Du sollst nicht töten. Du sollst nicht stehlen. Ein paar der 10 Gebote kennen die meisten, auch wenn sie nie in einer Kirche waren. Die ganze Liste bekommen aber nur wenige zusammen. Und wer sie kennt, fragt sich oft: Was hat ein Text von einem Berg in der Wüste mit meinem Leben zu tun?
Hier findest du die Zehn Gebote in der katholischen Fassung, wo sie in der Bibel stehen und warum Katholiken, Protestanten und Juden sie unterschiedlich zählen. Vor allem aber: was jedes einzelne Gebot heute bedeutet, in der Schule, im Job, in der Beziehung und am Handy.
Die 10 Gebote: die Liste in der katholischen Fassung
So lauten die Zehn Gebote in der Kurzform, die die katholische Kirche im Unterricht verwendet. Sie steht im Kompendium des Katechismus aus dem Jahr 2005. Der Katechismus der Katholischen Kirche ist das offizielle Lehrbuch der Kirche, das Kompendium seine kurze Zusammenfassung.
Ich bin der Herr, dein Gott.
- Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.
- Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren.
- Du sollst den Tag des Herrn heiligen.
- Du sollst Vater und Mutter ehren.
- Du sollst nicht töten.
- Du sollst nicht ehebrechen.
- Du sollst nicht stehlen.
- Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen.
- Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.
- Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.
Diese Liste ist eine Merkfassung. Der Bibeltext ist länger: Manche Gebote haben dort eine Begründung, eines eine Verheißung. Die kurzen Sätze haben sich über Jahrhunderte eingebürgert, weil man sie auswendig lernen kann. Im 15. Jahrhundert kam der Brauch auf, die Gebote in kurzer, leicht einprägsamer Form weiterzugeben (KKK 2065).
Die zehn Sätze teilen sich in zwei Gruppen. Die ersten drei betreffen vor allem die Liebe zu Gott, die übrigen sieben die Liebe zum Nächsten (KKK 2067). Der Kirchenvater Augustinus verglich das mit den zwei Steintafeln, von denen die Bibel erzählt: drei Gebote auf der einen, sieben auf der anderen.
Wo stehen die Zehn Gebote in der Bibel?
Die Zehn Gebote stehen zweimal im Alten Testament: im Buch Exodus (Ex 20,2-17) und im Buch Deuteronomium (Dtn 5,6-21). Exodus heißt auch 2. Buch Mose, Deuteronomium 5. Buch Mose.
Die Bibel erzählt: Das Volk Israel ist gerade aus der Sklaverei in Ägypten entkommen und lagert am Berg Sinai. Dort spricht Gott die Gebote. Später schreibt er sie auf zwei Steintafeln (Ex 31,18). Als Mose vom Berg kommt und sieht, wie das Volk ein goldenes Kalb anbetet, zerschmettert er die Tafeln (Ex 32,19). Gott lässt ihn zwei neue anfertigen (Ex 34,1). Sie kommen in die Bundeslade, eine mit Gold überzogene Truhe, die Israel auf seinem Weg begleitet.
Das Wort Dekalog kommt aus dem Griechischen und heißt „zehn Worte“. So nennt die Bibel den Text selbst (Ex 34,28). Im Judentum heißen die Gebote bis heute Aseret ha-Dibrot, ebenfalls „die zehn Worte“.
Der erste Satz ist kein Befehl
Die Zehn Gebote beginnen nicht mit einem Verbot. Sie beginnen mit einer Erinnerung: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus (Ex 20,2). Erst kommt die Befreiung, dann kommen die Regeln. Der Katechismus liest die Gebote deshalb als Weg des Lebens: Sie zeigen, wie ein Leben aussieht, das nicht wieder in Unfreiheit zurückfällt (KKK 2057).
Das ändert den Blick. Die Gebote sind keine Schikane eines strengen Chefs. Sie sind die Hausordnung für Menschen, die frei geworden sind und frei bleiben sollen.
