichte, Ehe: Unterschiede im Alltag

Einen Gottesdienst erkennst du schnell. Katholiken feiern jeden Sonntag die Messe, deren Höhepunkt die Eucharistie ist. Im evangelischen Gottesdienst steht die Predigt stärker im Mittelpunkt, Abendmahl wird in vielen Gemeinden nicht jeden Sonntag gefeiert. In katholischen Kirchen findest du Weihwasser am Eingang, ein ewiges Licht beim Tabernakel, oft Heiligenfiguren und Kerzen vor Marienbildern. Evangelische Kirchen sind meist schlichter.

Die Beichte ist für Katholiken ein Sakrament: Der Priester spricht dich im Namen Christi von deinen Sünden los. Evangelisch gibt es die Beichte auch, als Einzelgespräch oder als gemeinsames Sündenbekenntnis im Gottesdienst, aber nicht als Sakrament.

Bei der Ehe ist der Unterschied deutlich. Katholisch ist sie ein Sakrament und unauflöslich, solange beide leben. Luther nannte die Ehe dagegen ein „weltlich Ding“. Evangelische Christen können nach einer Scheidung kirchlich wieder heiraten. Katholische nicht, außer wenn ein Kirchengericht feststellt, dass die erste Ehe nie gültig zustande gekommen ist.

## Ökumene: Was verbindet, was noch trennt

[Ökumene](/glossar/oekumene) ist das Bemühen der christlichen Kirchen um Einheit. Das Wort kommt aus dem Griechischen und meint die ganze bewohnte Erde. Grundlage ist das Gebet Jesu, dass alle, die an ihn glauben, eins sein sollen ([Joh 17,21](https://www.bibleserver.com/EU/Johannes17%2C21)).

Viel ist erreicht: gemeinsame Taufanerkennung, die Erklärung zur Rechtfertigung, gemeinsame Bibelübersetzungen und Gottesdienste, Religionsunterricht, der an manchen Orten zusammen gestaltet wird. Was noch trennt, sind die Fragen nach Amt, Eucharistie und Papst. Die katholische Kirche spricht bei den evangelischen Kirchen offiziell von „kirchlichen Gemeinschaften“ (KKK 1400). Viele Evangelische empfinden das als Kränkung. Gemeint ist, dass ihnen aus katholischer Sicht etwas Wesentliches am Kirchesein fehlt, nicht, dass ihr Glaube weniger echt wäre.

Die Einheit wird nicht dadurch kommen, dass eine Seite so tut, als gäbe es keine Unterschiede. Sie kommt, wenn beide ehrlich bleiben und trotzdem nicht aufhören, aufeinander zuzugehen.

## Katholisch und evangelisch in Thüringen

Thüringen ist Lutherland. Luther ging von 1498 bis 1501 in Eisenach zur Schule. Ab 1501 studierte er in Erfurt. Nach einem Gewitter bei Stotternheim trat er am 17. Juli 1505 ins Erfurter [Augustinerkloster](/wallfahrt/augustinerkloster-erfurt) ein, 1507 wurde er im Erfurter Dom zum Priester geweiht. Auf der Wartburg bei Eisenach übersetzte er 1521/22 in nur elf Wochen das Neue Testament ins Deutsche.

Katholisch und evangelisch gehören hier also von Anfang an zusammen. Als Papst Benedikt XVI. am 23. September 2011 Deutschland besuchte, traf er im Erfurter Augustinerkloster Vertreter der evangelischen Kirche, am Ort, an dem Luther gebetet und gelebt hat. Der Reformationstag am 31. Oktober ist in Thüringen gesetzlicher Feiertag. Und in Erfurt feiern beide Kirchen jedes Jahr am 10. November ein gemeinsames Martinsfest, weil Luther am Tag nach seiner Geburt auf den Namen des Heiligen getauft wurde. Mehr dazu im Artikel über [Sankt Martin und die Laternen](/glaube/kirchenjahr/sankt-martin).

Heute sind in Thüringen rund 18 Prozent der Menschen evangelisch und rund 7 Prozent katholisch. Etwa drei Viertel gehören keiner Kirche an. Die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland hat ihr Landeskirchenamt in Erfurt, der katholische Bischof sitzt am Erfurter Dom. In dieser Lage merkt man schnell: Die Frage ist oft nicht mehr, ob jemand katholisch oder evangelisch ist, sondern ob überhaupt noch jemand glaubt. Wie es sich anfühlt, als kleine Minderheit zu glauben, beschreibt der Artikel [katholisch in der Diaspora](/thueringen/katholisch-bleiben).

## Was das für dich heißen kann

Vielleicht fragst du, weil du zwischen den Konfessionen stehst. Vielleicht willst du einfach wissen, was deine beste Freundin anders glaubt als du. Beides ist ein guter Grund, weiterzufragen.

1. **Frag nach, statt zu raten** · Geh einmal mit einem evangelischen Freund in seinen Gottesdienst und nimm ihn danach mit in eine Messe. Redet hinterher darüber, was euch aufgefallen ist.
2. **Kenne deine eigene Kirche** · Ökumene funktioniert nur, wenn du weißt, was du selbst glaubst. Die Tabelle oben ist ein Anfang, nicht das Ende.
3. **Bleib ehrlich bei den Unterschieden** · Die Eucharistie ist für Katholiken keine Formsache. Das darfst du sagen, ohne jemanden abzuwerten.
4. **Wenn du wechseln willst, sprich mit jemandem** · Wie ein Übertritt geht und was sich ändert, steht im Artikel [wie man katholisch werden kann](/glaube/katholisch-werden).
5. **Teil deine Fragen** · In [der Runde](/runde) reden junge Leute aus Thüringen über genau solche Fragen, katholisch, evangelisch oder noch gar nichts.


