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Kirchenjahr

10 Min. LesezeitStand: 8 Quellen

Kurz beantwortet

Mariä Himmelfahrt ist ein katholisches Hochfest am 15. August. Es feiert, dass Maria, die Mutter Jesu, am Ende ihres Lebens mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde. Papst Pius XII. hat das 1950 als Dogma verkündet. Typischer Brauch ist die Kräuterweihe. Gesetzlicher Feiertag ist der Tag nur im Saarland und in großen Teilen Bayerns.

Steckbrief

Offizieller NameHochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel (lateinisch Assumptio Beatae Mariae Virginis)
Datumjedes Jahr am 15. August
2026Samstag, 15. August 2026
2027Sonntag, 15. August 2027
Liturgische FarbeWeiß
Feiertag in ThüringenNein, aber religiöser Feiertag: Freistellung zum Gottesdienst auf Antrag möglich
BedeutungMaria ist mit Leib und Seele bei Gott, als Vorbild für die Auferstehung aller
BrauchKräuterweihe mit Kräuterbuschen
Inhalt

Mitten im Sommer, wenn Schule und Uni Pause machen, hat die katholische Kirche eines ihrer größten Feste. Am 15. August tragen Menschen in Bayern, Österreich oder im Eichsfeld bunte Sträuße aus Wildkräutern in die Kirche. In Italien steht das ganze Land still. In Thüringen merken die meisten davon wenig.

Mariä Himmelfahrt feiert etwas, das zuerst fremd klingt: dass Maria, die Mutter Jesu, mit Leib und Seele bei Gott ist. Dahinter steckt aber eine Frage, die jeden betrifft. Was bleibt von einem Menschen, wenn er stirbt? Was das Fest bedeutet, woher es kommt und warum an diesem Tag Kräuter gesegnet werden, liest du hier.

Was bedeutet Mariä Himmelfahrt?

Mariä Himmelfahrt bedeutet: Maria wurde am Ende ihres Lebens mit Leib und Seele in die Herrlichkeit Gottes aufgenommen. Nicht nur ihre Seele ist bei Gott, sondern sie als ganzer Mensch.

Der offizielle Name lautet deshalb „Hochfest der Aufnahme Mariens in den Himmel“, lateinisch Assumptio. Ein Hochfest ist die höchste Stufe im katholischen Festkalender, auf einer Ebene mit Weihnachten oder Pfingsten. „Himmel“ meint dabei keinen Ort über den Wolken. Gemeint ist die volle Gemeinschaft mit Gott.

Der Katechismus sagt: Die Aufnahme Marias ist eine einzigartige Teilnahme an der Auferstehung ihres Sohnes und nimmt die Auferstehung der anderen Christen vorweg (KKK 966). Das Fest handelt also nicht nur von Maria. Es zeigt, wohin die Reise für jeden Menschen gehen soll. Mehr zu den anderen Glaubenssätzen über sie findest du im Artikel über Maria, die Mutter Jesu.

Der Kern ist einfach und radikal. Dein Körper ist für Gott keine Nebensache.

Unterschied zu Christi Himmelfahrt

Christi Himmelfahrt und Mariä Himmelfahrt klingen fast gleich, meinen aber Verschiedenes. Jesus fährt aus eigener Kraft zum Vater auf. Maria wird von Gott aufgenommen.

Die lateinischen Namen machen den Unterschied klar. Christi Himmelfahrt heißt „Ascensio“, also Aufstieg. Mariä Himmelfahrt heißt „Assumptio“, also Aufnahme. Maria tut hier nichts selbst, sie empfängt. Deshalb spricht die Kirche offiziell von Mariä Aufnahme, auch wenn im Alltag fast alle „Himmelfahrt“ sagen.

Christi Himmelfahrt Mariä Himmelfahrt
Datum 40 Tage nach Ostern, immer ein Donnerstag immer der 15. August
Wer handelt? Jesus steigt selbst auf Gott nimmt Maria auf
Grundlage erzählt in der Bibel Überlieferung, Dogma von 1950
Feiertag in Thüringen ja, bundesweit nein

Steht Mariä Himmelfahrt in der Bibel?

Nein, nicht als Erzählung. Die Bibel berichtet weder von Marias Tod noch von ihrer Aufnahme in den Himmel. Das sagt die Kirche auch offen.

Zum letzten Mal erwähnt wird Maria in der Apostelgeschichte: Sie betet nach der Himmelfahrt Jesu mit den Aposteln in Jerusalem (Apg 1,14). Kurz darauf kommt an Pfingsten der Heilige Geist. Danach schweigt die Bibel über sie.