Exodus und Deuteronomium: kleine Unterschiede
Die beiden Fassungen sind fast gleich, aber nicht identisch. Beim Ruhetag begründet Exodus die Pause mit der Schöpfung: Gott ruhte am siebten Tag (Ex 20,11). Deuteronomium begründet sie mit der Befreiung: Du warst selbst Sklave in Ägypten, also lass auch deine Knechte und Mägde ausruhen (Dtn 5,15). Und beim Begehren nennt Exodus zuerst das Haus des Nächsten, Deuteronomium zuerst die Frau. Diese Reihenfolge spielt beim Zählen noch eine Rolle.
Wann genau die Zehn Gebote ihre heutige Form bekamen, ist in der Bibelwissenschaft umstritten. Viele Forscher gehen davon aus, dass der Text über lange Zeit gewachsen ist. Die Kirche liest ihn als Wort Gottes, das in der Geschichte Israels weitergegeben wurde. Wie man solche alten Texte liest, ohne naiv oder zynisch zu werden, erklärt der Artikel Wie liest man die Bibel?. Wie Altes und Neues Testament aufgebaut sind, zeigt unser Überblick über die Bibel.
Warum zählen Katholiken, Protestanten und Juden die Gebote anders?
Der Bibeltext hat keine Nummern. Er enthält mehr als zehn Sätze im Befehlston, und die Traditionen haben sie unterschiedlich zu zehn Geboten gebündelt (KKK 2066).
Die katholische Kirche folgt der Einteilung des Kirchenvaters Augustinus (354–430). Dieselbe Zählung haben die lutherischen Kirchen übernommen. Martin Luther, der in Erfurt studierte und dort 1505 ins Augustinerkloster eintrat, erklärte die Gebote 1529 in seinem Kleinen Katechismus in dieser Reihenfolge. Reformierte, anglikanische und orthodoxe Christen zählen anders, ebenso das Judentum.
| Inhalt | katholisch und lutherisch | reformiert, orthodox, anglikanisch | jüdisch |
|---|---|---|---|
| „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat“ | Einleitung | Einleitung | 1 |
| Keine anderen Götter | 1 | 1 | 2 |
| Kein Gottesbild | gehört zu 1 | 2 | gehört zu 2 |
| Name Gottes | 2 | 3 | 3 |
| Sabbat, Sonntag | 3 | 4 | 4 |
| Eltern ehren | 4 | 5 | 5 |
| Nicht töten | 5 | 6 | 6 |
| Nicht ehebrechen | 6 | 7 | 7 |
| Nicht stehlen | 7 | 8 | 8 |
| Kein falsches Zeugnis | 8 | 9 | 9 |
| Nicht begehren | 9 und 10 | 10 | 10 |
Eine Feinheit: Katholiken folgen beim Begehren der Reihenfolge aus Deuteronomium, also erst die Frau (9), dann der Besitz (10). Luther folgte Exodus. Bei ihm ist das Haus das neunte Gebot, Frau und übriger Besitz das zehnte.
Wenn jemand vom „sechsten Gebot“ spricht, lohnt deshalb eine Rückfrage. Für Katholiken und Lutheraner ist das der Ehebruch, für Reformierte das Tötungsverbot.
Haben Katholiken das Bilderverbot gestrichen?
Nein. Das Verbot, sich ein Gottesbild zu machen, gehört in der katholischen Zählung zum ersten Gebot und steht in voller Länge in jeder katholischen Bibel. Die Kirche versteht es so: Gott ist größer als alles, was Menschen darstellen können, deshalb verbietet die Bibel, ihn in ein selbstgemachtes Bild zu fassen und es anzubeten (KKK 2129). Weil Gott in Jesus selbst ein menschliches Gesicht bekommen hat, darf man ihn darstellen (KKK 2131). Wer ein Bild von Jesus oder einem Heiligen verehrt, meint die Person dahinter, nicht Holz und Farbe. Anbetung gebührt allein Gott (KKK 2132).