Du musst den 500 Jahre alten Streit nicht allein lösen. Aber du kannst in deinem Umfeld zeigen, dass Christen verschieden sein können und trotzdem zusammengehören.

## Häufige Fragen

### Glauben Katholiken und Evangelische an denselben Gott?

Ja. Beide bekennen den einen Gott als Vater, Sohn und Heiligen Geist und beten dasselbe Glaubensbekenntnis und dasselbe Vaterunser. Beide glauben, dass Jesus Christus gestorben und auferstanden ist und dass er allein erlöst. Die Unterschiede betreffen nicht Gott selbst, sondern die Frage, wie Gott durch die Kirche, ihre Sakramente und ihre Ämter wirkt.

### Dürfen Evangelische in der katholischen Messe zur Kommunion gehen?

In der Regel nicht. Die Kommunion ist für Katholiken Zeichen der vollen Kirchengemeinschaft, und die gibt es mit den evangelischen Kirchen noch nicht. Ausnahmen gibt es in schwerer Notlage (KKK 1401) und, nach der Orientierungshilfe der Bischöfe von 2018, im Einzelfall für evangelische Ehepartner, die den katholischen Glauben an die Eucharistie teilen. Zum Segen nach vorne kommen darf jeder: Arme vor der Brust kreuzen.

### Darf ich als Katholik zum evangelischen Abendmahl gehen?

Die evangelische Kirche lädt alle Getauften ein. Die katholische Kirche rät ihren Mitgliedern davon ab, weil sie das evangelische Abendmahl nicht mit der Eucharistie gleichsetzt und die gemeinsame Kommunion erst am Ende des Wegs zur Einheit sieht. Einen evangelischen Gottesdienst besuchen, mitbeten und mitsingen darfst du jederzeit. Die Sonntagsmesse ersetzt er für Katholiken allerdings nicht.

### Kann eine Katholikin einen evangelischen Mann kirchlich heiraten?

Ja. Man spricht von einer konfessionsverbindenden Ehe. Der katholische Partner braucht dafür eine Erlaubnis seines Bistums, die über die Pfarrei beantragt wird und in der Regel problemlos erteilt wird. Die Trauung kann in einer katholischen oder, mit Befreiung von der Formpflicht, in einer evangelischen Kirche stattfinden, oft mit Beteiligung von Pfarrer und Pfarrerin beider Konfessionen.

### Muss ich mich neu taufen lassen, wenn ich von evangelisch zu katholisch wechsle?

Nein. Die katholische und die evangelische Kirche erkennen ihre Taufen gegenseitig an. Das haben elf Kirchen in Deutschland 2007 im Magdeburger Dom feierlich bestätigt. Wer übertritt, wird nicht neu getauft, sondern mit einem Glaubensbekenntnis in die katholische Kirche aufgenommen und meist gefirmt. Umgekehrt gilt dasselbe beim Wechsel in die evangelische Kirche.

### Warum dürfen katholische Priester nicht heiraten, evangelische Pfarrer schon?

In der lateinischen katholischen Kirche werden normalerweise nur Männer zu Priestern geweiht, die ehelos leben wollen (KKK 1579). Das ist eine kirchliche Regel, kein Glaubenssatz, und in katholischen Ostkirchen gibt es verheiratete Priester. Die Reformatoren schafften die Ehelosigkeit ab. Luther selbst heiratete 1525. Evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer dürfen heute heiraten und Familie haben.

### Was heißt Konfession?

Konfession kommt vom lateinischen confessio, Bekenntnis. Gemeint ist eine christliche Kirche mit ihrem eigenen Bekenntnis und ihrer eigenen Ordnung, etwa katholisch, evangelisch oder orthodox. In Deutschland meint man mit „Konfession“ oft auch einfach die Kirchenzugehörigkeit, die im Melderegister steht und über die Kirchensteuer entscheidet.

### Ist Thüringen evangelisch oder katholisch?

Überwiegend keins von beiden. Rund drei Viertel der Menschen in Thüringen gehören keiner Kirche an. Von den Christen sind die meisten evangelisch, Ende 2023 rund 18 Prozent der Bevölkerung, katholisch rund 7 Prozent. Eine Ausnahme ist das Eichsfeld im Nordwesten: Dort sind fast zwei Drittel der Menschen katholisch.


## Quellen

- [Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 80–82 (Überlieferung und Heilige Schrift)](https://www.vatican.va/archive/DEU0035/__PR.HTM)
- [Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1113 (sieben Sakramente)](https://www.vatican.va/archive/DEU0035/__P35.HTM)
- [Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1376 (Gegenwart Christi, Wandlung)](https://www.vatican.va/archive/DEU0035/__P47.HTM)
- [Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1400–1401 (getrennte Christen und Eucharistie)](https://www.vatican.va/archive/DEU0035/__P48.HTM)
- [EKD: Sakrament – Basiswissen Glauben](https://www.ekd.de/Sakrament-11022.htm)
- [EKD: Wechselseitige Abendmahlsteilnahme für Protestanten und Katholiken (ÖAK 2019)](https://www.ekd.de/wechselseitige-abendmahlsteilnahme-evangelisch-katholisch-49580.htm)
- [evangelisch.de: 20 Jahre Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre](https://www.evangelisch.de/inhalte/161932/31-10-2019/20-jahre-gemeinsame-erklaerung-zur-rechtfertigungslehre)
- [Wikipedia: Magdeburger Erklärung (wechselseitige Taufanerkennung 2007)](https://de.wikipedia.org/wiki/Magdeburger_Erkl%C3%A4rung)