Die Kirche stützt das Fest trotzdem auf biblische Gedanken. Paulus schreibt, dass Christus als Erster von den Toten auferweckt wurde und alle, die zu ihm gehören, ihm folgen werden (1 Kor 15,20–27). Dieser Abschnitt wird am Festtag in der Messe gelesen. Dazu kommt die Offenbarung des Johannes mit dem Bild einer Frau, die mit der Sonne bekleidet ist und den Mond unter ihren Füßen hat (Offb 12,1). Die Kirche liest dieses Bild auch auf Maria hin.

Im Evangelium des Tages besucht Maria ihre Verwandte Elisabet und singt ihr großes Loblied, das Magnificat. Darin sagt sie, dass alle Generationen sie seligpreisen werden (Lk 1,48). Den Gruß Elisabets kennst du vielleicht aus dem Ave Maria.

Wie ist das Fest entstanden?

Das Fest ist viel älter als das Dogma. In Jerusalem erinnerten Christen schon im 5. Jahrhundert an den Heimgang Marias. Um das Jahr 600 legte Kaiser Maurikios den 15. August für das ganze Oströmische Reich fest.

  1. 5. JahrhundertIn Jerusalem feiern Christen den Heimgang Marias. Ihr Grab verehren sie bei Getsemani.
  2. um 600Kaiser Maurikios setzt den 15. August als Festtag im Oströmischen Reich fest.
  3. 7. JahrhundertDas Fest kommt nach Rom. Unter Papst Sergius I. (687–701) wird es dort mit einer Prozession gefeiert.
  4. 8./9. JahrhundertIm Westen setzt sich statt „Entschlafen“ der Name „Aufnahme“ Marias durch. Auch Kräutersegnungen am Festtag sind seit dem 9. Jahrhundert bekannt.
  5. 1946Papst Pius XII. fragt alle Bischöfe weltweit, ob die Aufnahme Marias als Dogma verkündet werden kann. Die Antwort ist fast einstimmig ja.
  6. 1. November 1950Pius XII. verkündet das Dogma mit dem Schreiben „Munificentissimus Deus“.

Das Dogma von 1950

Ein Dogma ist ein Glaubenssatz, den die Kirche als von Gott geoffenbart und verbindlich erklärt. Pius XII. formulierte am 1. November 1950, dass Maria nach Ablauf ihres irdischen Lebens mit Leib und Seele in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde. Es ist das bisher letzte Dogma, das ein Papst in dieser feierlichen Form verkündet hat.

Wichtig ist, was das Dogma nicht sagt. Es sagt nicht, ob Maria vorher gestorben ist, wann oder wo. Es beschreibt nicht, wie die Aufnahme ablief. Das bleibt offen, und das ist ehrlich.

Ostkirchen und evangelische Kirchen

Die orthodoxen Kirchen feiern am 15. August die Entschlafung Marias. Sie gehen von ihrem Tod aus und glauben an ihre Verherrlichung bei Gott, brauchen dafür aber kein päpstliches Dogma. Die evangelischen Kirchen haben das Dogma nicht übernommen. Für die Ökumene ist Mariä Himmelfahrt deshalb ein Punkt, an dem die Kirchen verschieden denken.

Wie wird Mariä Himmelfahrt gefeiert?

Im Mittelpunkt steht die Festmesse am 15. August, oft schon am Vorabend. Die liturgische Farbe ist Weiß, die Farbe der Freude und der Marienfeste.

Die Lesungen am Tag sind die Frau aus der Offenbarung (Offb 11,19–12,10), der Abschnitt von Paulus über die Auferstehung und der Besuch Marias bei Elisabet mit dem Magnificat (Lk 1,39–56). Fällt der 15. August auf einen Sonntag, wie 2027, verdrängt das Hochfest den normalen Sonntag.

In vielen Gemeinden gehören eine Prozession und die Kräutersegnung zum Gottesdienst. Manche Kirchen feiern abends eine Lichterprozession.

Kräuterweihe: Warum werden an Mariä Himmelfahrt Kräuter gesegnet?

Die Kräuterweihe ist der bekannteste Brauch am 15. August. Menschen binden Sträuße aus Heil- und Wildkräutern, bringen sie in die Messe, und der Priester spricht einen Segen darüber. Bekannt ist der Brauch seit dem 9. Jahrhundert.

Die Legende vom duftenden Grab

Eine alte Legende erzählt: Die Apostel öffneten nach einigen Tagen das Grab Marias. Ihr Leichnam war nicht mehr da. Stattdessen fanden sie Rosen, Lilien und Kräuter, und ein starker Duft stieg auf. Das ist Legende, keine Bibel. Sie drückt aber aus, was das Fest meint: Wo man den Tod erwartet, findet man Leben.

