# Sankt Martin: Wer er war und warum wir Laternen tragen

URL: https://katholisch-thueringen.de/glaube/kirchenjahr/sankt-martin
Stand: 25. September 2026
Herausgeber: Katholisch Thüringen (privates Projekt)

Sankt Martin teilte vor Amiens seinen Mantel mit einem Bettler. Wer er war, warum wir am 11. November Laternen tragen und Gans essen und was Erfurt feiert.

## Kurz beantwortet

Sankt Martin, der heilige Martin von Tours, war ein römischer Soldat, der vor der Stadt Amiens seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Später wurde er Mönch und Bischof von Tours. Sein Gedenktag ist der 11. November, der Tag seiner Beisetzung im Jahr 397. Daraus sind Laternenumzug, Martinsfeuer und Martinsgans entstanden.

## Steckbrief

- **Name:** Martin von Tours, lateinisch Martinus
- **Lebte:** um 316/317 bis 397
- **Geboren:** Savaria, heute Szombathely (Ungarn)
- **Gestorben:** 8. November 397 in Candes an der Loire (Frankreich)
- **Martinstag:** 11. November (2026: Mittwoch, 2027: Donnerstag)
- **Liturgische Farbe:** Weiß
- **Feiertag in Thüringen:** Nein, in keinem Bundesland
- **Patron u. a. von:** Frankreich, Bistum Mainz, Eichsfeld, Erfurt, Soldaten, Reitern, Armen und Bettlern
- **Bekannt für:** die Mantelteilung vor Amiens

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Jedes Jahr im November ziehen Kinder mit Laternen durch die Straßen, vorne reitet jemand im roten Mantel. Viele laufen mit, ohne genau zu wissen, wer da eigentlich gefeiert wird. Hinter dem Brauch steht Sankt Martin, ein Mann, der vor rund 1700 Jahren lebte und an einem Winterabend eine Entscheidung traf, die bis heute erzählt wird.

Hier liest du, wer der heilige Martin war, was an der Geschichte mit dem Mantel historisch ist, warum der Martinstag auf den 11. November fällt und woher Laternenumzug, Martinsgans und Martinsfeuer kommen. Und warum Erfurt am Vorabend gleich zwei Martins feiert.

## Wer war Sankt Martin?

Sankt Martin ist Martin von Tours: ein römischer Soldat, der Christ wurde, die Armee verließ und am Ende Bischof im heutigen Frankreich war. Er ist einer der bekanntesten [Heiligen](/glossar/heiliger) Europas.

Geboren wurde er um 316 oder 317 in Savaria, einer römischen Stadt in der Provinz Pannonien. Heute heißt sie Szombathely und liegt in Ungarn. Sein Vater war Offizier. Der Name Martinus geht auf Mars zurück, den römischen Gott des Krieges. Für den Sohn war eine militärische Laufbahn also vorgesehen.

Martin wollte etwas anderes. Schon mit zehn Jahren ging er gegen den Willen seiner Eltern in die Kirche und ließ sich als Taufbewerber aufnehmen. Mit zwölf träumte er davon, als Einsiedler zu leben. Doch ein Gesetz verpflichtete die Söhne von Veteranen zum Militärdienst. Mit 15 wurde Martin eingezogen, nach der ältesten Quelle sogar in Ketten, weil sein Vater ihn gemeldet hatte.

Was wir über ihn wissen, verdanken wir vor allem Sulpicius Severus. Er kannte Martin persönlich und schrieb noch zu dessen Lebzeiten eine Lebensbeschreibung, die „Vita sancti Martini“. Sie ist eine Heiligengeschichte, keine moderne Biografie. Manche Zeitangaben darin passen nicht ganz zusammen, deshalb sind einige Jahreszahlen bis heute umstritten.

- **um 316/317** · Geboren in Savaria in der römischen Provinz Pannonien, heute Szombathely in Ungarn. Sein Vater ist Offizier.
- **mit 15** · Martin muss in die Armee und dient in einer berittenen Einheit.
- **ab etwa 334** · Stationiert in Amiens in Gallien. Hier teilt er seinen Mantel.
- **356** · Bei Worms verlässt er die Armee. Er will nicht mehr kämpfen.
- **361** · In Ligugé bei Poitiers gründet er das erste Kloster im Westen des Römischen Reiches.
- **371** · Die Menschen von Tours machen ihn zum Bischof, gegen seinen Willen.
- **385** · In Trier bittet er den Kaiser, verurteilte Ketzer nicht hinzurichten.
- **8.11.397** · Martin stirbt mit etwa 81 Jahren in Candes an der Loire.
- **11.11.397** · Beisetzung in Tours. Dieser Tag wird sein Gedenktag.

## Die Geschichte von Sankt Martin: die Mantelteilung vor Amiens

Martin traf in einem harten Winter am Stadttor von Amiens einen fast nackten Bettler, schnitt seinen Soldatenmantel mit dem Schwert in zwei Teile und gab ihm eine Hälfte. So steht es bei Sulpicius Severus.

Der Winter war nach seinem Bericht so kalt, dass Menschen erfroren. Der Arme am Tor bat die Vorbeigehenden um Hilfe. Alle gingen weiter. Martin hatte kein Geld dabei, nur seine Waffen und einen einfachen Soldatenmantel. Den Rest seiner Sachen hatte er schon vorher an Bedürftige verschenkt. Also nahm er das Schwert, teilte den Mantel und zog die andere Hälfte wieder an.

Die Umstehenden reagierten unterschiedlich. Einige lachten, weil Martin mit dem halben Mantel ziemlich lächerlich aussah. Andere schämten sich. Sie hatten mehr als er und hätten dem Mann helfen können, ohne selbst zu frieren.

Genau darin liegt die Pointe der Geschichte. Martin war nicht der Reichste am Tor. Er war der Einzige, der stehen blieb.

### Der Traum in der Nacht

In der folgenden Nacht sah Martin im Traum Jesus, bekleidet mit der Mantelhälfte, die er dem Bettler gegeben hatte. Jesus sagte zu den Engeln um sich herum sinngemäß: Martin, der noch nicht einmal getauft ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet.

Sulpicius erklärt den Traum selbst mit einem Wort aus dem Evangelium. Jesus sagt dort, dass alles, was man einem der geringsten Menschen tut, ihm selbst getan wird ([Mt 25,40](https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us25%2C40)). Wenige Verse vorher zählt er auf, woran man das merkt: Hungrige satt machen, Fremde aufnehmen, Nackte kleiden ([Mt 25,35–36](https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us25%2C35-36)). Martin hat dieses Wort nicht gepredigt. Er hat es an einem kalten Abend getan, bevor er es überhaupt ganz verstanden hatte.

Nach dem Traum ließ Martin sich taufen. Sulpicius nennt dafür das Alter von 18 Jahren. Andere Rechnungen setzen die Taufe deutlich später an. Wann genau es war, ist umstritten.

> **Wusstest du?**
>
> Martins Mantelhälfte wurde später als [Reliquie](/glossar/reliquie) der fränkischen Könige verehrt. Auf Latein hieß sie cappa. Den Raum, in dem sie aufbewahrt wurde, nannte man cappella, die Geistlichen, die sie hüteten, cappellani. Daher kommen die deutschen Wörter Kapelle und [Kaplan](/glossar/kaplan).

## Vom Soldaten zum Bischof von Tours

Nach seiner Taufe blieb Martin noch einige Zeit Soldat. Dann verweigerte er den Kampf, wurde Schüler eines Bischofs, gründete Klöster und wurde schließlich selbst Bischof von Tours. Er blieb dabei so einfach, wie er als Mönch gelebt hatte.

### „Ich bin Soldat Christi“

356 sammelte der römische Heerführer Julian ein Heer bei Worms, um gegen Germanen zu kämpfen. Vor der Schlacht wurde an jeden Soldaten ein Geldgeschenk verteilt. Als Martin an der Reihe war, lehnte er ab. Nach Sulpicius sagte er: Bis jetzt habe ich dir gedient. Jetzt lass mich Gott dienen. Ich bin Soldat Christi, kämpfen ist mir nicht erlaubt.

Julian warf ihm Feigheit vor. Martin antwortete, er werde am nächsten Tag unbewaffnet vor die Schlachtreihe treten, nur mit dem Kreuzzeichen geschützt. Die Legende erzählt, dass es dazu nicht kam: Die Gegner baten am nächsten Morgen um Frieden. Ob das so war, lässt sich nicht prüfen. Sicher ist, dass Martin danach aus der Armee ausschied.

Das war kein bequemer Schritt. Wer den Dienst verließ, galt schnell als Feigling oder Verräter. Martin nahm das in Kauf.

### Mönch in Ligugé und Bischof wider Willen

Martin ging nach Poitiers zu Bischof Hilarius, einem der wichtigsten Theologen seiner Zeit, und lernte bei ihm. 361 gründete er in Ligugé in der Nähe von Poitiers eine Gemeinschaft von Männern, die beten, arbeiten und einfach leben wollten. Es gilt als das erste Kloster im Westen des Römischen Reiches. Aus solchen Gemeinschaften sind später die Klöster im ganzen Abendland gewachsen.

371 suchte die Stadt Tours einen neuen Bischof. Die Leute wollten Martin. Er selbst wollte nicht. Sulpicius erzählt, dass man ihn mit einer List aus dem Kloster lockte: Ein Bürger gab vor, seine Frau sei krank. Unterwegs warteten schon die Leute aus Tours und brachten ihn in die Stadt. Die spätere Legende macht daraus eine schönere Geschichte: Martin habe sich in einem Gänsestall versteckt, und die Gänse hätten ihn mit ihrem Geschnatter verraten. So oder so, Martin wurde Bischof. Vor der Stadt gründete er das Kloster Marmoutier und lebte dort weiter in einer einfachen Zelle, statt in einem Bischofshaus zu residieren. Von dort aus zog er über Land, predigte in Dörfern und gründete Gemeinden.

### Ein Bischof, der sich einmischt

385 stand in Trier der spanische Bischof Priszillian vor dem Gericht des Kaisers Maximus. Andere Bischöfe hatten ihn als Ketzer angeklagt und wollten seinen Tod. Martin reiste nach Trier und bat den Kaiser, das Todesurteil nicht zu vollstrecken. Glaubensfragen, so seine Linie, gehören nicht vor ein weltliches Gericht und schon gar nicht unter das Schwert.

Der Kaiser versprach es, brach aber sein Wort, nachdem Martin abgereist war. Priszillian wurde hingerichtet. Er gilt als erster Christ, der auf Betreiben anderer Christen wegen Irrlehre hingerichtet wurde. Martin hat diese Linie nicht mitgetragen. Das ist ein Teil seiner Geschichte, den kaum jemand kennt, und vielleicht einer der mutigsten.

## Warum ist der Martinstag am 11. November?

Der 11. November ist der Tag, an dem Martin im Jahr 397 in Tours beigesetzt wurde. Gestorben war er drei Tage vorher, am 8. November, in Candes an der Loire, wohin man ihn gerufen hatte, um einen Streit zu schlichten.

Seine Leiche wurde auf dem Fluss nach Tours gebracht. Über seinem Grab entstand eine große Basilika, und Tours wurde einer der wichtigsten Wallfahrtsorte des Mittelalters. Die alte Kirche wurde in der Französischen Revolution zerstört. Das Grab wurde 1860 wiederentdeckt, heute steht darüber die neue Basilika Saint-Martin.

Martin war einer der ersten Heiligen, die nicht als Märtyrer gestorben sind. Vorher verehrte die Kirche vor allem Menschen, die für ihren Glauben getötet worden waren. Bei Martin reichte sein Leben. Das hat den Blick darauf verändert, was einen Menschen heilig macht. Genau daran erinnert auch [Allerheiligen am 1. November](/glaube/kirchenjahr/allerheiligen): Heilige sind nicht nur die großen Namen, sondern alle, die ihr Leben ganz auf Gott ausgerichtet haben.

Aus Martin wurde einer der beliebtesten Heiligen Europas. Tausende Kirchen in ganz Europa tragen seinen Namen, und auch evangelische, orthodoxe und anglikanische Christen erinnern an ihn.

## Was feiert die Kirche am Martinstag?

In der katholischen Kirche ist der 11. November ein gebotener Gedenktag. In der Messe wird an Martin erinnert, die liturgische Farbe ist Weiß, wie bei allen Heiligen, die nicht als Märtyrer gestorben sind. Ein Tag mit Gottesdienstpflicht ist es nicht.

