Ein junger Mann aus reichem Haus zieht sich vor dem Bischof und der halben Stadt nackt aus und gibt seinem Vater die Kleider zurück. Ab jetzt, sagt er, habe er nur noch einen Vater im Himmel. So beginnt das zweite Leben von Franz von Assisi, dem vielleicht bekanntesten Heiligen der Welt.
Am Abend des 3. Oktober 1226 ist er gestorben. 2026 jährt sich sein Tod zum 800. Mal, und die katholische Kirche feiert ein ganzes Franziskus-Jahr. Hier liest du, wer Franziskus von Assisi war, was hinter dem Sonnengesang und der Krippe von Greccio steckt, was an den Geschichten über Vögel und Wölfe dran ist und was Franz mit Thüringen zu tun hat.
Wer war Franz von Assisi?
Franz von Assisi war ein italienischer Kaufmannssohn, der um 1206 alles aufgab, um arm und einfach wie Jesus zu leben. Aus seinen Gefährten wurde der Orden der Franziskaner, einer der größten Orden der Kirche.
Geboren wurde er 1181 oder 1182 in Assisi, einer Stadt in Umbrien, mitten in Italien. Getauft wurde er auf den Namen Giovanni. Sein Vater Pietro di Bernardone war ein wohlhabender Tuchhändler, der oft in Frankreich Geschäfte machte. Deshalb nannte er den Sohn Francesco, „der kleine Franzose“. Aus diesem Spitznamen wurde der Name, unter dem ihn heute die ganze Welt kennt.
Anders als bei vielen älteren Heiligen wissen wir über Franz ziemlich viel. Es gibt Texte, die er selbst diktiert hat, und Lebensbeschreibungen von Menschen, die ihn noch kannten. Die erste schrieb Thomas von Celano schon kurz nach der Heiligsprechung 1228. Beim heiligen Nikolaus oder bei der heiligen Barbara ist das anders: Dort bleibt vieles Legende, weil verlässliche Quellen fehlen.
- 1181/82Geboren in Assisi als Sohn des Tuchhändlers Pietro di Bernardone und seiner Frau Pica.
- 1202Krieg zwischen Assisi und Perugia. Franz gerät für etwa ein Jahr in Gefangenschaft und wird krank.
- um 1206Im verfallenen Kirchlein San Damiano hört er beim Gebet vor dem Kreuz den Auftrag, Gottes Haus wieder aufzubauen.
- 1206/07Bruch mit dem Vater vor dem Bischof von Assisi. Franz lebt ab jetzt als Büßer und pflegt Aussätzige.
- 1209/10Mit seinen ersten Gefährten zieht er nach Rom. Papst Innozenz III. erlaubt ihm mündlich, nach dem Evangelium zu leben.
- 1212Klara von Assisi schließt sich an. Aus ihrer Gemeinschaft werden die Klarissen.
- 1219Reise nach Ägypten und Begegnung mit Sultan al-Kamil bei Damiette.
- 29.11.1223Papst Honorius III. bestätigt die endgültige Ordensregel. An Weihnachten feiert Franz in Greccio an einer Krippe.
- 1224Auf dem Berg La Verna empfängt er nach dem Bericht seiner Gefährten die Wundmale Jesu.
- um 1225Schwer krank dichtet er in San Damiano den Sonnengesang.
- 3.10.1226Franz stirbt am Abend an der Portiuncula-Kapelle unterhalb von Assisi.
- 16.7.1228Papst Gregor IX. spricht ihn heilig. 1230 wird er in der neuen Basilika San Francesco beigesetzt.
Wie Franz sich bekehrte: vom Kaufmannssohn zum Bettler
Der junge Franz war beliebt, großzügig und feierte gern. Er träumte davon, Ritter zu werden. Nach der Niederlage gegen Perugia verbrachte er rund ein Jahr im Gefängnis und kam krank zurück. Ein zweiter Versuch, in den Krieg zu ziehen, endete schon in Spoleto: Franz kehrte um, ohne recht zu wissen, wohin sein Leben gehen sollte.
