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Katechismus

13 Min. LesezeitStand: 8 Quellen

Kurz beantwortet

Die Bergpredigt ist die erste große Rede Jesu im Matthäusevangelium, Kapitel 5 bis 7. Sie beginnt mit den Seligpreisungen, führt die Gebote bis ins Herz, verlangt Feindesliebe und enthält das Vaterunser und die Goldene Regel. Die katholische Kirche sieht in ihr das Maß des christlichen Lebens, gedacht für alle, nicht nur für Heilige.

Steckbrief

Inhalt

Liebt eure Feinde. Halt die andere Wange hin. Mach dir keine Sorgen um morgen. Viele solcher Sätze kennst du wahrscheinlich, auch wenn du nie in einer Kirche warst. Fast alle stammen aus einem einzigen Text: der Bergpredigt.

Die Bergpredigt ist die bekannteste Rede Jesu. Sie hat Christen seit zweitausend Jahren herausgefordert und Menschen weit über das Christentum hinaus beeindruckt. Und bis heute fragen sich viele, ob man so überhaupt leben kann. Hier liest du, was drinsteht, Abschnitt für Abschnitt, was die Seligpreisungen bedeuten, wie Feindesliebe gemeint ist und was die katholische Kirche daraus macht.

Was ist die Bergpredigt?

Die Bergpredigt ist eine Rede Jesu im Matthäusevangelium, Kapitel 5 bis 7. Sie umfasst 111 Verse, du kannst sie in einer Viertelstunde lesen.

Matthäus erzählt vorher, wie Jesus durch Galiläa zieht, predigt und Kranke heilt. Große Menschenmengen folgen ihm (Mt 4,23-25). Als er sie sieht, steigt er auf einen Berg und setzt sich. Seine Jünger kommen zu ihm, und er beginnt zu lehren (Mt 5,1-2). Sitzen war damals die Haltung eines Lehrers.

Ob Jesus all das an einem einzigen Tag gesagt hat, ist offen. Viele Bibelwissenschaftler gehen davon aus, dass Matthäus Worte Jesu zu einer großen Rede gebündelt hat. Einiges davon steht bei Lukas an anderer Stelle. Der Katechismus sagt selbst, Matthäus fasse in der Bergpredigt die erste Verkündigung Jesu zusammen (KKK 2763). Sie ist die erste von fünf großen Reden in seinem Evangelium.

Am Ende sind die Zuhörer fassungslos. Jesus lehrt wie jemand, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten (Mt 7,28-29). Wer dieser Mann war, der so auftreten konnte, und was man historisch über ihn weiß, erklärt der Artikel Wer war Jesus?.

Aufbau der Bergpredigt im Überblick

Die Rede hat einen klaren Bogen. Sie beginnt mit einer Zusage, geht dann ins Konkrete und endet mit einer Entscheidung.

Stelle Abschnitt Worum es geht
Mt 5,3–12 Seligpreisungen Wen Jesus glücklich nennt
Mt 5,13–16 Salz der Erde, Licht der Welt Wozu seine Jünger da sind
Mt 5,17–20 Gesetz und Propheten Jesus will erfüllen, nicht abschaffen
Mt 5,21–48 Sechs Mal „Ich aber sage euch“ Zorn, Begehren, Scheidung, Schwören, Vergeltung, Feindesliebe
Mt 6,1–18 Geben, Beten, Fasten Ohne Publikum; in der Mitte das Vaterunser
Mt 6,19–34 Schätze und Sorgen Woran dein Herz hängt
Mt 7,1–12 Richten, Bitten, Goldene Regel Wie du mit anderen umgehst
Mt 7,13–27 Zwei Wege, Früchte, Haus auf Fels Hören allein reicht nicht

Die Seligpreisungen: Wen Jesus glücklich nennt

Die Seligpreisungen sind der Anfang der Bergpredigt: acht Sätze, die alle mit „selig“ beginnen, und ein neunter, in dem Jesus seine Zuhörer direkt anspricht. Das griechische Wort dahinter heißt „makarios“. Es bedeutet so viel wie glücklich, zu beglückwünschen.

