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Wallfahrt

14 Min. LesezeitStand: 8 Quellen

Kurz beantwortet

Der Erfurter Dom, offiziell Hohe Domkirche St. Marien, ist die Kathedrale des Bistums Erfurt. Er steht mit der Severikirche auf dem Domberg, 70 Stufen über dem Domplatz. Gebaut wurde er ab 1154, der gotische Hochchor wurde um 1370 geweiht. Im Mittelturm hängt die Gloriosa von 1497, die größte frei schwingende mittelalterliche Glocke der Welt.

Steckbrief

Offizieller NameHohe Domkirche St. Marien zu Erfurt
LageDomberg, kreisfreie Stadt Erfurt (Thüringen)
ArtKathedrale (Bischofskirche), seit 1994
Konfessionkatholisch, Bistum Erfurt
PatroziniumMariä Himmelfahrt, 15. August
Bauzeit1154 bis um 1465 (romanisch bis spätgotisch)
Berühmt fürGlocke Gloriosa (1497), Chorfenster (um 1380 bis 1420), Wolfram-Leuchter
NachbarkircheSt. Severi
AnreiseStraßenbahn bis zum Domplatz, dann über die Domstufen; stufenfreier Zugang über den Severihof
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Wer zum ersten Mal auf dem Erfurter Domplatz steht, schaut automatisch nach oben. Über einer breiten Treppe ragen zwei Kirchen in den Himmel: links der Erfurter Dom mit seinem hohen gotischen Chor, rechts die Severikirche mit ihren drei spitzen Türmen. Das ist das Bild, das man von Erfurt kennt, von Postkarten, aus dem Fernsehen, vom Weihnachtsmarkt.

Hier steht, was hinter diesem Bild steckt: wie der Dom in fast 900 Jahren gewachsen ist, warum seine Glocke weltberühmt ist, was du drinnen nicht verpassen solltest und wie ein Besuch mehr wird als ein Foto von unten.

Was ist der Erfurter Dom?

Der Erfurter Dom heißt offiziell Hohe Domkirche St. Marien zu Erfurt. Er ist die Kathedrale, also die Bischofskirche, des katholischen Bistums Erfurt und steht auf dem Domberg über der Altstadt. Viele sagen auch Mariendom, weil die Kirche Maria geweiht ist.

„Kathedrale“ kommt von cathedra, dem Stuhl oder Sitz. Gemeint ist der Sitz des Bischofs, von dem aus er Gottesdienste leitet. Der Katechismus erklärt, dass dieser Sitz seinen Dienst als Vorsteher der Gemeinde sichtbar machen soll (KKK 1184). Wo die Kathedra steht, ist die Hauptkirche eines Bistums. In Erfurt ist das seit 1994 wieder der Dom. Bischof ist seit 2014 Ulrich Neymeyr.

Der Dom steht nicht allein. Direkt daneben erhebt sich die Severikirche, ebenfalls katholisch und ebenfalls gotisch. Zusammen mit den Domstufen bilden beide Kirchen eines der bekanntesten Stadtbilder Deutschlands.

Geschichte des Erfurter Doms: von Bonifatius bis heute

Die Geschichte des Doms beginnt mit einem Missionar und reicht bis in unsere Zeit. Gebaut wurde gut 300 Jahre lang, und jede Epoche hat Spuren hinterlassen.

  1. 742Bonifatius bittet Papst Zacharias, ein Bistum in Erfurt zu bestätigen. Auf dem Domberg entsteht die Kirche des ersten Thüringer Bischofs.
  2. um 755Das Bistum wird aufgelöst und dem Erzbistum Mainz eingegliedert. Erfurt bleibt rund tausend Jahre kirchlich mainzisch.
  3. 1154Baubeginn einer romanischen Basilika. Im selben Jahr werden die Gebeine der heiligen Adolar und Eoban im Dom aufgefunden.
  4. 1182Weihe der Basilika. 1201 ist der Südturm fertig, 1237 der Nordturm.
  5. 1329Das Chorgestühl entsteht.
  6. 1349–um 1370Auf den Kavaten, gewaltigen Unterbauten, entsteht der gotische Hohe Chor und wird geweiht.
  7. 1455–1465Das alte Langhaus wird abgerissen und als spätgotische Hallenkirche neu gebaut.
  8. 1497Gerhard van Wou gießt die Glocke Gloriosa.
  9. 1507Martin Luther wird im Dom zum Priester geweiht.
  10. um 1700Der barocke Hochaltar entsteht.
  11. 1994Papst Johannes Paul II. errichtet das Bistum Erfurt neu. Der Dom wird Kathedrale.
  12. 2011Papst Benedikt XVI. feiert auf dem Domplatz eine Messe mit rund 30.000 Menschen.

Bonifatius und die erste Bischofskirche

742 schrieb der angelsächsische Missionar Bonifatius an Papst Zacharias und bat, ein Bistum „an dem Erphesfurt genannten Ort“ zu bestätigen. Laut Bistum Erfurt stand die Kirche dieses ersten Thüringer Bischofs an der Stelle des heutigen Doms. Wie sie aussah, weiß niemand. Das Bistum bestand nur wenige Jahre und ging um 755 im Erzbistum Mainz auf. Wer Bonifatius war und warum er „Apostel der Deutschen“ heißt, erzählen wir im Porträt über Bonifatius und Thüringen.

1154 fand man im Dom die Gebeine von Adolar und Eoban, zwei Gefährten des Bonifatius, die mit ihm als Märtyrer gestorben sein sollen. Sie wurden feierlich erhoben und später als Stadtheilige verehrt. Im selben Jahr begann der Bau der romanischen Basilika, deren Türme bis heute stehen.

Warum der Chor auf Stelzen steht: die Kavaten

Im 14. Jahrhundert wollte das Stift, also die Gemeinschaft der Geistlichen am Dom, einen größeren Chor. Der Domhügel war dafür aber zu klein. Die Baumeister lösten das Problem mit Kraft: Sie verlängerten den Berg künstlich nach Osten. