Fast jeder hat eine Bibel schon einmal gesehen: im Religionsunterricht, im Regal der Großeltern, bei einer Taufe. Aufgeschlagen haben sie viele nie. Wer es doch tut, stößt sofort auf Fragen. Warum gibt es ein Altes Testament und ein Neues? Wer hat das alles geschrieben? Und warum hat die Bibel deiner evangelischen Freundin weniger Bücher als deine?
Hier bekommst du einen Überblick: wie die Bibel aufgebaut ist, was im Alten und im Neuen Testament steht, wie sie entstanden ist und was die katholische Kirche über sie sagt. Am Ende weißt du, wo du selbst anfangen kannst.
Was ist die Bibel?
Die Bibel ist kein einzelnes Buch, sondern eine ganze Bibliothek. Sie sammelt Texte aus mehr als tausend Jahren: Erzählungen, Gesetze, Gebete, Liebeslieder, Prophetenworte, Briefe und Visionen.
Schon das Wort verrät das. „Bibel“ kommt vom griechischen „ta biblia“, die Bücher, also Mehrzahl. Das griechische Wort geht auf die Hafenstadt Byblos zurück, über die in der Antike Papyrus gehandelt wurde, das Papier jener Zeit.
Die Bibel hat zwei große Teile: das Alte Testament und das Neue Testament. „Testament“ ist hier kein letzter Wille. Das lateinische testamentum übersetzt das hebräische Wort berit, und das heißt Bund. Die Bibel erzählt also von zwei Bünden: dem Bund Gottes mit dem Volk Israel und dem neuen Bund, den Jesus schließt. Beim letzten Abendmahl spricht er ausdrücklich vom neuen Bund in seinem Blut (Lk 22,20). Den Ausdruck kannte man schon vom Propheten Jeremia (Jer 31,31).
Für Christen ist die Bibel Gottes Wort. Das heißt nicht, dass sie vom Himmel gefallen ist. Menschen haben sie geschrieben, in ihrer Sprache und ihrer Zeit. Wie beides zusammengeht, dazu gleich mehr.
Wie viele Bücher hat die Bibel?
Die katholische Bibel hat 73 Bücher: 46 im Alten Testament und 27 im Neuen Testament (KKK 120). Evangelische Bibeln haben meist 66 Bücher, weil ihr Altes Testament nur 39 Bücher umfasst. Beim Neuen Testament sind sich alle großen Kirchen einig: 27 Schriften.
Der Unterschied betrifft sieben Bücher: Tobit, Judit, Weisheit, Jesus Sirach, Baruch und die beiden Makkabäerbücher, dazu Teile der Bücher Ester und Daniel. Die katholische Kirche nennt sie deuterokanonisch, also „zum zweiten Kanon gehörend“. Kanon ist das Wort für die verbindliche Liste der biblischen Bücher.
Woher kommt der Unterschied?
Die Juden zur Zeit Jesu lebten längst nicht alle im Land Israel. In Alexandria in Ägypten wurden die heiligen Schriften ab etwa 250 vor Christus ins Griechische übersetzt. Diese Übersetzung heißt Septuaginta, „die Siebzig“, nach einer Legende von siebzig oder zweiundsiebzig Übersetzern. Sie enthielt auch die sieben Bücher, die in der hebräischen Sammlung fehlen.
Die ersten Christen sprachen meist Griechisch und benutzten die Septuaginta. Die Autoren des Neuen Testaments zitieren oft aus ihr. So wurden diese Bücher Teil der christlichen Bibel. Die Liste wurde in der Kirche lange geprüft, afrikanische Synoden bestätigten sie ab 393. Wie die Kirche erkannt hat, welche Schriften dazugehören, erklärt der Artikel über die Tradition.
Martin Luther orientierte sich im 16. Jahrhundert am hebräischen Kanon. Er stellte die sieben Bücher in einen Anhang und nannte sie „Apokryphen“: nicht gleichwertig mit der Heiligen Schrift, aber nützlich zu lesen. Als Antwort auf die Reformation legte das Konzil von Trient am 8. April 1546 den katholischen Kanon mit 73 Büchern verbindlich fest. Mehr zu den Unterschieden zwischen den Konfessionen findest du im Vergleich katholisch und evangelisch.
Viele evangelische Bibeln drucken die Apokryphen heute wieder mit ab. Orthodoxe Kirchen haben teils sogar noch einige Schriften mehr.
