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Gebete

7 Min. LesezeitStand: 6 Quellen

Kurz beantwortet

Das bekannteste Gebet zum Heiligen Geist lautet: „Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen, und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.“ Die Kirche lädt ein, den Heiligen Geist jeden Tag anzurufen, besonders vor und nach wichtigen Aufgaben (KKK 2670). Darum beten viele ihn vor Prüfungen und Entscheidungen.

Steckbrief

Bekanntestes Gebet„Komm, Heiliger Geist, erfülle die Herzen deiner Gläubigen …“
LateinischVeni, Sancte Spiritus, reple tuorum corda fidelium
Große HymnenVeni Creator Spiritus (9. Jh.), Pfingstsequenz Veni Sancte Spiritus (um 1200)
WannVor Prüfungen, Entscheidungen, wichtigen Gesprächen, in der Pfingstnovene
Bitte umDie sieben Gaben, u. a. Weisheit, Rat und Stärke
Im KatechismusKKK 2670–2672 (Gebet zum Geist), KKK 1830–1832 (Gaben und Früchte)
Inhalt

Morgen ist die Prüfung. Oder du musst dich entscheiden: Studium oder Ausbildung, bleiben oder gehen, ja oder nein. Du hast nachgedacht, Listen geschrieben, mit Freunden geredet. Und trotzdem ist es im Kopf eher lauter geworden als klarer.

Genau für solche Momente beten Christen seit den Anfängen der Kirche zum Heiligen Geist. Sie bitten nicht darum, dass Gott ihnen die Arbeit abnimmt. Sie bitten um einen klaren Blick, um Ruhe und um Mut. Hier findest du das bekannteste Gebet, woher es kommt und eigene Gebete für Prüfungen und Entscheidungen, die du sofort mitbeten kannst.

Komm, Heiliger Geist

Komm, Heiliger Geist,
erfülle die Herzen deiner Gläubigen,
und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe.
Sende aus deinen Geist, und alles wird neu geschaffen.
Und du wirst das Angesicht der Erde erneuern.
Lasset uns beten.
Gott, du hast die Herzen der Gläubigen
durch das Licht des Heiligen Geistes gelehrt.
Gib uns in diesem Geist, das Rechte zu erkennen
und uns allezeit an seinem Trost zu freuen.
Durch Christus, unseren Herrn.
Amen.

Die ersten drei Zeilen stehen so im Katechismus der Katholischen Kirche (KKK 2671). Den Rest haben wir aus dem lateinischen Original übertragen.

Komm, Heiliger Geist: das bekannteste Gebet zum Heiligen Geist

„Komm, Heiliger Geist“ ist das einfachste und unmittelbarste Gebet um den Geist. So nennt es der Katechismus: Die Bitte „Komm!“ ist der Kern, und die Hymnen und Antiphonen der Liturgie, also des Gottesdienstes, entfalten sie (KKK 2671). Auf Latein beginnt es mit „Veni, Sancte Spiritus, reple tuorum corda fidelium“. Nicht verwechseln: Die Pfingstsequenz beginnt mit denselben drei Wörtern, ist aber ein anderer, längerer Text (dazu unten mehr).

Das Gebet hat drei Teile. Zuerst der Ruf: Der Geist soll die Herzen füllen und ein Feuer anzünden. Das Bild stammt von Pfingsten, als die Jünger den Geist wie Feuerzungen empfingen (Apg 2,3). Dann ein Wechselvers aus Psalm 104: Wenn Gott seinen Geist sendet, entsteht Leben, und die Erde wird neu (Ps 104,30). Zum Schluss die eigentliche Bitte: das Rechte erkennen und Trost finden.

Diese letzte Zeile passt erstaunlich gut zu einer Prüfung oder Entscheidung. Du bittest nicht um ein Wunder. Du bittest darum, klar zu sehen.

Wer der Heilige Geist eigentlich ist und warum Christen ihn als Person und nicht als Energie verstehen, erklären wir im Text Heiliger Geist: Wer oder was ist das?.

Warum Christen um den Heiligen Geist beten

Jesus hat seinen Freunden versprochen, dass nach ihm der Geist kommt, der sie lehrt und an alles erinnert, was er gesagt hat (Joh 14,26). Und er sagt ausdrücklich: Der Vater gibt den Heiligen Geist denen, die ihn darum bitten (Lk 11,13).

Deshalb lädt die Kirche dazu ein, jeden Tag um den Heiligen Geist zu bitten, besonders zu Beginn und am Ende jeder wichtigen Tätigkeit (KKK 2670). Eine Klausur ist eine wichtige Tätigkeit. Ein Bewerbungsgespräch auch.