Welche Unterschiede es sonst zwischen den Kirchen gibt, erklärt der Artikel Katholisch und evangelisch.
Die Zehn Gebote einzeln erklärt: was sie heute heißen
Jedes Gebot hat einen Kern, der auf den ersten Blick schlicht wirkt. Der Katechismus entfaltet sie auf vielen Seiten (KKK 2083–2557). Hier das Wichtigste, jeweils mit der Frage: Was heißt das für dich?
1. Gebot: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben
Das erste Gebot sagt: Nur Gott verdient deine Anbetung. Nichts anderes darf an seine Stelle rücken (KKK 2084, 2110).
Heute stellt kaum jemand Götterstatuen auf. Der Katechismus nennt aber auch Macht, Vergnügen, Geld oder den Staat, wenn Menschen sie behandeln, als wären sie Gott (KKK 2113). Jesus sagt es knapp: Du kannst nicht Gott dienen und dem Geld (Mt 6,24). Ein Götze ist das, wofür du alles andere opferst. Das kann die Karriere sein, der Körper, eine Beziehung oder die Zahl der Follower.
Was du über alles stellst, das regiert dich.
Auch Aberglaube fällt unter dieses Gebot. Horoskope, Wahrsagerei und Magie lehnt die Kirche klar ab, weil dahinter der Wunsch steckt, die Zukunft und andere Menschen in den Griff zu bekommen (KKK 2116–2117). Der Gedanke dahinter ist befreiend: Wenn Gott der Herr ist, hängt dein Leben nicht an Sternzeichen, Glücksbringern oder Klickzahlen.
2. Gebot: Du sollst den Namen Gottes nicht verunehren
Das zweite Gebot schützt den Namen Gottes. Wer ihn ausspricht, soll es mit Respekt tun (KKK 2142).
Gemeint ist zuerst die Gotteslästerung: bewusst verächtlich über Gott zu reden. Auch Flüche, die Gottes Namen gedankenlos benutzen, nennt der Katechismus einen Mangel an Ehrfurcht (KKK 2148–2149). Ein „Oh mein Gott“ als Füllwort macht niemanden zum Gotteslästerer. Es lohnt trotzdem, einmal darauf zu achten, wie oft der Name fällt, ohne dass du Gott meinst.
Viel schwerer wiegt etwas anderes: Gottes Namen zu benutzen, um Gewalt zu rechtfertigen, Menschen zu unterdrücken oder Verbrechen zu decken. Auch das ist nach dem Katechismus Gotteslästerung (KKK 2148). Das gilt ohne Ausnahme, auch innerhalb der Kirche.
Und noch etwas steckt in diesem Gebot: Auch der Name jedes Menschen ist heilig (KKK 2158). Wer andere wegen ihres Namens verspottet, ist näher am zweiten Gebot, als er denkt.
3. Gebot: Du sollst den Tag des Herrn heiligen
Im Alten Testament ist der Sabbat gemeint, der siebte Tag der Woche. Christen feiern stattdessen den Sonntag, den Tag der Auferstehung Jesu (KKK 2175). Heiligen heißt: Dieser Tag gehört Gott und der Ruhe.
Konkret erwartet die Kirche zweierlei. Katholiken sollen am Sonntag die Heilige Messe mitfeiern, die Vorabendmesse am Samstag zählt mit (KKK 2180). Und sie sollen Arbeit meiden, die den Tag zu einem normalen Werktag macht (KKK 2185). Krankheit, die Sorge für kleine Kinder oder notwendige Dienste entschuldigen (KKK 2181, 2185).
Hier ist die Kirche deutlich: Wer die Sonntagsmesse absichtlich und ohne ernsten Grund auslässt, begeht nach katholischer Lehre eine schwere Sünde (KKK 2181). Das klingt nach Pflichtprogramm. Gemeint ist ein Rhythmus, der dich schützt.