In eigenen Worten sagt Jesus:

  1. Glücklich, wer vor Gott arm ist, wer weiß, dass er ihn braucht. Ihm gehört das Himmelreich (Mt 5,3).
  2. Glücklich, wer trauert. Er wird getröstet (Mt 5,4).
  3. Glücklich, wer ohne Gewalt lebt. Er wird das Land erben (Mt 5,5).
  4. Glücklich, wer nach Gerechtigkeit hungert. Er wird satt (Mt 5,6).
  5. Glücklich, wer barmherzig ist. Er findet selbst Erbarmen (Mt 5,7).
  6. Glücklich, wer ein reines Herz hat, ohne doppelten Boden. Er wird Gott sehen (Mt 5,8).
  7. Glücklich, wer Frieden stiftet. Er wird Kind Gottes genannt (Mt 5,9).
  8. Glücklich, wer verfolgt wird, weil er das Rechte tut. Ihm gehört das Himmelreich (Mt 5,10).
  9. Glücklich seid ihr, wenn man euch wegen mir beschimpft und verleumdet. Freut euch, euer Lohn im Himmel ist groß (Mt 5,11-12).

Lies die Liste noch einmal langsam. Da steht nichts von Erfolg, Reichweite oder Durchsetzungskraft. Nach den Maßstäben unserer Feeds sind das die Verlierer.

Jesus dreht die Rangordnung um. „Arm vor Gott“ meint nach einer alten Auslegung, die der Katechismus zitiert, die freiwillige Demut und den Verzicht eines Menschen, der nicht auf sich selbst baut (KKK 2546). Die Sanftmütigen sind nicht die Schwachen, sondern die, die ihre Kraft nicht gegen andere richten. Und Barmherzigkeit heißt: das Elend eines anderen an dich heranlassen und handeln.

Der Katechismus sagt, die Seligpreisungen stehen im Herzen der Predigt Jesu (KKK 1716) und zeigen sein eigenes Gesicht (KKK 1717). Sie antworten auf die Sehnsucht nach Glück, die Gott selbst in jeden Menschen gelegt hat (KKK 1718). Und sie stellen klar: Wahres Glück liegt nicht in Reichtum, Ruhm oder Macht, sondern in Gott (KKK 1723). Nicht zufällig ist dieser Text das Evangelium an Allerheiligen.

Salz der Erde und Licht der Welt: Wozu Christen da sind

Direkt nach den Seligpreisungen sagt Jesus seinen Zuhörern, wer sie sind: das Salz der Erde und das Licht der Welt (Mt 5,13-16). Er sagt nicht „werdet“, sondern „ihr seid“.

Salz gibt Geschmack und hält Lebensmittel frisch. Ein Licht zündet niemand an, um es unter ein Gefäß zu stellen. Beides ist nur für andere da. Glaube, der sich versteckt, verliert seinen Sinn. Gemeint ist aber kein Angeben: Die Leute sollen das Gute sehen und Gott dafür loben, nicht dich.

„Ich aber sage euch“: Wie Jesus die Gebote auslegt

Jesus schafft das Gesetz nicht ab. Er sagt ausdrücklich, er sei gekommen, es zu erfüllen (Mt 5,17). Dann folgen sechs Beispiele, die alle gleich gebaut sind: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist … Ich aber sage euch …“ Fachleute nennen sie Antithesen.

  • Töten: Schon der Zorn und das verächtliche Wort über einen anderen zählen (Mt 5,21-26).
  • Ehebruch: Er beginnt beim begehrlichen Blick (Mt 5,27-30).
  • Scheidung: Die Ehe soll nicht einfach aufgekündigt werden (Mt 5,31-32).
  • Schwören: Dein Ja soll ein Ja sein, dein Nein ein Nein (Mt 5,33-37).
  • Vergeltung: Keine Rache (Mt 5,38-42).
  • Feindesliebe: Liebe auch die, die dich hassen (Mt 5,43-48).

Der Katechismus erklärt, was hier passiert. Die Bergpredigt fügt keine neuen äußeren Vorschriften hinzu. Sie geht an die Wurzel, ins Herz, wo ein Mensch sich zwischen Gut und Böse entscheidet (KKK 1968). Ein Beispiel dafür: Wenn du zum Altar gehst und dir fällt ein, dass jemand etwas gegen dich hat, dann geh zuerst und versöhn dich (Mt 5,23-24).

Jesus macht es nicht leichter. Er macht es ehrlicher.

Wie die Gebote selbst lauten, warum Kirchen sie unterschiedlich zählen und was jedes einzelne heute bedeutet, steht in unserem Artikel über die Zehn Gebote.

Feindesliebe: Was „die andere Wange hinhalten“ bedeutet

Jesus verlangt, die eigenen Feinde zu lieben und für die zu beten, die einen verfolgen (Mt 5,44). Seine Begründung: Gott lässt die Sonne über Bösen und Guten aufgehen (Mt 5,45).