Wie ist die Bibel aufgebaut?
Beide Testamente sind nach Buchgruppen geordnet, nicht nach der Zeit, in der die Texte entstanden sind. Die katholische Einheitsübersetzung teilt so ein:
| Teil | Buchgruppe | Bücher |
|---|---|---|
| Altes Testament | Fünf Bücher Mose (Pentateuch) | Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium |
| Altes Testament | Geschichtsbücher | Josua, Richter, Rut, 1 und 2 Samuel, 1 und 2 Könige, 1 und 2 Chronik, Esra, Nehemia, Tobit, Judit, Ester, 1 und 2 Makkabäer |
| Altes Testament | Weisheitsbücher | Ijob, Psalmen, Sprichwörter, Kohelet, Hoheslied, Weisheit, Jesus Sirach |
| Altes Testament | Prophetenbücher | Jesaja, Jeremia, Klagelieder, Baruch, Ezechiel, Daniel, Hosea, Joël, Amos, Obadja, Jona, Micha, Nahum, Habakuk, Zefanja, Haggai, Sacharja, Maleachi |
| Neues Testament | Evangelien | Matthäus, Markus, Lukas, Johannes |
| Neues Testament | Geschichtsbuch | Apostelgeschichte |
| Neues Testament | Briefe | 13 Briefe unter dem Namen des Paulus, der Hebräerbrief, Jakobus, 1 und 2 Petrus, 1 bis 3 Johannes, Judas |
| Neues Testament | Prophetisches Buch | Offenbarung des Johannes |
Zusammen sind das 5, 16, 7 und 18 Bücher im Alten Testament und 4, 1, 21 und 1 im Neuen. Die jüdische Bibel ordnet anders und endet mit der Chronik. Die christliche Bibel stellt die Propheten ans Ende des Alten Testaments. So läuft alles auf das Kommende zu: auf Jesus.
Kapitel und Verse: So liest du eine Bibelstelle
Eine Angabe wie „Mt 5,3“ bedeutet: Matthäusevangelium, Kapitel 5, Vers 3. Vor dem Komma steht das Kapitel, danach der Vers. Die Abkürzungen der Bücher stehen vorn in jeder Bibel.
Die Autoren selbst haben keine Nummern vergeben. Die Kapiteleinteilung stammt von Stephen Langton, einem Theologen in Paris, aus dem frühen 13. Jahrhundert. Die Verszählung im Neuen Testament führte der Buchdrucker Robert Estienne 1551 ein. Praktisch ist beides: So findet jeder dieselbe Stelle, egal welche Ausgabe er in der Hand hat. Auf dieser Seite führt jede Bibelstelle direkt zum Text.
Das Alte Testament: Worum geht es?
Das Alte Testament ist die Bibel Israels. Es erzählt, wie Gott sich einem kleinen Volk zuwendet, mit ihm einen Bund schließt und es durch seine ganze Geschichte begleitet, auch durch Niederlagen, Schuld und Exil.
Jesus war Jude. Diese Schriften waren seine Bibel. Er betete die Psalmen, zitierte die Tora und las in der Synagoge von Nazaret aus dem Propheten Jesaja (Lk 4,16-21). Wer Jesus verstehen will, kommt am Alten Testament nicht vorbei.
Die fünf Bücher Mose
Am Anfang steht die Schöpfung: Gott erschafft die Welt und den Menschen als sein Bild (Gen 1,27). Es folgen die Geschichten von Adam und Eva, Noach, Abraham, Isaak, Jakob und Josef. Dann der Auszug aus Ägypten: Gott befreit sein Volk aus der Sklaverei und schließt am Sinai den Bund mit ihm. Dort stehen auch die Zehn Gebote. Juden nennen diese fünf Bücher Tora, Weisung.
Die Geschichtsbücher
Sie erzählen vom Leben im verheißenen Land: von Richtern und Königen wie David und Salomo, vom Tempel in Jerusalem, von der Teilung des Reiches und von der Zerstörung Jerusalems im Jahr 587 vor Christus. Viele Israeliten wurden nach Babylon verschleppt. Das Exil ist ein Wendepunkt, in dem viele Texte gesammelt und neu gelesen wurden. Kleine Bücher wie Rut oder Tobit erzählen dazwischen Geschichten von Treue im Alltag.