Der Katechismus nennt den Ruhetag einen Protest gegen die Fron der Arbeit und die Vergötzung des Geldes (KKK 2172). Jesus sagt, der Sabbat sei für den Menschen da und nicht der Mensch für den Sabbat (Mk 2,27).
Ein Leben ohne freien Tag ist kein freies Leben.
Wenn Lernstress, Nebenjob oder Schichtdienst dir die Woche auffressen, ist der Sonntag die Stelle, an der du dir etwas zurückholen kannst: Zeit für Gott, für Menschen, für Schlaf.
4. Gebot: Du sollst Vater und Mutter ehren
Das vierte Gebot eröffnet die zweite Tafel. Es verlangt Achtung vor den Eltern, und zwar ein Leben lang (KKK 2214, 2217).
Solange Kinder zu Hause leben, sollen sie den Eltern in dem folgen, was ihrem Wohl oder dem der Familie dient. Mit der Volljährigkeit endet die Pflicht zum Gehorsam, die Achtung bleibt (KKK 2217). Erwachsene Kinder sollen ihren Eltern beistehen, wenn diese alt, krank oder einsam werden (KKK 2218).
Das Gebot hat Grenzen. Wenn Eltern etwas verlangen, das dein Gewissen als falsch erkennt, musst du nicht folgen (KKK 2217). Und Eltern sollen bei Berufswahl und Partnerwahl keinen Zwang ausüben (KKK 2230). Der Katechismus bezieht das Gebot auch auf den Staat. Anordnungen, die gegen Menschenrechte oder das Evangelium verstoßen, soll man nicht befolgen (KKK 2242).
Ehren heißt nicht, alles gutzuheißen.
Viele junge Leute tragen Verletzungen aus ihrer Familie mit sich. Das Gebot verlangt nicht, so zu tun, als sei nichts gewesen. Es verlangt, den Menschen, denen du dein Leben verdankst, nicht mit Verachtung zu begegnen. Manchmal ist das ein langer Weg. Wenn du zu Hause Gewalt erlebst oder es gerade richtig schwer ist: Auf unserer Hilfe-Seite stehen Stellen, die rund um die Uhr erreichbar sind.
5. Gebot: Du sollst nicht töten
Das menschliche Leben ist heilig, von seinem Beginn bis zu seinem Ende. Niemand darf einen unschuldigen Menschen direkt töten (KKK 2258).
Daraus leitet die Kirche klare Positionen ab. Sie lehnt Abtreibung und aktive Sterbehilfe ab (KKK 2270–2275, 2277). Notwehr mit angemessenen Mitteln ist erlaubt (KKK 2263–2264). Seit 2018 lehrt der Katechismus, dass die Todesstrafe unzulässig ist, weil sie gegen die Unantastbarkeit und Würde der Person verstößt (KKK 2267 in der Fassung von Papst Franziskus).
Jesus geht noch tiefer. Er sagt, dass schon der Zorn auf den Bruder vor Gericht gehört (Mt 5,21-22). Hass und Rachewünsche verstoßen gegen dieses Gebot (KKK 2302–2303). Der Katechismus nennt ausdrücklich auch verletzende Worte (KKK 2073).
Wer andere systematisch fertigmacht, verletzt das fünfte Gebot.
Auch dein eigenes Leben steht unter diesem Schutz. Leben und Gesundheit sind dir anvertraut (KKK 2280, 2288). Deshalb nennt der Katechismus jedes Übermaß an Alkohol, Drogen und Medikamenten und das Rasen im Straßenverkehr beim Namen (KKK 2290–2291). Dahinter steht kein Misstrauen gegen Freude. Dahinter steht die Überzeugung, dass du es wert bist, geschützt zu werden, auch vor dir selbst.
6. Gebot: Du sollst nicht ehebrechen
Das sechste Gebot schützt die Treue in der Ehe. Die Kirche versteht es weiter: Es betrifft den ganzen Umgang mit Sexualität (KKK 2331–2400).