Der Satz „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ stammt aus dem Alten Testament (Ex 21,24). Er war ursprünglich eine Grenze: Die Strafe darf nicht größer sein als der Schaden. Jesus geht einen Schritt weiter und sagt: keine Vergeltung. Das Gebot der Nächstenliebe steht ebenfalls im Alten Testament (Lev 19,18). Den Zusatz „deinen Feind hassen“ findest du dort so nicht. Er beschreibt, wie Menschen üblicherweise denken.

Und die Wange? Jesus spricht vom Schlag auf die rechte Wange (Mt 5,39). Für einen Rechtshänder ist das ein Schlag mit dem Handrücken, also eine Demütigung. Viele Ausleger lesen den Satz deshalb so: Antworte auf Erniedrigung nicht mit neuer Erniedrigung. Durchbrich die Spirale.

Das heißt nicht, dass du alles hinnehmen musst. Als Jesus selbst beim Verhör geschlagen wird, fragt er zurück, warum man ihn schlägt (Joh 18,22-23). Der Katechismus erlaubt Notwehr ausdrücklich. Für jemanden, der andere schützen muss, kann sie sogar Pflicht sein (KKK 2263–2265). Wie du Grenzen ziehst, ohne hart zu werden, beschreibt der Artikel Grenzen setzen, ohne mich zu verlieren.

Feinde lieben heißt nicht, sie gut zu finden. Die Kirche unterscheidet genau: Den Menschen darfst du nicht hassen, das Böse, das er tut, sehr wohl (KKK 1933). Liebe beginnt hier oft ganz klein. Mit einem Gebet für jemanden, dem du im Moment nichts Gutes wünschen kannst. Das ist schwer. Es ist aber der Punkt, an dem der Hass aufhört, dein Leben zu bestimmen.

Beten, fasten, geben: Warum das Vaterunser mitten in der Bergpredigt steht

Im sechsten Kapitel geht es um drei Dinge, die fromme Juden damals selbstverständlich taten: Almosen geben, beten, fasten (Mt 6,1-18). Jesus kritisiert keines davon. Er kritisiert die Show. Wer gibt, soll es nicht ausposaunen. Die linke Hand soll nicht wissen, was die rechte tut. Wer betet, soll in seine Kammer gehen und die Tür schließen. Wer fastet, soll sich waschen und normal aussehen.

Heute wäre die Prüffrage: Würdest du es auch tun, wenn niemand davon erfährt?

Genau in der Mitte dieses Abschnitts steht das Vaterunser (Mt 6,9-13). Der Katechismus sagt, es stehe im Zentrum der ganzen Bergpredigt. Die Bergpredigt sei Lehre für das Leben, das Vaterunser das Gebet dazu. In beidem forme Gottes Geist, wonach wir uns sehnen (KKK 2763–2764). Was die einzelnen Bitten bedeuten, erklärt das Vaterunser Zeile für Zeile.

Schätze und Sorgen

Danach wird es persönlich. Sammle keine Schätze, die Motten und Rost zerfressen, denn wo dein Schatz ist, ist auch dein Herz (Mt 6,19-21). Niemand kann zwei Herren dienen, Gott und dem Geld (Mt 6,24).

Dann spricht Jesus über die Sorgen. Schau die Vögel an, schau die Blumen auf dem Feld an. Gott versorgt sie. Such zuerst sein Reich, der Rest wird dir dazugegeben. Und sorg dich nicht um morgen, jeder Tag hat genug eigene Last (Mt 6,25-34). Das ist kein Verbot zu planen. Es ist eine Einladung, die Zukunft nicht allein tragen zu wollen.

Richten, bitten, bauen: Wie die Bergpredigt endet

Das letzte Kapitel sammelt kurze, einprägsame Worte. Du siehst den Splitter im Auge deines Bruders, aber nicht den Balken in deinem eigenen (Mt 7,3-5). Bitte, und dir wird gegeben, such, und du wirst finden (Mt 7,7-11).

Dann folgt der Satz, den man die Goldene Regel nennt: „Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute tun sollen, das tut ihr ihnen auch. Das ist das Gesetz und die Propheten“ (Luther 1912, Mt 7,12). Der Katechismus sagt, das Gesetz des Evangeliums sei in dieser Regel zusammengefasst (KKK 1970).

Am Ende stellt Jesus vor die Wahl. Es gibt ein enges Tor und einen breiten Weg (Mt 7,13-14). Nicht jeder, der „Herr, Herr“ sagt, kommt ins Himmelreich, sondern wer tut, was Gott will (Mt 7,21). Wer diese Worte hört und danach handelt, baut sein Haus auf Fels. Wer sie nur hört, baut auf Sand (Mt 7,24-27).