In dieser Zeit begegnete er einem Aussätzigen. Lepra war damals unheilbar, die Kranken lebten ausgegrenzt vor der Stadt. Franz ekelte sich vor ihnen. Seine Biografen erzählen: Diesmal stieg er vom Pferd, gab dem Mann Geld und küsste ihm die Hand. In seinem Testament schreibt er später, dass ihm das, was vorher bitter war, in Süßigkeit für Seele und Leib verwandelt wurde. Für ihn war dieser Moment der eigentliche Anfang.
Das Kreuz von San Damiano
Um 1206 betete Franz in San Damiano, einer kleinen, halb verfallenen Kirche vor den Mauern von Assisi. Nach dem Bericht seiner frühen Biografen hörte er vom Kreuz herab eine Stimme: Er solle Gottes Haus wieder aufbauen, das, wie er sehe, ganz verfallen sei. Franz nahm das wörtlich und begann, Steine zu schleppen und Kirchen auszubessern. Erst später verstand er den Auftrag größer: Es ging um die ganze Kirche.
Das bemalte Holzkreuz gibt es noch. Es hängt heute in der Basilika der heiligen Klara in Assisi.
Der Bruch mit dem Vater
Um Geld für den Wiederaufbau zu bekommen, verkaufte Franz Stoffe aus dem Laden seines Vaters. Der Vater war wütend, sperrte ihn ein und verklagte ihn schließlich vor dem Bischof. Dort, 1206 oder 1207, legte Franz alle Kleider ab und gab sie zurück. Der Bischof bedeckte ihn mit seinem Mantel.
Wer die Geschichte von Sankt Martin kennt, erkennt ein Muster wieder: ein junger Mann mit Soldatenträumen, ein Mantel, ein Armer am Wegrand. Martin teilte seinen Mantel, Franz gab gleich alles her. Beide gehören zu den Heiligen, die nicht als Märtyrer, sondern wegen ihres Lebens verehrt werden.
Die ersten Brüder und der Orden der Franziskaner
Bald schlossen sich Franz andere Männer an, zuerst der reiche Bernhard von Quintavalle. Gemeinsam suchten sie im Evangelium nach einer Richtschnur. Sie fanden die Stelle, an der Jesus seine Jünger aussendet: ohne Gold und Silber, ohne zweites Hemd, ohne Schuhe und Stab (Mt 10,9–10). Genau so wollten sie leben.
Um 1209/10 zog Franz mit seinen ersten Gefährten nach Rom. Papst Innozenz III. bestätigte ihre Lebensweise mündlich. Die Gruppe nannte sich „Minderbrüder“, lateinisch Fratres Minores: Sie wollten die Geringsten sein, nicht die Wichtigen. Sie besaßen nichts, arbeiteten mit den Händen, bettelten, wenn die Arbeit nicht reichte, und predigten auf Straßen und Plätzen. Weil sie in der Stadt lebten statt hinter Klostermauern auf dem Land, waren sie etwas Neues.
Der Orden wuchs rasend schnell. Mit der Zeit brauchte er feste Regeln. Am 29. November 1223 bestätigte Papst Honorius III. die endgültige Regel, nach der Franziskaner bis heute leben. Franz selbst gab die Leitung des Ordens schon 1220/21 ab. Er wurde nie Priester, sondern blieb Diakon.
Klara und die franziskanische Familie
1212 floh Klara, eine junge Adlige aus Assisi, in der Nacht nach Palmsonntag aus ihrem Elternhaus und schloss sich Franz an. Sie gründete in San Damiano eine Gemeinschaft von Frauen, aus der die Klarissen wurden. Für Menschen, die in Familie und Beruf blieben, entstand ein dritter Zweig, der heute Franziskanische Gemeinschaft heißt.
Heute gibt es drei große Männerorden, die sich auf Franz berufen: Franziskaner, Minoriten und Kapuziner. Dazu kommen Klarissen, viele Schwesterngemeinschaften und Laien. Wie so ein Leben in Gemeinschaft aussieht und warum sich Menschen dafür entscheiden, erklären wir im Artikel Warum gibt es Klöster?. Wer Franziskaner, Kapuziner oder Klarissen sind, fällt unter den Oberbegriff Ordensleute.
Franz und der Sultan: die Begegnung von 1219
1219 reiste Franz nach Ägypten. Dort belagerte ein Kreuzfahrerheer die Stadt Damiette. Franz ging mit einem Gefährten durch die Linien ins Lager des Gegners und traf Sultan al-Kamil, einen Neffen des berühmten Saladin.
Was genau gesprochen wurde, weiß niemand. Die Quellen sind sich nur in wenigen Punkten einig: Franz wollte den Sultan für den christlichen Glauben gewinnen, der Sultan hörte ihm zu, behandelte ihn freundlich und ließ ihn unversehrt zurückgehen. Später wurde die Geschichte ausgeschmückt, etwa mit einer angebotenen Feuerprobe.
Für viele ist diese Szene heute ein frühes Bild für den Dialog zwischen Christen und Muslimen. Mitten im Krieg ging einer ohne Waffen zum Feind und redete mit ihm. Romantisieren muss man sie nicht: Franz wollte missionieren. Aber er tat es mit Worten und mit Respekt, nicht mit dem Schwert.
Greccio 1223: Hat Franz die Weihnachtskrippe erfunden?
Ja und nein. Franz feierte Weihnachten 1223 in Greccio mit einer Futterkrippe, Heu, Ochs und Esel. Figuren gab es keine, die Menschen selbst waren Teil der Szene. Trotzdem gilt die Nacht von Greccio als Anfang der Krippentradition.
Thomas von Celano erzählt, Franz habe zwei Wochen vor Weihnachten einen Mann aus Greccio namens Johannes gebeten, alles vorzubereiten. Er wolle mit eigenen Augen sehen, wie arm und unbequem Jesus zur Welt gekommen sei. In der Heiligen Nacht kamen Brüder und Leute aus der Umgebung mit Fackeln und Kerzen. Über der Krippe wurde die Messe gefeiert, Franz sang als Diakon das Evangelium und predigte.
Franz ging es um eine Botschaft: Gott kommt nicht in Palästen zur Welt, sondern im Stall. Was Christen an Weihnachten feiern, sollte man sehen, riechen und fühlen können. Papst Franziskus hat 2019 in Greccio einen Brief über die Bedeutung der Krippe unterschrieben und genau daran erinnert.
Die Wundmale auf La Verna
Im Spätsommer 1224 zog sich Franz mit einigen Brüdern auf den Berg La Verna in der Toskana zurück, um dort zu fasten und zu beten. Nach dem Bericht seiner Gefährten sah er in einer Vision einen Engel in Gestalt eines Gekreuzigten. Danach trug er Wunden an Händen, Füßen und in der Seite, wie Jesus am Kreuz.
Franz versuchte, die Wunden zu verbergen. Bekannt wurden sie vor allem durch Bruder Elias, der sie nach seinem Tod in einem Brief beschrieb. Man nennt sie Stigmata. Franziskaner feiern das Ereignis jedes Jahr am 17. September. Die Kirche hat dazu aber kein Dogma verkündet. Du darfst als Katholik offen fragen, wie man das erklären kann. Für Franz selbst waren die Wunden kein Beweis seiner Heiligkeit, sondern Ausdruck seiner Nähe zu Jesus, dem er in allem ähnlich werden wollte.
Der Sonnengesang: Text und Bedeutung
Der Sonnengesang ist ein Lobgebet, in dem Franz Gott für Sonne, Mond, Wind, Wasser, Feuer und Erde preist. Er nennt sie Bruder und Schwester. Er entstand Ende 1224 oder Anfang 1225, als Franz schwer krank und fast blind in San Damiano lag.
Franz schrieb ihn in der Volkssprache seiner Heimat, einem alten umbrischen Italienisch, nicht in Latein. Deshalb gilt der Sonnengesang als eines der ältesten Gedichte der italienischen Literatur, dessen Verfasser man kennt. Er beginnt mit den Worten „Altissimu, onnipotente, bon Signore“. Die älteste erhaltene Abschrift liegt bis heute in Assisi.
Unten steht der ganze Text in unserer eigenen Übertragung aus dem Altitalienischen. Wir haben möglichst nah am Original übersetzt, nicht gereimt.
Höchster, allmächtiger, guter Herr,
dir gehören das Lob, der Ruhm, die Ehre und aller Segen.
Dir allein, Höchster, stehen sie zu,
und kein Mensch ist würdig, deinen Namen zu nennen.
Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen,
besonders mit Herrn Bruder Sonne.
Er ist der Tag, und durch ihn schenkst du uns Licht.
Er ist schön und strahlt in großem Glanz.
Von dir, Höchster, ist er ein Zeichen.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Mond und die Sterne.
Am Himmel hast du sie geformt, hell, kostbar und schön.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Wind,
durch Luft und Wolken, durch klaren Himmel und jedes Wetter,
durch das du deine Geschöpfe am Leben hältst.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Schwester Wasser.
Sie ist sehr nützlich und bescheiden, kostbar und rein.
Gelobt seist du, mein Herr, durch Bruder Feuer,
durch den du die Nacht erhellst.
Er ist schön und fröhlich, kraftvoll und stark.
Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, Mutter Erde.
Sie trägt uns und sorgt für uns
und bringt vielerlei Früchte hervor, bunte Blumen und Kräuter.
Gelobt seist du, mein Herr, durch die, die aus Liebe zu dir vergeben
und Krankheit und Not ertragen.
Selig, die das in Frieden aushalten,
denn du, Höchster, wirst sie krönen.
Gelobt seist du, mein Herr, durch unsere Schwester, den leiblichen Tod.
Kein lebender Mensch kann ihm entkommen.
Weh denen, die in schwerer Sünde sterben.
Selig, die er in deinem heiligsten Willen findet,
denn der zweite Tod wird ihnen nichts anhaben.
Lobt und preist meinen Herrn und dankt ihm
und dient ihm in großer Demut.
Bruder Sonne, Schwester Wasser
Franz spricht von Sonne und Wasser wie von Familie. Er meint das nicht kitschig. Wenn alles von demselben Gott kommt, dann ist die ganze Schöpfung verwandt. Der Katechismus der Katholischen Kirche greift genau diesen Gedanken auf: Zwischen allen Geschöpfen besteht eine Solidarität, weil sie denselben Schöpfer haben. Als Beleg zitiert er den Sonnengesang (KKK 344).
Wichtig ist auch das kleine Wort „per“, das in fast jeder Strophe steht. Es kann „für“, „durch“ oder „wegen“ heißen. Man kann also Gott für die Sonne loben oder Gott durch die Sonne loben lassen. Forscher streiten bis heute, was Franz meinte. Vermutlich beides.
Die Strophen über Vergebung und Tod
Die beiden letzten Strophen kamen später dazu. In Assisi stritten der Bischof und der Bürgermeister so heftig, dass die Stadt gespalten war. Franz, schon todkrank, dichtete die Strophe über die, die vergeben, und schickte seine Brüder, sie den beiden vorzusingen. Die Überlieferung erzählt, dass sich die beiden daraufhin versöhnten.
Die Strophe über „Schwester Tod“ entstand kurz vor seinem Sterben. Franz hatte keine Angst mehr vor dem Tod. Der „zweite Tod“, von dem er spricht, stammt aus der Offenbarung des Johannes und meint die endgültige Trennung von Gott (Offb 20,14). Den leiblichen Tod dagegen nennt er Schwester, weil er für ihn die Tür zu Gott ist.
Wie starb Franz von Assisi?
Franz starb am Abend des 3. Oktober 1226 an der Portiuncula, der kleinen Marienkapelle unterhalb von Assisi, in der sein Orden begonnen hatte. Er war etwa 44 Jahre alt, erschöpft von Krankheiten, Fasten und dem Leben auf der Straße.
Er bat seine Brüder, ihn nackt auf den Boden zu legen, so arm, wie er gelebt hatte. Sie sangen den Sonnengesang und lasen ihm aus dem Johannesevangelium vor. Franziskaner nennen diesen Abend den Transitus, den Übergang. Sie feiern ihn bis heute jedes Jahr am Abend des 3. Oktober.
Schon knapp zwei Jahre später, am 16. Juli 1228, sprach Papst Gregor IX. ihn heilig. Im selben Jahr begann der Bau der großen Basilika San Francesco. 1230 brachte man seinen Leichnam dorthin und versteckte ihn so gut unter dem Altar, dass er fast 600 Jahre verschollen blieb. Erst 1818 fand man das Grab wieder.
Vogelpredigt und der Wolf von Gubbio: Was ist Legende?
Über kaum einen Heiligen gibt es so viele Geschichten. Manche stehen schon in den frühesten Quellen, andere kamen erst ein Jahrhundert später dazu.
Die Vogelpredigt
Schon Thomas von Celano erzählt, dass Franz bei Bevagna einer großen Schar Vögel gepredigt habe. Er habe sie aufgefordert, Gott zu loben, der sie mit Federn kleidet und ernährt, und die Vögel seien still sitzen geblieben, bis er sie segnete. Ob es sich genau so zugetragen hat, lässt sich nicht prüfen. Die Geschichte zeigt aber, wie seine Zeitgenossen ihn erlebten: als jemanden, der mit allen Geschöpfen redete.
Der Wolf von Gubbio
Die Geschichte vom Wolf, der die Stadt Gubbio terrorisierte und von Franz gezähmt wurde, steht erst in den „Fioretti“, den „Blümlein“. Diese Sammlung entstand im 14. Jahrhundert, also rund hundert Jahre nach seinem Tod. Die Legende erzählt, Franz habe mit dem Wolf einen Vertrag geschlossen: Die Bürger füttern ihn, dafür greift er niemanden mehr an. Historisch ist das kaum zu halten. Als Bild für Frieden, der auch zwischen Feinden möglich ist, wird sie bis heute gern erzählt.
Das Friedensgebet
Auch das berühmte Gebet „Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens“ stammt nicht von Franz. Es tauchte erst 1912 auf. Mehr zu seiner Geschichte und eigene Gebete für den Frieden findest du beim Gebet für Frieden.
800 Jahre Franz von Assisi: das Jubiläum 2026
Zum 800. Todestag hat Papst Leo XIV. ein besonderes Franziskus-Jahr ausgerufen. Es läuft vom 10. Januar 2026 bis zum 10. Januar 2027. Wer in diesem Jahr eine franziskanische Kirche besucht, beichtet, zur Kommunion geht und für die Anliegen des Papstes betet, kann einen vollkommenen Ablass gewinnen. Ein Ablass ist nach katholischer Lehre der Nachlass von Sündenstrafen für Schuld, die schon vergeben ist (KKK 1471).
Einige Dinge machen das Jahr außergewöhnlich:
- Die Gebeine wurden gezeigt: Vom 22. Februar bis 22. März 2026 lagen die sterblichen Überreste von Franz zum ersten Mal öffentlich in der Unterkirche von San Francesco. Erwartet wurden rund 400.000 Pilger.
- Italien hat einen neuen Feiertag: Ab 2026 ist der 4. Oktober in Italien wieder ein nationaler Feiertag zu Ehren des Landespatrons.
- Der 4. Oktober fällt auf einen Sonntag: In deutschen Pfarreien ist an diesem Tag meist Erntedank. Das passt gut zusammen. Wer für die Früchte der Erde dankt, ist ganz nah beim Sonnengesang.
In Thüringen feiern die Franziskaner auf dem Hülfensberg im Eichsfeld den Jahrestag: am 3. Oktober 2026 mit einer Wallfahrt, am 4. Oktober mit einem Franziskusfest. Das genaue Programm steht auf der Seite des Klosters. Alle Angaben ohne Gewähr.
Franz von Assisi und Thüringen
Franz selbst war nie in Deutschland. Anders als Bonifatius, der im 8. Jahrhundert durch Thüringen zog und 742 in Erfurt ein Bistum gründete, kam Franz nie über die Alpen. Seine Brüder aber kamen schnell, noch zu seinen Lebzeiten.
Die Franziskaner in Erfurt
1224 schickte der Ordensobere für Deutschland eine kleine Gruppe von Brüdern unter Jordan von Giano nach Erfurt. Sie gehörten zu den ersten Franziskanern in Deutschland. Aus ihrer Niederlassung wurde das Barfüßerkloster, benannt nach den Brüdern, die ohne Schuhe gingen. Die große Barfüßerkirche wurde im November 1944 von einer Luftmine schwer getroffen. Die Ruine steht bis heute in der Erfurter Altstadt, im erhaltenen Chor zeigt das Angermuseum mittelalterliche Kunst.
Elisabeth, die Schwester im Geiste
Die engste Verbindung führt über Elisabeth von Thüringen. Der Franziskaner-Laienbruder Rodeger brachte ihr ab etwa 1223 die Ideale von Franz nahe. Elisabeth kleidete sich einfach, pflegte Kranke und gab ihren Besitz an Arme. Als sie 1228 in Marburg ein Hospital gründete, wählte sie als Patron den gerade heiliggesprochenen Franziskus. Die beiden sind sich nie begegnet, aber viele sehen in Elisabeth die bekannteste Frau der frühen franziskanischen Bewegung neben Klara.