Das Schlüsselwort ist Keuschheit. Das klingt altmodisch, meint aber keine Verklemmtheit. Gemeint ist, dass deine Sexualität zu dir als ganzem Menschen gehört und kein Doppelleben führt (KKK 2337–2338). Nach katholischer Lehre gehört Sex in die Ehe, weil er dort ausdrückt, was er verspricht: ganze, bleibende Hingabe. Deshalb nennt der Katechismus Ehebruch, Sex vor der Ehe und Pornografie schwere Verstöße (KKK 2353–2354, 2380).
Das ist die Lehre der Kirche, klar und ohne Abstriche. Ehrlich ist auch: Viele Katholiken in Deutschland sehen und leben das anders, und über die Sexualmoral wird in der Kirche hierzulande offen gestritten. Warum die Kirche trotzdem daran festhält, erklärt der Artikel Sexualität und Kirche.
Jesus verschärft auch dieses Gebot. Wer eine Frau begehrlich ansieht, hat im Herzen schon die Ehe gebrochen (Mt 5,27-28). Das gilt für Männer wie für Frauen.
Treue fängt nicht erst mit dem Ring an.
7. Gebot: Du sollst nicht stehlen
Das siebte Gebot verbietet, sich fremdes Eigentum unrechtmäßig zu nehmen oder anderen an ihrem Besitz zu schaden (KKK 2401).
Der Katechismus zählt dazu mehr, als man denkt: Geliehenes nicht zurückgeben, Gefundenes behalten, Betrug beim Handel, ungerechte Löhne, Steuerhinterziehung, schlampig erledigte Arbeit und mutwillige Sachbeschädigung (KKK 2409). Wer etwas genommen hat, soll es zurückgeben oder ersetzen (KKK 2412). Übertragen auf heute stellt sich die Frage auch beim Schwarzfahren oder bei Raubkopien.
Stehlen beginnt nicht erst beim Ladendiebstahl.
Das Gebot hat auch eine große, gesellschaftliche Seite. Die Güter der Erde sind für alle Menschen bestimmt (KKK 2402). Deshalb gehören gerechter Lohn (KKK 2434), Hilfe für Arme (KKK 2443) und der Schutz der Schöpfung für kommende Generationen (KKK 2415) ebenfalls zum siebten Gebot. Wer fair teilt, hält es auch dann, wenn er nie etwas gestohlen hat.
8. Gebot: Du sollst nicht falsch gegen deinen Nächsten aussagen
Das achte Gebot verlangt Wahrhaftigkeit. Ursprünglich ging es um Falschaussagen vor Gericht, heute um jede Art, die Wahrheit zu verdrehen (KKK 2464).
Lügen heißt, bewusst Unwahres zu sagen, um jemanden zu täuschen (KKK 2482). Der Katechismus nennt auch leisere Formen: vorschnell Schlechtes über andere annehmen, ihre Fehler ohne Grund weitererzählen, Unwahres über sie verbreiten (KKK 2477). Jeder Mensch hat ein Recht auf seinen guten Ruf (KKK 2479).
Das trifft den Alltag. Der Screenshot aus dem Gruppenchat, der weitergeleitet wird. Das Gerücht über die Neue in der Klasse. Der geteilte Post, den keiner geprüft hat.
Ein Klick kann einen Ruf zerstören, den kein Klick wiederherstellt.
Wahrhaftigkeit heißt aber nicht, alles auszuplaudern. Niemand muss die Wahrheit Menschen sagen, die kein Recht darauf haben, und Diskretion schützt oft andere (KKK 2489). Ehrlich sein und verschwiegen sein gehören zusammen.
9. Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau
Das neunte Gebot richtet sich nicht auf Taten, sondern aufs Herz. Es verbietet das begehrliche Verlangen nach einem Menschen, der nicht zu dir gehört, und allgemein die ungeordnete sexuelle Begierde (KKK 2514).
Die Formulierung stammt aus einer Zeit, in der sich Gesetze an Männer richteten. Der Sache nach gilt das Gebot für alle, also auch für den Freund oder die Partnerin eines anderen.