Katholiken beten Martin nicht an. Sie bitten ihn um seine Fürsprache, so wie man einen Freund bittet, für einen zu beten. Warum das nichts mit Vergötterung zu tun hat, erklären wir ausführlich bei der Frage, [warum Katholiken zu Heiligen beten](/katechismus/heilige). Die Kirche stellt Heilige vor allem als Vorbilder vor (KKK 828): Menschen, an denen man sehen kann, wie ein Leben mit Gott konkret aussieht.

Früher hatte der Martinstag noch eine zweite Bedeutung im Kirchenjahr. Im 6. Jahrhundert begannen Kirchenversammlungen in Gallien, nach dem 11. November eine Fastenzeit bis Weihnachten anzuordnen. Man nannte sie Quadragesima Sancti Martini, die „vierzig Tage des heiligen Martin“. Mit der Zeit wurde diese Vorbereitungszeit kürzer und ging im heutigen [Advent](/glaube/kirchenjahr/advent) auf. Der Martinstag steht also am Anfang einer Geschichte, die mit dem Adventskranz endet.

## Bräuche am Martinstag

Die meisten Bräuche rund um den 11. November sind älter als ihre Erklärungen. Manche haben direkt mit Martin zu tun, andere mit dem Kalender der Bauern und dem Beginn der dunklen Jahreszeit.

### Laternenumzug

Der Laternenumzug, im Rheinland Martinszug genannt, ist der bekannteste Martinsbrauch. Ein Reiter im roten Mantel führt den Zug an, Kinder folgen mit Laternen, es werden Martinslieder gesungen, am Ende wird oft die Mantelteilung nachgespielt.

Früher gab es eher wilde Lärmumzüge mit Lichtern, die Laternen schnitzte man aus Rüben. Ein geordneter Umzug, von Erwachsenen organisiert, ist zum ersten Mal 1867 in Dülken am Niederrhein belegt. Die heutige Form mit dem Reiter entstand um 1900 im Rheinland und verbreitete sich von dort über ganz Deutschland. 2018 nahm Nordrhein-Westfalen die Martinsbräuche in sein Landesverzeichnis des immateriellen Kulturerbes auf. Seit März 2026 steht die „Martinstradition im Rheinland“ im bundesweiten Verzeichnis.

Das Licht hat einen einfachen Sinn. Martin hat einem Menschen in einer kalten, dunklen Nacht Wärme gebracht. Die Laternen tragen das weiter, gerade in den Wochen, in denen es draußen am frühesten dunkel wird.

### Martinsgans

Der 11. November war im Mittelalter ein wichtiger Rechtstermin. Hier endete das bäuerliche Wirtschaftsjahr, nach der Ernte und nach [Erntedank](/glaube/kirchenjahr/erntedank). Knechte und Mägde bekamen ihren Lohn und wechselten die Stelle, Pacht und Zinsen wurden fällig, oft in Naturalien. Eine übliche Abgabe waren Gänse. Weil danach die Fastenzeit vor Weihnachten begann, wurde vorher noch einmal gut gegessen.

Die Würzburger Bischofschronik des Lorenz Fries zeigt 1546 Bürger beim festlichen Gänseessen in der Martinsnacht. Die Legende vom Gänsestall, in dem Martin sich versteckt haben soll, ist erst aus derselben Zeit überliefert. Sie ist eine nachträgliche Erklärung für einen Brauch, der aus Abgabetermin und Festessen gewachsen war. Wenn du an Martini mit Familie oder WG zusammen isst, passt ein [kurzes Tischgebet](/gebete/tischgebet) gut dazu. Es erinnert daran, dass ein volles Essen nicht selbstverständlich ist.

### Martinsfeuer

In vielen Orten endet der Umzug an einem großen Feuer. Martinsfeuer gab es schon lange, im 18. und 19. Jahrhundert wurden sie wegen Brandgefahr immer wieder verboten. Heute stehen sie für das Licht in der dunklen Jahreszeit und erinnern an Martin, der einem anderen Wärme gab.