Weisheit und Psalmen
Hier geht es um das Leben selbst. Das Buch Ijob ringt mit der Frage, warum Unschuldige leiden. Kohelet fragt, ob überhaupt irgendetwas Sinn hat. Das Hohelied ist eine Sammlung von Liebesgedichten. Und die 150 Psalmen sind das Gebetbuch Israels, voller Dank, Klage, Wut und Vertrauen. Psalm 23 mit dem Bild vom guten Hirten gehört zu den bekanntesten Texten der Bibel (Ps 23).
Die Propheten
Propheten sind keine Wahrsager. Sie sprechen im Namen Gottes in ihre Zeit hinein: gegen Ungerechtigkeit, gegen leeren Kult, gegen Vergessen. Und sie kündigen Hoffnung an, einen neuen Bund und einen Retter. Christen lesen viele dieser Verheißungen als Hinweise auf Jesus als den Messias.
Die Bibel ist kein frommes Bilderbuch. Sie erzählt von Mord, Krieg, Verrat und Versagen, auch bei ihren Helden. Gerade das macht sie ehrlich. Gott arbeitet mit Menschen, wie sie sind.
Das Neue Testament: Worum geht es?
Das Neue Testament erzählt von Jesus von Nazaret, von seinem Tod und seiner Auferstehung und davon, wie die ersten Christen daraus gelebt haben. Es ist deutlich kürzer als das Alte Testament und in Griechisch geschrieben, der Alltagssprache im Osten des Römischen Reiches.
Die vier Evangelien
Evangelium heißt „gute Nachricht“. Die vier Evangelien sind das Herzstück der ganzen Bibel (KKK 125). Markus, Matthäus und Lukas erzählen ähnlich und werden deshalb gemeinsam betrachtet. Johannes geht einen eigenen, stärker nachdenklichen Weg. Alle vier sind keine Biografien im heutigen Sinn. Sie wollen zeigen, wer Jesus ist, damit Menschen an ihn glauben können (Joh 20,31).
Hier stehen die Gleichnisse, die Heilungen, die Bergpredigt mit den Seligpreisungen und das Gebet, das Jesus seinen Jüngern beigebracht hat: das Vaterunser. Was man über Jesus historisch sicher weiß und was Christen darüber hinaus glauben, erklärt der Artikel Wer war Jesus?.
Apostelgeschichte, Briefe und Offenbarung
Die Apostelgeschichte ist die Fortsetzung des Lukasevangeliums. Sie erzählt, wie aus einer kleinen Gruppe in Jerusalem eine Bewegung wurde, die bis nach Rom reichte. Im Mittelpunkt stehen Petrus und Paulus. Wer die Jünger waren, die Jesus ausgewählt hat, zeigt die Übersicht über die zwölf Apostel.
Die 21 Briefe sind echte Post an Gemeinden und einzelne Menschen. Es geht um Streit, Fragen zum Glauben, Essen, Ehe, Geld und Leid. Die Offenbarung am Schluss ist ein Trostbuch für verfolgte Christen, in einer Bildsprache, die heute fremd wirkt. Sie ist kein Fahrplan für den Weltuntergang.
Wie ist die Bibel entstanden?
Die Bibel ist über mehr als tausend Jahre gewachsen. Am Anfang standen fast immer Menschen, die erzählten, sangen und beteten. Erst später wurde aufgeschrieben, gesammelt und bearbeitet.
Das Alte Testament ist überwiegend auf Hebräisch geschrieben, mit einigen Abschnitten auf Aramäisch. Manche Bücher wie die Weisheit gibt es nur auf Griechisch. Die jüngsten Schriften des Alten Testaments stammen aus dem ersten Jahrhundert vor Christus. Die Schriftrollen, die ab 1947 in Höhlen bei Qumran am Toten Meer gefunden wurden, zeigen, wie sorgfältig diese Texte über Jahrhunderte abgeschrieben wurden.
Beim Neuen Testament ist der Zeitraum viel kürzer. Die Kirche beschreibt drei Stufen: Erst lebte und lehrte Jesus. Dann erzählten die Apostel davon. Schließlich schrieben die Evangelisten auf, was überliefert war (KKK 126). Lukas sagt zu Beginn seines Evangeliums selbst, dass er allem sorgfältig nachgegangen ist (Lk 1,1-4).
- ab etwa 250 v. Chr.In Alexandria entsteht die Septuaginta, die griechische Übersetzung der jüdischen Schriften.