Wichtig ist eine Unterscheidung. Ein Gedanke, der dir durch den Kopf schießt, ist noch keine Sünde. Die Kirche unterscheidet zwischen Versuchtwerden und der Versuchung zustimmen (KKK 2847). Es kommt darauf an, was du mit dem Gedanken machst: ob du ihn nährst oder ziehen lässt.
Das Ziel nennt der Katechismus Reinheit des Herzens. Dazu gehört eine gesunde Scham, die das Intime schützt (KKK 2521), und ein bewusster Umgang mit dem, was du dir anschaust (KKK 2525). Jesus preist die Menschen mit reinem Herzen selig, denn sie werden Gott sehen (Mt 5,8).
10. Gebot: Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut
Das zehnte Gebot richtet sich gegen Gier und Neid. Es verbietet, maßlos nach Besitz zu verlangen oder anderen ihr Glück nicht zu gönnen (KKK 2536, 2538).
Neid beschreibt der Katechismus als Traurigkeit darüber, dass es einem anderen gut geht (KKK 2539). Das kennt fast jeder, der Instagram öffnet: die Urlaubsbilder, der Körper, die Beziehung, der Job. Vergleichen ist menschlich. Wie es dich trotzdem nicht auffrisst, beschreibt der Artikel Instagram, TikTok und Vergleich.
Wer auf das schaut, was andere haben, hat nie genug.
Das Gegenmittel ist einfach, wenn auch nicht leicht: sich über das Gute bei anderen freuen (KKK 2540). Jesus sagt: Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz (Mt 6,21). Zusammen mit dem neunten fasst das zehnte Gebot nach dem Katechismus alle anderen zusammen, denn aus dem Begehren gehen Diebstahl, Betrug und Gewalt hervor (KKK 2534).
Was Jesus aus den Zehn Geboten macht
Jesus hat die Zehn Gebote nicht abgeschafft. Er sagt ausdrücklich, dass er das Gesetz erfüllen will, nicht aufheben (Mt 5,17). Er lebte als Jude mit der Tora, dem Gesetz seines Volkes. Was man historisch über ihn weiß und was Christen über ihn glauben, erklärt der Artikel Wer war Jesus?.
Als ein junger Mann ihn fragt, was er Gutes tun muss, um das ewige Leben zu gewinnen, verweist Jesus zuerst auf die Gebote: nicht töten, nicht ehebrechen, nicht stehlen, nicht falsch aussagen, Vater und Mutter ehren (Mt 19,16-19). Dann geht er einen Schritt weiter: Verkauf deinen Besitz, gib das Geld den Armen und folge mir nach. Der junge Mann geht traurig weg. Petrus fragt danach, was aus denen wird, die alles verlassen haben (Mt 19,27). Wer diese Männer um Jesus waren, erzählt der Artikel über die zwölf Apostel.
Die Gebote sind für Jesus der Anfang, nicht das Ende. Er bündelt sie in einem doppelten Gebot: Gott lieben mit ganzem Herzen, ganzer Seele und allen Gedanken, und den Nächsten lieben wie dich selbst. An diesen beiden hängt alles (Mt 22,37-40). Paulus sagt es so: Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses, darum ist sie die Erfüllung des Gesetzes (Röm 13,9-10).
In der Bergpredigt zeigt Jesus, was das konkret heißt. Er nimmt einzelne Gebote und führt sie bis in die Gedanken: vom Töten zum Zorn, vom Ehebruch zum begehrlichen Blick. Was die Bergpredigt sonst enthält, von den Seligpreisungen bis zum Vaterunser, steht in unserem Artikel zur Bergpredigt.
Liebe ist keine Ausrede, um die Gebote zu umgehen. Sie ist der Grund, sie ernster zu nehmen.
Gelten die 10 Gebote heute noch?
Ja. Für die katholische Kirche sind die Zehn Gebote unveränderlich. Sie gelten immer und überall, und niemand kann jemanden von ihnen befreien (KKK 2072).
