
Glaube

Kurz erklärt
Die feierliche Erklärung des Papstes, dass ein verstorbener Mensch vorbildlich mit Gott gelebt hat und in der ganzen Kirche als Heiliger verehrt werden darf.
Mit einer Heiligsprechung erklärt der Papst feierlich, dass ein verstorbener Mensch bei Gott vollendet ist und in der ganzen Kirche als Heiliger verehrt werden darf. Vorher prüft die Kirche sein Leben über Jahre: Hat er seinen Glauben auf herausragende Weise gelebt, oder ist er für ihn gestorben?
Der Fachbegriff dafür heißt Kanonisierung. „Kanon“ bedeutet hier Verzeichnis: Der Name wird in die Liste der Heiligen aufgenommen.
Woher kommt die Heiligsprechung?
In den ersten Jahrhunderten gab es kein Verfahren. Gemeinden verehrten ihre Märtyrer, und der Bischof vor Ort bestätigte das.
Als erste päpstliche Heiligsprechung gilt die des Bischofs Ulrich von Augsburg im Jahr 993 durch Papst Johannes XV., auch wenn Historiker einzelne Umstände anzweifeln. Papst Gregor IX. erklärte sie 1234 zum alleinigen Recht des Papstes, endgültig durchgesetzt wurde das mit der Gründung der Ritenkongregation 1588. Auch Elisabeth wurde auf diese Weise heiliggesprochen, 1235, nur wenige Jahre nach ihrem Tod. Ihre Geschichte erzählt der Beitrag über Elisabeth von Thüringen.
Wie läuft eine Heiligsprechung ab?
Das Verfahren hat mehrere Stufen und dauert oft Jahrzehnte. Zuständig ist in Rom das Dikasterium für die Selig- und Heiligsprechungsprozesse, das letzte Wort hat der Papst.
- Diener GottesEin Bistum oder ein Orden eröffnet das Verfahren, normalerweise erst einige Jahre nach dem Tod. Ein Postulator sammelt Zeugnisse, Schriften und Lebensdaten.
- EhrwürdigTheologen und Kardinäle prüfen, ob die Person die christlichen Tugenden heldenhaft gelebt hat.
- SeligFür die Seligsprechung braucht es ein anerkanntes Wunder. Bei Märtyrern entfällt das.
- HeiligNach einem weiteren anerkannten Wunder kann der Papst die Heiligsprechung verkünden.
Was ist der Unterschied zwischen selig und heilig?
Selige dürfen in einem bestimmten Bistum, Land oder Orden verehrt werden. Heilige in der ganzen Weltkirche, mit eigenem Gedenktag im Kalender.
Evangelische Kirchen kennen keine Heiligsprechung. Sie ehren vorbildliche Christen, rufen sie aber nicht als Fürsprecher an. Warum Katholiken das tun, erklärt der Text über das Beten zu Heiligen.
Was bedeutet das für dich?
Der Katechismus sagt: Heiliggesprochene Menschen sind Vorbilder und Fürsprecher, sie stärken die Hoffnung der Gläubigen (KKK 828). Es geht nicht um Superhelden.
Heilig heißt nicht fehlerlos.
Die meisten Heiligen haben gezweifelt, gestritten, von vorn angefangen. Franz von Assisi war ein verwöhnter Kaufmannssohn, Augustinus hat jahrelang gesucht, bevor er glauben konnte. Was sie verbindet, ist, dass sie drangeblieben sind. Wenn du wissen willst, was Heiligkeit im Alltag heißt, fang mit einer Lebensgeschichte an, die dich berührt. Auf der Übersicht der Heiligen findest du einige. Manche Kirchen bewahren von ihnen auch eine Reliquie auf.
Häufige Fragen
Wie viele Wunder braucht man für eine Heiligsprechung?
In der Regel zwei. Ein anerkanntes Wunder ist für die Seligsprechung nötig, ein weiteres danach für die Heiligsprechung. Meist geht es um Heilungen, die Ärzte nicht erklären können und die auf die Fürsprache der Person zurückgeführt werden. Bei Märtyrern, die wegen ihres Glaubens getötet wurden, verzichtet die Kirche für die Seligsprechung auf ein Wunder.
Macht die Kirche Menschen zu Heiligen?
Nein. Die Kirche macht niemanden heilig, das kann nur Gott. Sie stellt nach langer Prüfung fest, dass ein Mensch sein Leben in Treue zu Gott gelebt hat, und stellt ihn allen als Vorbild vor. Heilige gibt es viel mehr, als je heiliggesprochen wurden. An sie alle erinnert das Fest Allerheiligen am 1. November.
Gibt es auch junge Heilige aus unserer Zeit?
Ja. Das bekannteste Beispiel ist Carlo Acutis. Der Italiener starb 2006 mit 15 Jahren an Leukämie und wurde am 7. September 2025 von Papst Leo XIV. heiliggesprochen, zusammen mit Pier Giorgio Frassati. Carlo liebte Computer und die Eucharistie. Er zeigt, dass Heiligkeit kein Thema nur für alte Menschen ist.

Die Runde
Allein grübelnmuss niemand.
In der Runde redest du mit jungen Leuten aus Thüringen weiter. Mitlesen ist okay, Fragen sind willkommen.