Das wirkt bis heute nach: Die Franziskaner in Deutschland bilden seit 2010 die „Deutsche Franziskanerprovinz von der heiligen Elisabeth“. Eine ihrer Vorgängerinnen war die Thüringische Franziskanerprovinz, die ebenfalls Elisabeths Namen trug.
Franziskaner heute: der Hülfensberg
Heute leben in Thüringen Franziskaner auf dem Hülfensberg bei Geismar, einem Wallfahrtsort, zu dem Menschen schon seit dem Spätmittelalter pilgern. Sie sind seit 1860 dort, betreuen die Pilger und nehmen Gäste auf, die ein paar Tage im Kloster mitleben wollen.
Warum Franz heute so viele anspricht
Franz ist einer der wenigen Heiligen, die auch Menschen ohne Kirche kennen und mögen. Das hat mehrere Gründe.
Schöpfung und Tiere: Johannes Paul II. erklärte ihn 1979 zum Patron des Umweltschutzes. Weil der 4. Oktober sein Tag ist, wurde er 1931 zum Welttierschutztag erklärt. Der Katechismus erinnert ausdrücklich an das Feingefühl, mit dem Franz Tiere behandelte (KKK 2416). Viele Gemeinden laden um den 4. Oktober zu Tiersegnungen ein.
Ein Papst mit seinem Namen: Als Jorge Mario Bergoglio am 13. März 2013 zum Papst gewählt wurde, nannte er sich als Erster Franziskus. Er wolle eine arme Kirche für die Armen, sagte er. Seine Enzyklika über die Umwelt von 2015 heißt „Laudato si’“, nach den Anfangsworten der Strophen im Sonnengesang.
Einfachheit: In einer Welt, in der viele sich über Besitz, Leistung und Likes vergleichen, wirkt jemand wie Franz radikal. Er hat gezeigt, dass Freude nicht davon abhängt, was man hat.
Frieden: Franz grüßte mit dem Wunsch, dass Gott dem anderen Frieden gebe. Er ging ohne Waffen zum Sultan und versöhnte Streithähne in seiner Stadt. Das macht ihn für Menschen jeder Religion interessant.
Franz von Assisi Kindern erklärt
Für Kinder reicht die Geschichte in wenigen Sätzen. Wichtig sind das Teilen und die Freude an der Schöpfung.
Für Kinder erklärt
- Franz lebte vor 800 Jahren in Italien. Sein Vater war sehr reich, und Franz hatte schöne Kleider und viele Freunde.
- Eines Tages merkte Franz: Viele Menschen sind arm und krank, und keiner hilft ihnen. Er gab alles her, was er hatte, und half ihnen.
- Franz liebte Tiere, Pflanzen, die Sonne und den Mond. Er nannte sie Bruder und Schwester, weil Gott sie alle gemacht hat.
- Einmal baute er zu Weihnachten einen echten Stall mit Heu, Ochs und Esel auf. So wollte er allen zeigen, wie arm Jesus geboren wurde.
- Deshalb stellen wir bis heute an Weihnachten eine Krippe auf.
Was Franz für dich heißen kann
Du musst nicht barfuß durch Umbrien ziehen, um etwas von Franz mitzunehmen. Ein paar Ideen, die in einen normalen Alltag passen:
- Bete den Sonnengesang draußenNimm den Text oben mit in den Park, auf einen Berg oder an einen See. Lies ihn langsam und schau dir an, was er aufzählt.
- Danke vor dem EssenFranz hat für Wasser, Erde und Früchte gedankt. Ein kurzes Tischgebet oder auch nur ein Moment Stille vor dem Essen macht aus einer Mahlzeit etwas Bewusstes.
- Geh auf jemanden zu, dem du ausweichstFranz fing mit dem Aussätzigen an, vor dem er sich ekelte. Wem gehst du aus dem Weg? Manchmal reicht ein Gruß.
- Lass etwas wegSuch dir für eine Woche einen Verzicht aus, der dir etwas bedeutet: Shopping, Streaming, ein Abo. Achte darauf, was frei wird.