Die Kirche sagt außerdem: Die Gebote sind keine willkürlichen Regeln einer Religion. Sie drücken das natürliche Sittengesetz aus, also das, was Menschen auch mit ihrer Vernunft als gut erkennen können (KKK 2070–2071). Man spricht hier vom Naturrecht. Deshalb findest du das Verbot von Mord, Diebstahl oder Falschaussage vor Gericht auch im Strafgesetzbuch, ganz ohne Religion.
Gleichzeitig wiegt nicht jeder Verstoß gleich schwer. Die Gebote betreffen gewichtige Dinge, schließen aber auch kleinere Pflichten ein (KKK 2073, 2081). Eine Todsünde liegt nach katholischer Lehre erst vor, wenn es um eine schwere Sache geht und du mit vollem Wissen und freiem Willen zustimmst (KKK 1857). Die Zehn Gebote zeigen, was eine schwere Sache ist (KKK 1858).
Du wirst an den Geboten scheitern. Das ist kein Grund, sie aufzugeben.
Der Katechismus schließt seine Einleitung zu den Geboten mit einem Satz, der alles umdreht: Was Gott gebietet, macht er durch seine Gnade möglich (KKK 2082). Niemand hält die Gebote aus eigener Kraft perfekt. Wer scheitert, kann neu anfangen. Genau dafür gibt es die Beichte. Viele nutzen die Zehn Gebote als Spiegel, um sich darauf vorzubereiten.
Was die Zehn Gebote für dich heißen können
Die Gebote werden erst dann mehr als eine Liste, wenn du sie auf dein Leben legst. So kannst du anfangen:
- Lern die ListeZehn Sätze, fünf Minuten. Drei für Gott, sieben für die Menschen um dich. Wer sie kennt, hat einen Maßstab, der nicht von der Tagesform abhängt.
- Lies den OriginaltextSchlag Exodus 20 auf und lies die Stelle ganz, mit dem ersten Satz über die Befreiung. Es dauert keine fünf Minuten.
- Nimm dir ein Gebot pro Woche vorLies die Erklärung oben und frag dich abends: Wo hat mich das heute betroffen? Wo habe ich es gehalten, wo nicht?
- Frag nach dem Guten dahinterHinter jedem Verbot steht etwas, das geschützt wird: Leben, Treue, Vertrauen, ein guter Ruf. Überleg, wie du es heute aktiv schützen kannst.
- Rede mit anderen darüberIn der Runde sprechen junge Leute aus Thüringen darüber, wie Glaube im Alltag aussieht, auch über die unbequemen Gebote.
Wie das im Alltag ohne Krampf gelingt, zeigt Glaube im Alltag. Du musst nicht alle zehn auf einmal meistern. Fang mit einem an, heute.
Häufige Fragen
Wie kann man sich die 10 Gebote leicht merken?
Teil sie zuerst in drei und sieben: Drei Gebote betreffen Gott, sieben die Menschen. Dann reicht ein Stichwort pro Gebot: Gott, Name, Sonntag, Eltern, Leben, Treue, Eigentum, Wahrheit, Herz, Besitz. Wer an den Fingern abzählt, lässt die ersten drei Finger für Gott stehen und die übrigen sieben für die Menschen. Wer die Stichworte kann, findet den vollen Satz meist von allein wieder.
Heißt es „Du sollst nicht töten“ oder „Du sollst nicht morden“?
Beides kommt vor. Die Einheitsübersetzung, die Lutherbibel und die Kurzform der Kirche sagen „töten“, die Gute Nachricht Bibel sagt „morden“. Das hebräische Wort im Bibeltext meint vor allem das widerrechtliche Töten eines Menschen. Inhaltlich reicht das Gebot nach katholischer Lehre weiter als das Mordverbot: Es schützt jedes unschuldige Leben vom Anfang bis zum Ende und verbietet auch Hass, Gewalt und verletzende Worte (KKK 2258–2330).