### Martinssingen

Kinder ziehen mit Laternen von Haus zu Haus, singen Martinslieder und bekommen dafür Süßes, Gebäck oder Obst. Je nach Region heißt das anders, im Rheinland zum Beispiel Schnörzen oder Kötten. In evangelisch geprägten Gegenden wie Ostfriesland ziehen die Kinder schon am Abend des 10. November los, zum Martinisingen, das eher an Martin Luther erinnert.

### Martinshörnchen und Weckmann

Zum Martinstag gehört Gebäck, das man teilt. In Erfurt sind es Martinshörnchen, die beim Martinsfest gebrochen und weitergegeben werden wie der Mantel. Im Rheinland gibt es manchmal einen Weckmann, eine Figur aus Hefeteig mit Tonpfeife. Meistens gehört der aber eher zum Nikolaustag, der Figur des heiligen Nikolaus nachempfunden.

### 11.11. und Karneval

Dass am 11.11. um 11:11 Uhr die Karnevalssession beginnt, hat mit Martin nur über das Datum zu tun. Früher war Martini der letzte Tag vor der Fastenzeit, also ein Tag zum Feiern. Dass der rheinische Karneval an diesem Tag die neue Session ausruft, wurde aber erst im Lauf des 20. Jahrhunderts üblich.

## Sankt Martin in Erfurt und Thüringen

In Thüringen ist Martin mehr als ein Kita-Brauch. Er ist Stadtpatron von Erfurt und Patron des Eichsfelds. Das hat einen historischen Grund: Erfurt und das Eichsfeld gehörten jahrhundertelang zu Mainz, bis 1802. Der Dom in Mainz ist dem heiligen Martin geweiht, das Bistum Mainz hat ihn bis heute als Patron.

Wie alt diese Verbindung ist, zeigt Heiligenstadt im Eichsfeld. Die Kirche St. Martin dort trägt ihren Namen wohl schon seit dem 8. Jahrhundert. Um 960 gründete der Mainzer Erzbischof Wilhelm hier ein Stift, eine Gemeinschaft von Geistlichen. Heute ist St. Martin die evangelische Hauptkirche der Stadt, ein Zeichen dafür, wie verwoben katholische und evangelische Geschichte im Eichsfeld sind.

### Zwei Martins an einem Abend

Dazu kommt ein zweiter Martin. Martin Luther wurde am 10. November 1483 in Eisleben geboren und am nächsten Tag getauft, am Martinstag. Deshalb bekam er den Namen des Heiligen. Luther studierte in Erfurt und trat 1505 in das [Erfurter Augustinerkloster](/wallfahrt/augustinerkloster-erfurt) ein.

In Erfurt feiern katholische und evangelische Christen deshalb seit Jahrzehnten gemeinsam am Abend des 10. November. Tausende kommen mit Laternen aus allen Stadtteilen auf den Domplatz vor dem [Erfurter Dom](/wallfahrt/erfurter-dom), es gibt einen ökumenischen Gottesdienst auf den Domstufen und Martinshörnchen zum Teilen. Für viele Erfurter ist das der Abend, an dem man die [Ökumene](/glossar/oekumene) nicht erklären muss, weil man sie sieht. Was beide Kirchen trotzdem unterscheidet, liest du bei [katholisch und evangelisch](/glaube/katholisch-und-evangelisch).

Acht Tage nach Martin folgt am 19. November die Heilige, die in Thüringen jeder kennt: [Elisabeth von Thüringen](/thueringen/elisabeth-von-thueringen). Auch sie hat geteilt, was sie hatte, und auch ihr hat man das übel genommen. Wer im November in Thüringen unterwegs ist, kann beide Geschichten in einem Monat erleben.

### Termin 2026: Ökumenisches Martinsfest in Erfurt

Das Ökumenische Martinsfest auf dem Erfurter Domplatz ist 2026 am Dienstag, 10. November. Veranstalter sind die katholische und die evangelische Kirche in Erfurt. Genaue Zeiten und Wege der Laternenumzüge findest du beim Veranstalter bzw. bei Erfurt Tourismus. Termin anderer Veranstalter, ohne Gewähr.

## Sankt Martin Kindern erklären

Für Kinder reicht die Geschichte in fünf Sätzen. Wichtig ist nicht das Jahr, sondern das Teilen. Du kannst sie so vorlesen oder frei erzählen, etwa vor dem Laternenumzug.