Dazu passt der Zeitpunkt. Mitte August stehen viele Kräuter in voller Blüte, und das Getreide ist geerntet. Die Kräuterweihe dankt für das, was die Erde schenkt. Im Herbst wird dieser Gedanke an Erntedank noch einmal groß gefeiert.

Einen Kräuterbuschen binden

Der Strauß heißt je nach Region Kräuterbuschen, Würzbüschel, Krautwisch oder einfach Krautweih. Er soll eine besondere Zahl an Pflanzen haben: mindestens sieben, oft neun oder zwölf, mancherorts 77. Die Zwölf erinnert an die Apostel. Häufig steht eine Königskerze in der Mitte, mancherorts bilden Rose und Lilie die Mitte.

Was nach der Segnung passiert

Nach der Messe kommt der Buschen nach Hause und wird kopfüber getrocknet. Früher hing er im Herrgottswinkel, der Ecke mit dem Kreuz in der Stube. Bei Gewitter warf man ein paar Zweige ins Herdfeuer, kranken Tieren mischte man etwas ins Futter. Das war Volksglaube. Der Segen ist kein Zaubermittel. Er ist eine Bitte, dass Gott das Haus und die Menschen darin schützt.

Der Frauendreißiger

In Teilen Bayerns und Tirols beginnt mit dem 15. August der Frauendreißiger. So heißen die 30 Tage nach Mariä Himmelfahrt. Kräuter, die in dieser Zeit gesammelt werden, galten als besonders wirksam.

Ist Mariä Himmelfahrt ein Feiertag?

In Deutschland ist Mariä Himmelfahrt nur im Saarland und in Teilen Bayerns ein gesetzlicher Feiertag. In Thüringen und allen anderen Bundesländern ist der 15. August ein normaler Arbeitstag.

In Bayern hängt es von der Gemeinde ab. Frei ist dort, wo laut der letzten Volkszählung mehr Katholiken als Evangelische wohnen. 2026 war das in 1.708 von 2.056 bayerischen Gemeinden der Fall. In Ober- und Niederbayern ist überall frei, in Franken nur zum Teil. Auch in Österreich, Italien, Frankreich, Spanien, Polen und Kroatien ist der 15. August ein Feiertag.

Anders als Fronleichnam, das in katholisch geprägten Orten Thüringens frei ist, gibt es für Mariä Himmelfahrt hier keine regionale Ausnahme. Einen gesetzlichen Schutz hat der Tag trotzdem. Das Thüringer Feier- und Gedenktagsgesetz zählt Mariä Himmelfahrt zu den religiösen Feiertagen. Wer in die Messe gehen will, kann sich auf Antrag unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen, wenn keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegenstehen. Schülerinnen und Schüler können sich auf Antrag vom Unterricht befreien lassen. In den Sommerferien spielt das meist keine Rolle, im Job schon.

Mariä Himmelfahrt in Thüringen

Für das Bistum Erfurt ist der 15. August ein besonderer Tag. Der Erfurter Dom St. Marien feiert an Mariä Himmelfahrt sein Patronatsfest, also das Fest seiner Namensgeberin. Der Bischof feiert dann ein Pontifikalamt, und vorher läutet die Gloriosa, die berühmte große Glocke des Doms. Sie läutet nur an hohen Festen.

Im Eichsfeld lebt die Kräuterweihe bis heute. In Beberstedt feiert die Marianische Bruderschaft jedes Jahr am Sonntag nach Mariä Himmelfahrt die „Krautweih“ mit Festhochamt, Kräutersegnung und einer Prozession durch das Dorf. 2024 war es die 270. Krautweih. Auch in anderen Eichsfelder Orten werden an diesem Tag Kräuter gesegnet. Wenn du wissen willst, ob das in deiner Nähe passiert, schau in unserem Verzeichnis der Gemeinden in Thüringen nach und frag dort direkt.

Mariä Himmelfahrt Kindern erklären

Kinder brauchen kein Dogma. Ihnen reicht das Bild: Gott lässt die Menschen, die er liebt, nicht im Grab.

Für Kinder erklärt

  1. Maria war die Mama von Jesus.
  2. Sie hat Jesus ihr ganzes Leben lang lieb gehabt und Gott vertraut.
  3. Als ihr Leben auf der Erde zu Ende war, hat Gott sie ganz zu sich geholt, mit allem, was zu ihr gehört.
  4. Eine alte Geschichte erzählt, dass in ihrem Grab danach nur duftende Blumen und Kräuter lagen.
  5. Deshalb bringen wir am 15. August Kräuter in die Kirche und lassen sie segnen.