- Rede mit anderen darüberIn unserer Runde treffen sich junge Leute aus Thüringen, die solche Fragen teilen. Vielleicht findet ihr zusammen den Weg auf den Hülfensberg.
Häufige Fragen
Wann ist der Gedenktag von Franz von Assisi?
Der Gedenktag ist der 4. Oktober. Franz starb am Abend des 3. Oktober 1226, und nach damaliger Zählung begann mit Sonnenuntergang schon der nächste Tag. Franziskaner feiern deshalb am Abend des 3. Oktober den Transitus, die Erinnerung an seinen Tod, und am 4. Oktober das Fest. 2026 fällt der 4. Oktober auf einen Sonntag, 2027 auf einen Montag.
Wofür ist Franz von Assisi Schutzpatron?
Papst Pius XII. erklärte ihn 1939 zum Patron Italiens, Johannes Paul II. 1979 zum Patron des Umweltschutzes und der Ökologie. Dazu wird er als Patron der Tiere und der Armen verehrt, also genau der Geschöpfe, denen er im Leben am nächsten war. Wegen ihm ist der 4. Oktober seit 1931 auch Welttierschutztag.
Wo ist Franz von Assisi begraben?
In der Basilika San Francesco in Assisi. Sein Leichnam wurde 1230 dorthin gebracht und tief unter dem Altar der Unterkirche versteckt, damit niemand ihn stehlen konnte. Erst 1818 fand man das Grab wieder. Heute kannst du es in der Krypta besuchen. Im Frühjahr 2026 wurden die Gebeine zum ersten Mal öffentlich gezeigt.
Ist das Friedensgebet „Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens“ von Franz von Assisi?
Nein. Das Gebet erschien zuerst 1912 ohne Verfasserangabe in einer kleinen französischen Zeitschrift. Erst Jahre später wurde es Franziskus zugeschrieben, wohl weil es so gut zu ihm passt. Es ist trotzdem ein schönes Gebet und wird weltweit gebetet. Von Franz selbst stammen der Sonnengesang, seine Ordensregeln, Briefe, das Testament und einige kürzere Lobgebete.
Was ist der Unterschied zwischen Franziskanern, Kapuzinern und Minoriten?
Alle drei gehen auf Franz von Assisi zurück und leben nach seiner Regel von 1223. Sie haben sich im Streit darüber getrennt, wie streng die Armut gelebt werden soll: 1517 teilte sich der Orden in Franziskaner und Minoriten, 1528 kamen die Kapuziner als eigener Zweig dazu. Man erkennt sie oft an der Kutte: braun bei Franziskanern und Kapuzinern, meist schwarz bei Minoriten.
Was bedeutet „Pace e bene“?
„Pace e bene“ heißt „Frieden und Gutes“ und ist der Gruß der Franziskaner, lateinisch „Pax et bonum“. Er wird auf Franz selbst zurückgeführt. In seinem Testament schreibt er, Gott habe ihm gezeigt, dass die Brüder mit dem Wunsch grüßen sollen: Der Herr gebe dir Frieden. Viele Franziskaner beginnen und beenden Briefe bis heute mit diesem Gruß.
War Franz von Assisi Priester?
Nein. Franz wurde nie zum Priester geweiht, er war Diakon. Er fühlte sich dafür nicht würdig und wollte der „Mindere“ bleiben. Messe feiern konnte er deshalb nicht, predigen durfte er schon. Viele seiner ersten Brüder waren ebenfalls keine Priester, sondern Laien. Erst später wurde der Orden stärker zu einer Gemeinschaft von Priestern.
Quellen
- Ökumenisches Heiligenlexikon: Franziskus von Assisi
- Vatican News: Das Franziskus-Jahr 2026 (Dekret zum Jubiläum, 10.01.2026 bis 10.01.2027)
- katholisch.de: Gebeine des heiligen Franziskus werden erstmals öffentlich ausgestellt
- Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben Admirabile signum über die Weihnachtskrippe (2019)
- Deutsche Franziskanerprovinz: Das Testament von Franziskus
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 344 (mit Sonnengesang)
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2416 (Tiere, Franz von Assisi)
- Initiativkreis Barfüßerkirche Erfurt: Jordan von Giano und die Franziskaner in Erfurt
Stand: September 2026. Fehler gefunden? Schreib uns. Wie wir arbeiten