Was ist der Unterschied zwischen den Zehn Geboten und den Kirchengeboten?
Die Zehn Gebote stammen aus der Bibel und gelten nach katholischer Lehre für alle Menschen. Die fünf Kirchengebote hat die Kirche selbst erlassen, als Mindestmaß für das Leben als Katholik (KKK 2041–2043): sonntags und an gebotenen Feiertagen die Messe mitfeiern, mindestens einmal im Jahr schwere Sünden beichten, mindestens in der Osterzeit die Kommunion empfangen, die gebotenen Feiertage halten und die Fast- und Abstinenztage einhalten.
Wo sind die Steintafeln mit den Zehn Geboten heute?
Das weiß niemand. Nach der Bibel lagen die Tafeln in der Bundeslade, die später im Tempel von Jerusalem stand (1 Kön 8,9). Spätestens seit die Babylonier den Tempel 587/586 vor Christus zerstörten, fehlt von der Lade jede Spur. Die äthiopisch-orthodoxe Kirche sagt, sie werde in Aksum aufbewahrt. Überprüfen lässt sich das nicht: Außer einem einzigen Mönch, dem Wächter, darf sie niemand sehen.
Wie viele Gebote gibt es in der Bibel?
Deutlich mehr als zehn. Die jüdische Tradition zählt in den fünf Büchern Mose 613 Gebote und Verbote, 248 Gebote und 365 Verbote. Diese Zahl geht auf den Talmud zurück. Die Zehn Gebote haben unter ihnen eine Sonderstellung: Nach der Bibel sprach Gott sie direkt zum ganzen Volk und schrieb sie selbst auf die Tafeln. Sie gelten deshalb als Kern und Zusammenfassung des ganzen Gesetzes.
Gelten die Zehn Gebote auch für Menschen, die nicht an Gott glauben?
Nach katholischer Lehre ja, jedenfalls ihr Kern. Die Kirche sagt, die Gebote drücken das natürliche Sittengesetz aus, das Menschen auch mit der Vernunft erkennen können (KKK 2070–2071). Nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen, Eltern achten: Das leuchtet auch ohne Glauben ein. Die ersten drei Gebote über Gott setzen dagegen den Glauben voraus. Wer nicht glaubt, wird sie anders lesen, kann aber verstehen, warum sie für Gläubige an erster Stelle stehen.
Was ist das wichtigste der Zehn Gebote?
Das erste. Es stellt Gott an den Anfang, und alle anderen Gebote hängen davon ab. Jesus wurde genau das gefragt und antwortete mit zwei Sätzen aus dem Alten Testament: Gott lieben mit ganzem Herzen und den Nächsten lieben wie sich selbst (Mt 22,37–40). Der Katechismus sagt deshalb, die Zehn Gebote seien im Licht dieses doppelten Liebesgebots zu verstehen (KKK 2055). Wer liebt, hält die Gebote nicht aus Angst.
Quellen
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2052–2082 (Die Zehn Gebote: Einleitung, Zählung, Verbindlichkeit)
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2083–2557 (die zehn Gebote einzeln), Inhaltsverzeichnis
- Kompendium des Katechismus der Katholischen Kirche (2005), Zweiter Abschnitt: Die Zehn Gebote, katechetische Überlieferung
- Kongregation für die Glaubenslehre: Neue Formulierung der Nr. 2267 des Katechismus bezüglich der Todesstrafe (1. August 2018)
- Evangelische Kirche in Deutschland: Die Zehn Gebote (lutherische Fassung und Zählung)
- Deutsche Bibelgesellschaft, die-bibel.de: Dekalog / Die zehn Gebote
- katholisch.de: Äthiopien, das Land mit der Bundeslade
- Exodus 20,1–17 und Deuteronomium 5,6–21 (Einheitsübersetzung 2016) auf bibleserver.com
Stand: September 2026. Fehler gefunden? Schreib uns. Wie wir arbeiten










