
Kirche & Gemeinschaft

Kurz erklärt
Der Zölibat ist die Pflicht katholischer Priester und Bischöfe der lateinischen Kirche, ehelos und sexuell enthaltsam zu leben, um ganz für Gott und die Menschen da zu sein.
Der Zölibat ist die Verpflichtung, ehelos und sexuell enthaltsam zu leben „um des Himmelreiches willen“. In der lateinischen, also der westlichen katholischen Kirche gilt er für Priester und Bischöfe (can. 277, KKK 1579). Ausgenommen sind verheiratete ständige Diakone. Der Zölibat ist eine Regel des Kirchenrechts, kein Dogma.
Kaum ein Thema der Kirche wird so oft diskutiert. Es lohnt sich, erst einmal zu verstehen, worum es geht.
Woher kommt das Wort Zölibat?
Zölibat kommt vom lateinischen caelebs, „unverheiratet, allein lebend“. Ordensleute leben ebenfalls ehelos, versprechen das aber durch ein Gelübde der Keuschheit. Mehr dazu unter Ordensleute.
Warum leben katholische Priester zölibatär?
Die Kirche begründet den Zölibat mit der Bibel. Jesus spricht von Menschen, die um des Himmelreiches willen auf die Ehe verzichten (Mt 19,12). Paulus schreibt, wer unverheiratet ist, könne sich ungeteilt um die Sache des Herrn kümmern (1 Kor 7,32–35). Der Katechismus nennt den Zölibat ein Zeichen für ein Leben, das ganz Gott und den Menschen gehört (KKK 1579).
Zölibat heißt nicht, dass Sexualität schlecht ist. Wer ihn lebt, verzichtet auf etwas Gutes. Gerade deshalb soll er ein Zeichen sein. Was die Kirche über Sexualität insgesamt sagt, steht im Artikel Sexualität und Kirche.
Seit wann gibt es den Zölibat?
Nicht von Anfang an. Petrus war verheiratet, die Evangelien erwähnen seine Schwiegermutter (Mk 1,30). In den ersten Jahrhunderten gab es verheiratete und unverheiratete Geistliche nebeneinander. Die Synode von Elvira um 306 verlangte von verheirateten Klerikern Enthaltsamkeit. Das Zweite Laterankonzil 1139 erklärte Ehen von Priestern für ungültig. Was ein Konzil ist, steht im eigenen Eintrag.
Die Ostkirchen gingen einen anderen Weg: Dort dürfen verheiratete Männer Priester werden, Bischöfe werden nur aus Unverheirateten gewählt (KKK 1580). Das gilt auch für die katholischen Ostkirchen. Weil der Zölibat kein Dogma ist, könnte ein Papst ihn auch für die lateinische Kirche ändern.
Die Debatte heute
In Deutschland wird der Zölibat seit Langem kritisch diskutiert, auch von Bischöfen. Der Synodale Weg bat Rom, die Regel zu überprüfen. Kritiker verweisen auf den Priestermangel und auf Einsamkeit. Befürworter sehen im Zölibat eine Freiheit für den Dienst und ein Zeichen, das gerade heute auffällt. Die Weltkirche hält bisher an ihm fest.
Du musst den Zölibat nicht mögen, um ihn fair zu verstehen. Wenn dich das Thema beschäftigt, frag einen Priester, wie er damit lebt. Ein ehrliches Gespräch bringt dich weiter als jede Schlagzeile.
Häufige Fragen
Ist der Zölibat ein Dogma?
Nein. Der Zölibat ist eine Regel des Kirchenrechts, keine unveränderliche Glaubenslehre. Das zeigt schon die Praxis: In den katholischen Ostkirchen dürfen verheiratete Männer Priester werden, und verheiratete ständige Diakone gibt es auch in der lateinischen Kirche. Ein Papst könnte die Regel ändern. Bisher hat die Kirche aber bewusst an ihr festgehalten, weil sie den Zölibat als wertvolles Zeichen sieht.
Dürfen evangelische Pfarrer heiraten?
Ja. In den evangelischen Kirchen gibt es keinen Zölibat. Martin Luther hat ihn abgelehnt und 1525 selbst die frühere Nonne Katharina von Bora geheiratet. Evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer können verheiratet sein und Familie haben. Wenn ein verheirateter evangelischer Pfarrer katholisch wird, kann er in Einzelfällen mit Erlaubnis aus Rom sogar katholischer Priester werden.
Darf ein katholischer Priester eine Freundin haben?
Nein. Der Zölibat bedeutet nicht nur, nicht zu heiraten, sondern auch, auf eine sexuelle Beziehung zu verzichten (can. 277). Freundschaften mit Frauen und Männern sind natürlich erlaubt und für viele Priester wichtig. Wer merkt, dass er so nicht leben kann, steht vor einer ehrlichen Entscheidung. Manche Priester bitten Rom um Befreiung von den Pflichten des Priesterstands, um heiraten zu können.

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Allein grübelnmuss niemand.
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