**Sankt Martin für Kinder erklärt**

1. Martin war vor langer Zeit ein Soldat auf einem Pferd.
2. An einem kalten Abend sah er vor dem Stadttor einen Mann, der fror und nichts anzuziehen hatte.
3. Martin nahm sein Schwert, schnitt seinen Mantel in zwei Teile und gab dem Mann eine Hälfte.
4. In der Nacht träumte er von Jesus. Jesus trug die Hälfte des Mantels und sagte: Das hast du für mich getan.
5. Deshalb tragen wir Laternen: Martin hat Licht in eine dunkle, kalte Nacht gebracht.

Kinder fragen oft nach, warum die anderen Leute am Tor nicht geholfen haben. Das ist eine gute Frage, bei der man nicht schimpfen muss. Man kann einfach zurückfragen: Wem könnten wir helfen, an dem sonst alle vorbeigehen?

## Was Sankt Martin heute bedeuten kann

Martin hat nicht alles verschenkt. Er hat geteilt, was er in dem Moment geben konnte, und er hat hingesehen, als andere vorbeigingen. Das ist weniger heroisch, als es klingt, und gerade deshalb machbar.

Viele kennen das: Man sieht, dass jemand Hilfe braucht, und denkt, das macht bestimmt ein anderer. Genau das haben alle am Tor von Amiens gedacht.

Wegsehen ist auch eine Entscheidung.

Martin war kein Superheld. Er war ein junger Mann, der mit seinem Leben nicht da stand, wo er hinwollte, zwangsweise in einer Armee, ohne Taufe, ohne Plan. Trotzdem hat er an diesem Abend das Richtige getan. Du musst nicht erst alles sortiert haben, um anderen gutzutun. [Franz von Assisi](/heilige/franz-von-assisi) ging diesen Weg rund 800 Jahre später noch radikaler und gab gleich alles her. Aber angefangen hat es auch bei ihm mit einem einzigen Menschen, den er nicht übersehen wollte. Was die Bibel Barmherzigkeit nennt, fängt genau so an.

1. **Teil etwas, das du wirklich brauchst** · Nicht das Übrige, sondern einen Teil davon. Zeit zählt genauso wie Geld: eine Stunde für die Oma, die sonst niemand besucht.
2. **Schau am Stadttor hin** · Wer friert heute in deiner Nähe? Manchmal ist das jemand, der einsam ist, nicht jemand ohne Jacke. Die neue Person im Hörsaal, die Kollegin, die seit Wochen allein Mittag isst.
3. **Mach es sofort** · Martin hat nicht überlegt, ob sich das lohnt. Er hat geteilt, als er vorbeikam. Die meisten guten Vorsätze sterben zwischen „gleich“ und „morgen“.
4. **Halt aus, wenn jemand lacht** · Martin sah mit dem halben Mantel komisch aus. Wer anders handelt als alle, wirkt manchmal so. Das ist kein Grund, es zu lassen.
5. **Geh zum Martinsabend** · Lauf in diesem November bei einem Laternenumzug mit, auch ohne Kind. Du wirst merken, dass der Brauch mehr ist als Nostalgie.

Wenn du darüber mit anderen reden willst, wie Teilen im Alltag konkret aussieht, ohne dass es nach Pflicht oder Moralpredigt klingt: In [der Runde](/runde) treffen sich junge Leute aus Thüringen genau für solche Gespräche.

## Häufige Fragen

### Wann ist Sankt Martin 2026?

Der Martinstag ist am Mittwoch, 11. November 2026, und 2027 am Donnerstag, 11. November. Viele Laternenumzüge finden nicht genau an diesem Tag statt, sondern in den Tagen davor oder danach, oft am Wochenende oder passend zum Kita- und Schulkalender. In Erfurt wird traditionell schon am Abend des 10. November auf dem Domplatz gefeiert.

### Ist Sankt Martin ein Feiertag?

Nein. Der 11. November ist in keinem deutschen Bundesland ein gesetzlicher Feiertag, auch nicht in Thüringen. Schulen, Kitas und Geschäfte haben normal geöffnet. In der katholischen Kirche ist der Tag ein gebotener Gedenktag: In der Messe wird an Martin erinnert, eine Pflicht zum Gottesdienstbesuch wie am Sonntag gibt es aber nicht.