Und wenn dir die Worte fehlen, ist das kein Problem. Paulus schreibt, dass der Geist selbst für uns eintritt, wenn wir nicht wissen, wie wir beten sollen (Röm 8,26). Du musst es nicht schön formulieren. Du musst nur anfangen. Wie Beten überhaupt geht, liest du bei Beten lernen.

Gebet vor einer Prüfung

Ein Gebet vor der Prüfung ist eine Bitte um einen klaren Kopf und ein ruhiges Herz. Es ist kein Ersatz fürs Lernen.

Das muss man deutlich sagen: Gott füllt keine Lücken, die du selbst hättest schließen können. Wer nicht gelernt hat, betet nicht um Hilfe, sondern um Glück. Wer aber gelernt hat und trotzdem zittert, der darf genau das Gott hinlegen.

Gebet vor einer Prüfung

Heiliger Geist,
ich habe gelernt, so gut ich konnte.
Jetzt liegt es nicht mehr nur an mir.
Mach meinen Kopf klar und mein Herz ruhig.
Lass mich finden, was ich weiß,
und nicht an dem hängen bleiben, was fehlt.
Egal, wie es ausgeht:
Meine Note ist nicht mein Wert.
Amen.

In der Prüfung, wenn der Kopf leer ist

Komm, Heiliger Geist.
Atme mit mir.
Einen Gedanken nach dem anderen.
Amen.

Das zweite Gebet ist für den Moment, in dem du auf das Blatt starrst und nichts mehr weißt. Leg den Stift kurz hin, atme dreimal tief, sprich die drei Zeilen innerlich. Dann fang mit der Aufgabe an, die du am sichersten kannst.

Manche beten vor der Prüfung zusätzlich das Schutzengelgebet, das sie aus der Kindheit kennen. Und nach der Prüfung, egal wie sie gelaufen ist: danken. Dafür, dass sie vorbei ist, und für alle, die dir geholfen haben. Anregungen findest du bei den Lob- und Dankgebeten.

Wenn Prüfungsangst dich über Wochen lähmt, dir den Schlaf raubt oder dich Prüfungen meiden lässt, ist das mehr als Nervosität. Dann hilft ein Gebet allein nicht. Was hinter Angst stecken kann und wo du Unterstützung findest, liest du in unserem Text über Angst.

Gebet für eine Entscheidung

Bei einer großen Entscheidung bittet man den Heiligen Geist vor allem um die Gabe des Rates: zu erkennen, was jetzt dran ist. Ein Psalm sagt es in einem Satz: Dein guter Geist leite mich auf ebenem Weg (Ps 143,10).

Gebet für eine Entscheidung

Heiliger Geist,
ich stehe vor einer Entscheidung
und sehe den Weg nicht klar.
Ich will nicht einfach das Bequeme wählen
und nicht einfach das, was andere erwarten.
Zeig mir, was gut ist.
Gib mir den Mut, es dann auch zu tun.
Und wenn ich falsch liege,
geh trotzdem mit mir.
Amen.

Eine Stimme vom Himmel ist selten die Antwort. Oft zeigt sich der Weg darin, dass eine Möglichkeit mit der Zeit Frieden schenkt und die andere Unruhe. Bete über einige Tage, nicht nur einmal. Sprich mit Menschen, die dich kennen. Wer grundsätzlich fragt, wohin sein Leben gehen soll, findet mehr dazu im Text Berufung finden.

Veni Creator und Pfingstsequenz: die großen Hymnen

Zwei alte lateinische Lieder gehören zu den wichtigsten Gebeten zum Heiligen Geist.

Das Veni Creator Spiritus („Komm, Schöpfer Geist“) stammt aus dem 9. Jahrhundert. Meist wird es Hrabanus Maurus zugeschrieben, Abt in Fulda und später Erzbischof von Mainz. Sicher ist das nicht. Die erste Strophe lautet: „Veni, creator Spiritus, mentes tuorum visita, imple superna gratia quae tu creasti pectora.“ Übersetzt heißt das: Komm, Schöpfer Geist, besuche die Gedanken der Deinen, und fülle mit deiner Gnade von oben die Herzen, die du geschaffen hast. Gesungen wird der Hymnus an Pfingsten, bei Priesterweihen und beim Einzug der Kardinäle ins Konklave. Martin Luther hat ihn 1524 ins Deutsche übertragen.

Die Pfingstsequenz Veni Sancte Spiritus entstand um 1200 und wird Stephen Langton zugeschrieben, einem Erzbischof von Canterbury. Sie wird in der Messe am Pfingstsonntag nach der zweiten Lesung gesungen. Darin wird der Geist als Vater der Armen, als Tröster und als Ruhe in der Mühe angerufen. Was das Fest selbst bedeutet, steht bei Pfingsten.