Eine Idee für den Tag: Geht gemeinsam raus und sammelt sieben verschiedene Pflanzen am Wegrand. Schaut vorher, welche ihr kennt, und lasst geschützte Blumen stehen.

Was Mariä Himmelfahrt heute für dich bedeuten kann

Viele junge Leute haben ein angespanntes Verhältnis zu ihrem Körper. Er soll funktionieren, gut aussehen, mithalten. Mariä Himmelfahrt setzt einen anderen Ton: Gott will dich ganz, nicht nur deine Seele oder deine guten Seiten.

Das Fest sagt auch etwas über den Tod. Er ist echt und er tut weh. Aber er hat nicht das letzte Wort. Was nach dem Tod kommt, erklärt der Artikel Was passiert nach dem Tod? ausführlicher.

  1. Bind einen eigenen KräuterbuschenSieben Pflanzen reichen. Beim Sammeln merkst du, wie viel am Wegrand wächst, an dem du sonst vorbeigehst.
  2. Geh am 15. August in eine MesseAuch wenn es ein Werktag ist. Viele Gemeinden feiern abends, und in Thüringen kannst du dir dafür auf Antrag unbezahlt freinehmen.
  3. Lies das MagnificatDas Loblied Marias steht in Lk 1,46–55. Es ist kurz und überraschend politisch: Gott stürzt die Mächtigen und hebt die Kleinen hoch.
  4. Bete einmal am Tag den Engel des HerrnDas alte Gebet zum Angelusläuten dauert zwei Minuten und erzählt, wie Marias Weg mit Gott begann.

Maria war kein Star. Sie war eine junge Frau, die Ja gesagt hat und dann ein Leben lang dabei geblieben ist. Am 15. August feiert die Kirche, wo dieses Ja angekommen ist. Deins darf klein anfangen.

Häufige Fragen

Wann ist Mariä Himmelfahrt 2027?

Mariä Himmelfahrt ist immer am 15. August, 2027 also an einem Sonntag. Weil das Fest ein Hochfest ist, ersetzt es an diesem Tag den gewöhnlichen Sonntag: In der Messe werden die Texte von Mariä Himmelfahrt gelesen, nicht die des Sonntags im Jahreskreis. 2026 fiel der Tag auf einen Samstag, 2028 fällt er auf einen Dienstag.

Ist Maria gestorben, bevor sie in den Himmel kam?

Das lässt die katholische Kirche bewusst offen. Das Dogma von 1950 sagt nur, dass Maria „nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes“ mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde (KKK 974). Die alte Überlieferung und die Ostkirchen gehen davon aus, dass sie gestorben ist, und sprechen von ihrem „Entschlafen“. Viele katholische Theologen sehen das genauso.

Glauben evangelische Christen an Mariä Himmelfahrt?

Nein, jedenfalls nicht als verbindliche Lehre. Die evangelischen Kirchen haben das Dogma von 1950 nicht übernommen, weil es in der Bibel nicht ausdrücklich steht. Maria ehren sie trotzdem als Mutter Jesu und als Vorbild im Glauben. Ein evangelischer Feiertag ist der 15. August nicht. Die orthodoxen Kirchen dagegen feiern am selben Tag das Fest der Entschlafung Marias.

Welche Kräuter gehören in einen Kräuterbuschen?

Eine feste Liste gibt es nicht, sie ändert sich von Region zu Region. Häufig dabei sind Königskerze, Johanniskraut, Kamille, Schafgarbe, Wermut, Beifuß, Rainfarn, Salbei, Minze und einige Getreideähren. Oft steht die Königskerze in der Mitte. Wichtig ist eine besondere Zahl von Pflanzen, mindestens sieben, oft neun oder zwölf. Nimm nur, was sicher bestimmt und nicht geschützt ist.

Was ist Mariä Entschlafung?

So nennen die orthodoxen Kirchen das Fest am 15. August, griechisch Koimesis. Es erinnert an den Tod Marias, den die Überlieferung sanft wie ein Einschlafen beschreibt, und an ihre Aufnahme zu Gott. Kirchen, die noch den alten julianischen Kalender nutzen, feiern es nach unserem Kalender am 28. August. Vorher fasten orthodoxe Christen vom 1. bis 14. August.

Warum heißt der 15. August in Italien Ferragosto?

Der Name kommt von den „Feriae Augusti“, den Ruhetagen, die Kaiser Augustus im alten Rom im August einführte. Später legte sich das kirchliche Fest Mariä Himmelfahrt auf diese Zeit. Heute ist der 15. August in Italien ein Feiertag, an dem das ganze Land Urlaub macht. Auch in Österreich, Frankreich, Spanien, Polen und Kroatien ist der Tag gesetzlich frei.

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