- um 30 n. Chr.Tod und Auferstehung Jesu in Jerusalem.
- um 50Paulus schreibt den ersten Brief an die Thessalonicher, den ältesten Text des Neuen Testaments.
- um 70Das Markusevangelium entsteht, das älteste der vier Evangelien.
- um 90 bis 100Das Johannesevangelium wird abgeschlossen.
- um 125Auf diese Zeit wird meist der älteste bekannte Papyrus mit Versen aus dem Neuen Testament datiert, ein kleines Stück Johannesevangelium. Die genaue Datierung ist umstritten.
- 367Bischof Athanasius nennt in einem Brief genau die 27 Schriften des heutigen Neuen Testaments.
- um 405Hieronymus vollendet die lateinische Bibel, später Vulgata genannt.
- 1546Das Konzil von Trient legt den katholischen Kanon mit 73 Büchern verbindlich fest.
Wer wann genau geschrieben hat, ist bei vielen Büchern in der Forschung umstritten. Das ist kein Skandal. Die Kirche lädt ausdrücklich dazu ein, die Bibel auch wissenschaftlich zu untersuchen, mit Blick auf Sprache, Zeit und Kultur der Verfasser (KKK 110).
Ist die Bibel Gottes Wort oder Menschenwort?
Beides. Die Kirche lehrt, dass Gott der Urheber der Heiligen Schrift ist, weil der Heilige Geist die Verfasser geleitet hat (KKK 105). Zugleich waren diese Menschen echte Autoren. Sie haben mit ihren eigenen Fähigkeiten geschrieben, in ihrem Stil, mit ihrem Wissen (KKK 106). Der zweite Timotheusbrief sagt, jede Schrift sei von Gott eingegeben (2 Tim 3,16).
Was heißt dann „wahr“? Die Bibel lehrt ohne Irrtum die Wahrheit, die Gott um unseres Heiles willen aufschreiben lassen wollte (KKK 107). Sie will sagen, wer Gott ist, wer der Mensch ist und wie beide zueinanderfinden.
Die Bibel ist kein Lehrbuch für Physik.
Die Schöpfungserzählung ist kein Protokoll über den Urknall. Sie ist ein Glaubenstext, der sagt: Die Welt ist gewollt und gut, und der Mensch hat eine Würde, die ihm niemand nehmen kann. Deshalb achtet die Kirche auf die Gattung eines Textes: Ein Gedicht liest man anders als einen Brief, ein Gleichnis anders als einen Geschichtsbericht (KKK 110). Wer jeden Satz wörtlich nimmt, versteht die Bibel oft gerade falsch.
Noch etwas ist wichtig. Das Christentum ist keine Buchreligion, sagt der Katechismus. Es ist die Religion des lebendigen Wortes Gottes, und dieses Wort ist eine Person: Jesus Christus (KKK 108). Die Bibel führt zu ihm hin. Sie ersetzt ihn nicht.
Wie hängen Altes und Neues Testament zusammen?
Sie gehören untrennbar zusammen. Das Neue Testament setzt das Alte voraus, zitiert es ständig und deutet es von Jesus her. Das Alte Testament ist durch das Neue nicht überholt. Es bleibt Wort Gottes mit eigenem Wert (KKK 121).
Das war nicht immer selbstverständlich. Im 2. Jahrhundert wollte ein Mann namens Markion das Alte Testament abschaffen und nur Teile des Neuen behalten. Die Kirche hat das klar zurückgewiesen (KKK 123). Ein Gott der Rache im Alten und ein Gott der Liebe im Neuen Testament: Dieses Bild ist zu einfach. Im Alten Testament ist Gott barmherzig und geduldig, im Neuen spricht Jesus ernst vom Gericht.
Wie Christen das Alte Testament lesen, zeigt eine Szene nach Ostern. Zwei Jünger gehen enttäuscht nach Emmaus. Jesus geht unerkannt mit ihnen und erklärt ihnen, was in Mose und allen Propheten über ihn geschrieben steht (Lk 24,27). Augustinus hat es später so gesagt: Das Neue ist im Alten verborgen, und das Alte wird im Neuen offenbar (KKK 129).
Der Hebräerbrief fasst die ganze Bibel in einen Gedanken: Gott hat früher oft und auf viele Weise durch die Propheten gesprochen, zuletzt aber durch den Sohn (Hebr 1,1-2).
Welche Bibelübersetzungen gibt es?