Worum du den Heiligen Geist bitten kannst

Die Kirche nennt sieben Gaben des Heiligen Geistes: Weisheit, Einsicht, Rat, Stärke, Erkenntnis, Frömmigkeit und Gottesfurcht (KKK 1831). Sie gehen auf eine Stelle beim Propheten Jesaja zurück (Jes 11,2). Du kannst ganz gezielt um eine davon bitten:

Situation Gabe, um die du bittest
Prüfung, Lernen Einsicht und Erkenntnis
Große Entscheidung Rat und Weisheit
Etwas Schweres durchstehen Stärke
Du fühlst dich Gott fern Frömmigkeit

In der Firmung bittet der Bischof ausdrücklich um diese Gaben für die Firmlinge (KKK 1299). Wenn du gefirmt bist, musst du diese Gaben also nicht erst herbeibeten. Du bittest darum, dass sie in dir wach werden.

So betest du zum Heiligen Geist

  1. Einen festen Moment wählenVor dem Lernen, vor der Prüfung, vor einem wichtigen Gespräch. Die Kirche empfiehlt genau das: am Anfang und am Ende einer wichtigen Aufgabe.
  2. Kurz still werdenHandy weg, dreimal ruhig atmen. Der Geist drängelt nicht.
  3. Das Gebet sprechen„Komm, Heiliger Geist“ oder eines der Gebete oben. Auswendig ist gut, abgelesen genauso.
  4. Ehrlich sagen, worum es gehtNenn die Prüfung, die Entscheidung, die Angst beim Namen.
  5. Danach losgehenBeten heißt nicht warten. Du tust deinen Teil und vertraust, dass du ihn nicht allein tust.

Wer es intensiver will, betet die Pfingstnovene: neun Tage Gebet um den Heiligen Geist zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten, so wie die Jünger nach der Himmelfahrt zusammen mit Maria gebetet haben (Apg 1,14).

Du musst nicht wissen, wie der Heilige Geist wirkt, um ihn zu rufen. Fang mit drei Worten an. Komm, Heiliger Geist.

Häufige Fragen

Gibt es ein kurzes Gebet vor einer Prüfung?

Ja. Das kürzeste ist der Satz „Komm, Heiliger Geist.“ Du kannst ihn still sprechen, während die Aufgaben ausgeteilt werden. Etwas länger: „Heiliger Geist, mach meinen Kopf klar und mein Herz ruhig. Lass mich zeigen, was ich gelernt habe. Amen.“ Wichtig ist nicht die Länge, sondern dass du die Prüfung nicht allein angehst.

Darf man direkt zum Heiligen Geist beten?

Ja. Der Heilige Geist ist für Christen Gott, eine der drei Personen der Dreifaltigkeit, und nicht bloß eine Kraft. Deshalb darf man ihn direkt ansprechen. Der Katechismus nennt „Komm, Heiliger Geist!“ ausdrücklich das einfachste Gebet um den Geist (KKK 2671). Genauso üblich ist es, den Vater durch Jesus um den Geist zu bitten.

Was ist eine Pfingstnovene?

Eine Novene ist ein Gebet über neun Tage. Die Pfingstnovene wird in den neun Tagen zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten gebetet, jeden Tag mit der Bitte um den Heiligen Geist. Sie erinnert daran, dass die Jünger nach der Himmelfahrt gemeinsam mit Maria beteten und auf den Geist warteten. Du kannst sie allein oder mit anderen beten, jeden Tag nur wenige Minuten.

Hilft Beten gegen Prüfungsangst?

Beten ersetzt kein Lernen und keine Behandlung, wenn die Angst sehr groß ist. Es kann dir aber helfen, ruhiger zu werden, weil du die Last nicht mehr allein trägst. Viele merken, dass ein kurzes Gebet vor der Prüfung den Druck sortiert. Wenn Angst dich über Wochen blockiert, sprich mit jemandem darüber, etwa mit einer Beratungsstelle oder deiner Hausärztin.

Wer hat das Veni Creator Spiritus geschrieben?

Der Hymnus stammt aus dem 9. Jahrhundert. Meist wird er Hrabanus Maurus zugeschrieben, der Abt in Fulda und später Erzbischof von Mainz war. Ganz sicher ist das nicht. Gesungen wird er an Pfingsten, bei Priesterweihen und beim Einzug der Kardinäle in das Konklave, in dem ein neuer Papst gewählt wird.

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