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Leben & Werte

Gemaltes Motiv zum Begriff Was ist Naturrecht?

Kurz erklärt

Die Überzeugung, dass es Recht und Moral gibt, die jeder Mensch mit seiner Vernunft erkennen kann, unabhängig davon, was ein Staat gerade beschließt.

Naturrecht ist die Überzeugung, dass es Recht und Moral gibt, die jeder Mensch mit seiner Vernunft erkennen kann, unabhängig davon, was ein Staat gerade beschließt. Morden ist nicht falsch, weil es verboten ist. Es ist verboten, weil es falsch ist. Die katholische Kirche nennt das auch das natürliche Sittengesetz.

Woher kommt der Begriff Naturrecht?

Der Begriff übersetzt das lateinische „ius naturale“. Die Idee ist älter als das Christentum. Schon der römische Politiker Cicero schrieb von einem wahren Gesetz der rechten Vernunft, das für alle Menschen gilt und das kein Staat abschaffen kann. Der Katechismus zitiert ihn (KKK 1956).

Christliche Denker haben das aufgegriffen. Paulus schreibt, dass auch Menschen ohne das Gesetz des Mose das Gute kennen, weil es ihnen ins Herz geschrieben ist (Röm 2,14–15). Im Mittelalter hat Thomas von Aquin das Naturrecht systematisch ausgearbeitet: als Licht der Vernunft, das Gott in den Menschen gelegt hat.

Was sagt die katholische Kirche zum Naturrecht?

Kurz: Es gibt ein sittliches Wissen, das allen Menschen zugänglich ist. Der Katechismus beschreibt es in KKK 1954–1960. Das natürliche Sittengesetz ist im Herzen jedes Menschen da, gilt für alle und begründet die Grundrechte und Pflichten der Person (KKK 1956). Es bleibt über alle Zeiten gültig, auch wenn man es bestreitet (KKK 1958). Seine Hauptgebote fasst der Dekalog zusammen, also die Zehn Gebote.

Wichtig ist ein Missverständnis. „Natürlich“ heißt hier nicht „wie in der Tierwelt“. Das Gesetz heißt natürlich, weil die Vernunft zur Natur des Menschen gehört (KKK 1955). Die Kirche sagt auch ehrlich: Nicht jeder erkennt diese Gebote klar und sofort (KKK 1960).

Warum ist das Naturrecht heute wichtig?

Die Frage wurde nach 1945 dringend. Die Nationalsozialisten hatten schweres Unrecht in Gesetzesform gegossen. Das Grundgesetz beginnt deshalb mit der unantastbaren Würde des Menschen, die der Staat nicht verleiht, sondern achten und schützen muss (Art. 1 GG).

Papst Benedikt XVI. hat das 2011 im Bundestag aufgegriffen. Recht dürfe nicht nur eine Frage der Mehrheit sein. Politik brauche ein „hörendes Herz“, das Gut und Böse unterscheiden kann. So verstanden ist das Naturrecht eine Brücke: Glaubende und Nichtglaubende können sich auf der Ebene der Vernunft verständigen. Das ist auch die Basis der christlichen Ethik.

Gleichzeitig ist das Naturrecht umstritten, gerade in Fragen der Sexualmoral. Wer mitreden will, sollte beide Seiten kennen.

Dein Gewissen ist kein Zufallsprodukt. Es ist ein Kompass, den du ernst nehmen und schärfen darfst.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Naturrecht und positivem Recht?

Positives Recht ist das Recht, das ein Staat tatsächlich beschlossen hat: Gesetze, Verordnungen, Urteile. Naturrecht meint Maßstäbe, die vor jedem Gesetz gelten und an denen sich Gesetze messen lassen müssen. Der Rechtspositivismus sagt dagegen, gültig sei nur, was ordnungsgemäß beschlossen wurde. Die katholische Kirche hält daran fest, dass staatliches Recht an das natürliche Sittengesetz gebunden bleibt (KKK 1959).

Was hat Papst Benedikt XVI. im Bundestag über Naturrecht gesagt?

Am 22. September 2011 sprach Benedikt XVI. im Berliner Reichstagsgebäude über die Grundlagen des Rechts. Er warnte davor, Recht nur als Mehrheitsentscheidung zu sehen, und erinnerte daran, dass Natur und Vernunft die Quellen des Rechts in der europäischen Tradition sind. Menschenrechte und Grundgesetz seien daraus gewachsen. Er sprach von einer Ökologie des Menschen: Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muss.

Warum wird das Naturrecht kritisiert?

Kritiker fragen, wer eigentlich festlegt, was natürlich ist. In der Geschichte wurde mit Natur auch Ungerechtes begründet. Besonders in der Sexualmoral wird in Deutschland darüber gestritten, ob die kirchliche Auslegung überzeugt. Die Kirche antwortet, dass Naturrecht nicht Biologie meint, sondern das, was die Vernunft über das Gute erkennt. Wie weit das trägt, wird auch innerhalb der Theologie diskutiert.

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