Zuhören allein reicht nicht.

Redewendungen aus der Bergpredigt

Viele Ausdrücke, die du im Alltag benutzt, kommen direkt aus dieser Rede.

Redewendung Stelle Was sie meint
Salz der Erde Mt 5,13 Menschen, auf die es ankommt
Sein Licht unter den Scheffel stellen Mt 5,15 Seine Fähigkeiten verstecken
Die andere Wange hinhalten Mt 5,39 Nicht zurückschlagen
Die Linke weiß nicht, was die Rechte tut Mt 6,3 Ursprünglich: Gutes tun ohne Aufsehen
Niemand kann zwei Herren dienen Mt 6,24 Man muss sich entscheiden
Der Splitter im fremden Auge Mt 7,3 Fehler bei anderen sehen, nicht bei sich
Perlen vor die Säue werfen Mt 7,6 Wertvolles an die Falschen geben
Wolf im Schafspelz Mt 7,15 Jemand, der harmlos tut und es nicht ist
Auf Sand gebaut Mt 7,26 Ohne festes Fundament

Bergpredigt und Feldrede: Was bei Lukas anders ist

Eine ähnliche Rede steht im Lukasevangelium, nur kürzer (Lk 6,20-49). Lukas erzählt, dass Jesus vorher auf einem Berg die Nacht im Gebet verbringt und am Morgen zwölf seiner Jünger auswählt (Lk 6,12-16). Wer diese Männer waren, erzählt der Artikel über die zwölf Apostel. Dann steigt er mit ihnen hinab und redet auf einem ebenen Platz. Deshalb heißt diese Fassung Feldrede.

Die Unterschiede sind aufschlussreich. Lukas hat vier Seligpreisungen, und Jesus spricht die Menschen direkt an: Glücklich ihr Armen, ihr Hungernden, ihr Weinenden, ihr Gehassten. Dann folgen vier Weherufe gegen die Reichen, die Satten, die Lachenden und die, über die alle nur Gutes sagen (Lk 6,24-26). Wo Matthäus sagt „Seid vollkommen wie euer Vater“ (Mt 5,48), sagt Lukas „Seid barmherzig wie euer Vater“ (Lk 6,36).

Beide Fassungen gehören zusammen. Matthäus betont die innere Haltung, Lukas die konkrete Not. Warum es vier Evangelien gibt und wie sie zusammenhängen, erklärt der Überblick Die Bibel erklärt.

Kann man nach der Bergpredigt überhaupt leben?

Viele finden die Bergpredigt schön und halten sie für unerfüllbar. Keine Rache, kein begehrlicher Blick, keine Sorge um morgen: Wer schafft das schon?

Die Rede hat trotzdem Menschen weit über die Kirche hinaus gepackt. Mahatma Gandhi, der Hindu blieb, schreibt in seiner Autobiografie, dass ihm die Bergpredigt als Student in London direkt ins Herz ging, besonders der Satz von der anderen Wange.

Die katholische Kirche gibt drei klare Antworten.

Sie gilt allen. Die Bergpredigt ist kein Sonderprogramm für Mönche und Nonnen. Das Zweite Vatikanische Konzil zitiert den Satz „Seid vollkommen, wie euer Vater im Himmel vollkommen ist“ und sagt: Jesus hat diese Heiligkeit allen seinen Jüngern gepredigt, in jeder Lebenslage (Lumen gentium 40).

Sie ist Gnade, bevor sie Forderung ist. Der Katechismus nennt das neue Gesetz die Gnade des Heiligen Geistes. Es lehrt durch die Bergpredigt, was zu tun ist, und schenkt durch die Sakramente die Kraft, es zu tun (KKK 1966). Darum beginnt die Rede mit Zusagen, nicht mit Befehlen.

Nicht jeder muss alles auf dieselbe Weise leben. Die Kirche unterscheidet zwischen Geboten, die für alle gelten, und den sogenannten evangelischen Räten wie Armut oder Ehelosigkeit. Die Räte lebt jeder so, wie es seiner Berufung entspricht (KKK 1973–1974). Entscheidend ist die Liebe.

Die Bergpredigt ist keine Checkliste, die du abhaken kannst. Du wirst an ihr scheitern, jeder tut das. Aber sie zeigt dir, wohin es geht. Und sie beginnt mit dem Satz, dass gerade die glücklich sind, die mit leeren Händen kommen.

So liest du die Bergpredigt selbst

Die Bergpredigt ist einer der besten Einstiege in die Bibel. Du brauchst kein Vorwissen.