Kaum jemand liest die Bibel in den Originalsprachen. Übersetzt wurde sie von Anfang an. Heute gibt es die vollständige Bibel in über 740 Sprachen (Stand Ende 2023).
Die Septuaginta war die erste große Übersetzung. Nach 382 bat Papst Damasus den Gelehrten Hieronymus, die lateinischen Evangelien zu überarbeiten. Daraus wurde ein Lebenswerk: Bis etwa 405 übersetzte Hieronymus große Teile des Alten Testaments neu aus dem Hebräischen. Diese lateinische Bibel heißt Vulgata. Sie prägte die westliche Kirche über tausend Jahre. Von Hieronymus stammt auch der Satz, den der Katechismus zitiert: Wer die Schrift nicht kennt, kennt Christus nicht (KKK 133).
Thüringen hat seinen eigenen Platz in dieser Geschichte. Auf der Wartburg bei Eisenach übersetzte Martin Luther 1521 und 1522 in wenigen Wochen das Neue Testament aus dem Griechischen. Im September 1522 erschien es gedruckt, die ganze Bibel 1534. Seine Sprache hat das Deutsche bis heute geprägt.
Für Katholiken im deutschsprachigen Raum ist die Einheitsübersetzung die Standardbibel. Sie erschien 1980, damals beim Neuen Testament und den Psalmen gemeinsam mit der evangelischen Kirche erarbeitet. Die überarbeitete Fassung kam 2016 heraus. Seit dem ersten Advent 2018 wurde sie Schritt für Schritt in die Lesebücher für den Gottesdienst übernommen. Welche Übersetzung zu dir passt und welche sich zum Einstieg eignet, steht im Artikel Wie liest man die Bibel?.
Die Bibel im Gottesdienst
Die meisten Katholiken begegnen der Bibel nicht zu Hause, sondern in der Messe. Jeder Gottesdienst hat einen Teil, der nur der Bibel gehört: den Wortgottesdienst.
An Sonntagen hörst du meist eine Lesung aus dem Alten Testament, einen Psalm, eine Lesung aus den Briefen und zum Schluss das Evangelium. Dafür stehen alle auf. Die Texte folgen einem Plan über drei Jahre. Im Lesejahr A wird sonntags vor allem aus Matthäus gelesen, im Lesejahr B aus Markus, im Lesejahr C aus Lukas. Johannes kommt zu besonderen Zeiten dazu, etwa in der Osterzeit. Das Kirchenjahr 2026/27, das am 29. November 2026 beginnt, ist ein Lesejahr B. Wer ein Jahr lang sonntags zur Messe geht, hört also große Teile des Markusevangeliums.
Wie ein Gottesdienst genau abläuft, erklärt der Artikel über die Heilige Messe.
Wo fange ich an? Tipps für den Einstieg
Fang nicht vorne an. Wer mit Genesis beginnt, bleibt oft im dritten Buch zwischen Opfervorschriften hängen und legt die Bibel frustriert weg. Das liegt nicht an dir, sondern an der Reihenfolge.
- Beginne mit MarkusDas kürzeste Evangelium hat 16 Kapitel. Mit einem Kapitel am Tag bist du in gut zwei Wochen durch (Mk 1,1).
- Lies kurz, aber regelmäßigZehn Minuten am Tag bringen mehr als ein langer Abend im Monat.
- Nimm eine Ausgabe mit EinleitungenDie kurzen Texte vor jedem Buch erklären, wann und für wen es geschrieben wurde. Das löst viele Fragen, bevor sie entstehen.
- Wechsle dann zu den Psalmen und zu GenesisWenn du Jesus kennst, liest du das Alte Testament mit anderen Augen.
- Lies nicht alleinFragen zu zweit oder in einer Gruppe zu besprechen, hilft enorm. In der Runde kannst du mit anderen jungen Leuten aus Thüringen über das reden, was du gelesen hast.
Du musst die Bibel nicht in einem Jahr schaffen und nicht alles verstehen. Viele, die ihr ganzes Leben in ihr lesen, entdecken immer noch Neues. Nimm dir heute ein Kapitel vor. Mehr braucht es für den Anfang nicht.
Häufige Fragen
Wer hat die Bibel geschrieben?