### Warum hat Martin nur die Hälfte seines Mantels verschenkt?

Die älteste Quelle sagt es nüchtern: Martin hatte nur noch diesen einen Mantel, den Rest hatte er schon für andere Bedürftige weggegeben. Mit der zweiten Hälfte hat er sich selbst vor dem Erfrieren geschützt. Oft hört man außerdem, eine Hälfte habe der Armee gehört und nur die andere ihm selbst. Das ist eine spätere Erklärung, belegt ist sie nicht.

### Warum isst man am Martinstag Gans?

Martini war im Mittelalter ein Zahltag. Pacht und Abgaben wurden fällig, oft in Naturalien wie Gänsen. Außerdem begann früher nach dem 11. November eine Fastenzeit vor Weihnachten, also wurde vorher noch einmal gut gegessen. Die Legende, schnatternde Gänse hätten Martins Versteck verraten, ist erst seit dem 16. Jahrhundert überliefert. Sie erklärt einen Brauch, der vor allem aus Abgabetermin und Festessen gewachsen ist.

### Feiern Katholiken und Protestanten Sankt Martin?

Ja, beide. Katholiken verehren Martin von Tours als Heiligen. Evangelische Christen erinnern an ihn ebenfalls und denken in vielen Gegenden am 10. November zusätzlich an Martin Luther, der nach dem Heiligen benannt wurde. Laternenumzüge gibt es in katholischen und evangelischen Kitas und Gemeinden. In Erfurt feiern beide Kirchen den Martinsabend gemeinsam.

### Wo ist Sankt Martin begraben?

In Tours an der Loire in Frankreich. Die mittelalterliche Basilika über seinem Grab wurde während der Französischen Revolution zerstört. Das Grab selbst wurde 1860 bei Grabungen wiederentdeckt. Heute steht darüber die neue Basilika Saint-Martin, die ab 1886 gebaut und 1902 fertiggestellt wurde. Das Grab liegt in der Krypta und ist ein Ziel vieler Pilger.

### Was bedeutet der Name Martin?

Martin kommt vom lateinischen Martinus und leitet sich von Mars ab, dem römischen Gott des Krieges. Ausgerechnet der Mann, der den Kriegsdienst verlassen hat, trägt also einen Soldatennamen. Wer Martin oder Martina heißt, feiert am 11. November Namenstag. Auch Martin Luther hat seinen Namen vom Martinstag, weil er an diesem Tag getauft wurde.

### Wofür ist der heilige Martin Schutzpatron?

Martin ist Patron von Frankreich und gilt als zweiter Patron Ungarns, wo er geboren wurde. In Deutschland ist er Patron der Bistümer Mainz und Rottenburg-Stuttgart, des Eichsfelds und der Stadt Erfurt. Dazu kommen Menschen, deren Leben seinem ähnelt: Soldaten und Reiter, Arme und Bettler, Reisende, Flüchtlinge und Gefangene.


## Quellen

- [Sulpicius Severus: Vita sancti Martini, lateinischer Text (älteste Lebensbeschreibung, um 396/397)](https://www.thelatinlibrary.com/sulpiciusseverusmartin.html)
- [Ökumenisches Heiligenlexikon: Martin von Tours](https://www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Martin_von_Tours.htm)
- [Wikipedia: Martinstag (Bräuche, Martinszug, Martinsgans)](https://de.wikipedia.org/wiki/Martinstag)
- [katholisch.de: Rheinische Martinstradition nun Immaterielles Kulturerbe (28.03.2026)](https://katholisch.de/artikel/67893-rheinische-martinstradition-nun-immaterielles-kulturerbe)
- [Erfurt Tourismus: Ökumenisches Martinsfest 2026](https://www.erfurt-tourismus.de/veranstaltungen/hoehepunkte/martinsfest/)
- [Wikipedia: St. Martin (Heilbad Heiligenstadt)](https://de.wikipedia.org/wiki/St._Martin_(Heilbad_Heiligenstadt))
- [Wikipedia (englisch): Priscillian (Prozess in Trier 385)](https://en.wikipedia.org/wiki/Priscillian)
- [Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 828 (Heilige als Vorbilder und Fürsprecher)](https://www.vatican.va/archive/DEU0035/__P2E.HTM)