  1. Teil sie aufLies an drei Abenden je ein Kapitel: Matthäus 5, 6 und 7. Mehr nicht.
  2. Lies langsamMarkier einen Satz, der dich tröstet, und einen, der dich ärgert. Beide sagen etwas über dich.
  3. Nimm einen Satz mitWähl für eine Woche eine einzige Sache aus. Zum Beispiel: jeden Abend ein Gebet für einen Menschen, mit dem du nicht klarkommst.
  4. Rede darüberFrag jemanden, wie er einen Satz versteht, der dich nicht loslässt. Allein liest man vieles zu streng oder zu bequem.

Wie man einen Bibeltext grundsätzlich angeht, ohne sich zu verlaufen, zeigt der Artikel Wie liest man die Bibel?.

Du musst die Bergpredigt nicht morgen erfüllen. Fang mit einem Satz an. Das Haus auf Fels wird Stein für Stein gebaut.

Häufige Fragen

Wo hat Jesus die Bergpredigt gehalten?

Matthäus nennt nur „einen Berg“ in Galiläa (Mt 5,1). Die christliche Überlieferung verortet ihn am Nordufer des Sees Genezareth, in der Nähe von Tabgha und Kafarnaum. Dort steht heute auf dem sogenannten Berg der Seligpreisungen eine Kirche mit achteckigem Grundriss, gebaut in den 1930er-Jahren nach Plänen des Architekten Antonio Barluzzi. Die acht Seiten werden meist mit den acht Seligpreisungen verbunden. Ob es genau dieser Hügel war, lässt sich nicht beweisen.

Wie viele Seligpreisungen gibt es?

Bei Matthäus sind es acht Seligpreisungen in der dritten Person (Mt 5,3–10) und eine neunte, in der Jesus seine Zuhörer direkt anspricht (Mt 5,11–12). Deshalb liest man manchmal von acht, manchmal von neun. Lukas überliefert in der Feldrede vier Seligpreisungen und stellt ihnen vier Weherufe gegenüber (Lk 6,20–26). Gemeint ist in beiden Fassungen dasselbe: Gott steht auf der Seite derer, die sonst übersehen werden.

Warum heißt die Bergpredigt Bergpredigt?

Weil Matthäus erzählt, dass Jesus auf einen Berg steigt, sich setzt und dann zu lehren beginnt (Mt 5,1–2). Der Name beschreibt also schlicht den Ort. Schon der Kirchenvater Augustinus nannte seinen Kommentar Ende des 4. Jahrhunderts „De sermone Domini in monte“, auf Deutsch „Über die Rede des Herrn auf dem Berg“. Eine Predigt im heutigen Sinn, mit Kanzel und Gottesdienst, ist sie nicht.

Was ist der Unterschied zwischen der Bergpredigt und den Zehn Geboten?

Die Zehn Gebote ziehen Grenzen: nicht töten, nicht stehlen, nicht lügen. Die Bergpredigt schafft sie nicht ab, sondern fragt, woher eine Tat kommt. Jesus sagt, er sei gekommen, das Gesetz zu erfüllen (Mt 5,17). Nach dem Katechismus fügt die Bergpredigt keine neuen äußeren Vorschriften hinzu, sondern erneuert das Herz, aus dem alles Handeln kommt (KKK 1968). Die Gebote sind der Boden, die Bergpredigt zeigt, wie hoch das Haus werden kann.

Wann wird die Bergpredigt im Gottesdienst gelesen?

Einzelne Abschnitte kommen regelmäßig vor. Die Seligpreisungen sind das Evangelium an Allerheiligen am 1. November. Am Aschermittwoch hört die Gemeinde, was Jesus über Almosen, Beten und Fasten ohne Show sagt (Mt 6,1–6.16–18). Das Vaterunser aus der Bergpredigt beten Katholiken in jeder Messe vor der Kommunion. In der Leseordnung der Sonntage kehren weitere Teile der Rede immer wieder zurück, besonders in dem Jahr, in dem das Matthäusevangelium gelesen wird.

Muss man als Christ wirklich alles tun, was in der Bergpredigt steht?

Die Kirche sagt: Die Bergpredigt gilt allen Christen, nicht nur Ordensleuten. Das Zweite Vatikanische Konzil nennt die Heiligkeit ausdrücklich eine Berufung aller Jünger in jeder Lebenslage (Lumen gentium 40). Gleichzeitig ist sie kein Leistungstest. Der Katechismus beschreibt das neue Gesetz als Gnade des Heiligen Geistes, die die Kraft zum Tun schenkt (KKK 1966). Wer scheitert, fängt neu an. Aufgeben ist die einzige falsche Antwort.

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