Viele verschiedene Menschen über viele Jahrhunderte. Die meisten Verfasser des Alten Testaments sind namentlich nicht bekannt, oft wurden Texte über Generationen weitergegeben und bearbeitet. Im Neuen Testament kennen wir einige Autoren sicher, etwa Paulus bei mehreren seiner Briefe. Die Kirche sagt: Diese Menschen waren echte Verfasser mit eigenem Stil und Wissen, und zugleich ist Gott der Urheber, weil der Heilige Geist sie geleitet hat (KKK 105–106).
Wie alt ist die Bibel?
Die Bibel ist über mehr als tausend Jahre gewachsen. Die ältesten Teile des Alten Testaments gehen auf mündliche Überlieferungen zurück, die viel älter sind als ihre schriftliche Form. Die jüngsten Bücher des Alten Testaments stammen aus dem ersten Jahrhundert vor Christus. Das Neue Testament entstand zwischen etwa 50 und dem Beginn des zweiten Jahrhunderts nach Christus. Als abgeschlossene Sammlung gibt es die christliche Bibel seit dem vierten Jahrhundert.
Warum heißt es Altes Testament? Ist das abwertend gemeint?
Nein. „Testament“ kommt vom lateinischen testamentum und übersetzt das hebräische Wort berit, Bund. Gemeint ist der Bund, den Gott mit Israel geschlossen hat. „Alt“ heißt hier „früher“, nicht „veraltet“. Weil das Wort trotzdem oft falsch verstanden wird, sagen manche Theologen lieber „Erstes Testament“. Die Kirche betont: Das Alte Testament behält seinen bleibenden Wert und wird durch das Neue nicht ungültig (KKK 121).
Lesen Juden das Alte Testament?
Ja, aber sie nennen es nicht so. Die jüdische Bibel heißt Tanach und besteht aus Tora (Weisung), Nevi'im (Propheten) und Ketuvim (Schriften). Inhaltlich entspricht sie dem evangelischen Alten Testament, nur zählt und ordnet sie die Bücher anders: Sie hat 24 Bücher und endet mit der Chronik. Für Juden ist das kein „altes“ Testament, sondern die Heilige Schrift. Christen teilen diese Bibel mit ihnen.
Was sind Apokryphen?
Das Wort bedeutet „verborgen“ und wird unterschiedlich benutzt. In evangelischen Bibeln heißen so die sieben Bücher, die Katholiken als deuterokanonisch zum Alten Testament zählen, etwa Tobit oder Jesus Sirach. In der katholischen Sprache meint man mit Apokryphen dagegen Schriften, die nie in die Bibel aufgenommen wurden, zum Beispiel das Thomasevangelium. Sie sind oft viel jünger als die vier Evangelien und für den Glauben nicht verbindlich.
Welches ist das längste und das kürzeste Buch der Bibel?
Nach Kapiteln ist das Buch der Psalmen das längste: Es enthält 150 Psalmen. Zu den kürzesten gehören Bücher mit nur einem Kapitel, im Alten Testament Obadja, im Neuen Testament der Brief an Philemon, der zweite und dritte Johannesbrief und der Judasbrief. Das Neue Testament hat insgesamt 260 Kapitel, die ganze katholische Bibel gut 1.300.
In wie viele Sprachen ist die Bibel übersetzt?
Die vollständige Bibel liegt nach Zählungen von Bibelgesellschaften in über 740 Sprachen vor (Stand Ende 2023), einzelne Teile in Tausenden weiteren. Damit ist sie das am häufigsten übersetzte und gedruckte Buch der Welt. Übersetzt wurde schon in der Antike: Das Alte Testament gab es ab etwa 250 vor Christus auf Griechisch. Lateinische Übersetzungen gab es schon früh, um 400 nach Christus entstand dann die Vulgata des Hieronymus.
Quellen
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 101–108: Christus, das einzige Wort der Heiligen Schrift; Inspiration und Wahrheit
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 109–119: Der Heilige Geist als Ausleger der Schrift
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 120–130: Der Kanon der Schrift, Altes und Neues Testament
- Zweites Vatikanisches Konzil: Dogmatische Konstitution Dei Verbum über die göttliche Offenbarung (1965)
- Wikipedia: Bibel (Wortherkunft, Kapitel- und Verseinteilung, Übersetzungen)
- Wikipedia: Neues Testament (Aufbau, Entstehung, Kanon)
- Wikipedia: Septuaginta
- Wikipedia: Einheitsübersetzung
Stand: September 2026. Fehler gefunden? Schreib uns. Wie wir arbeiten










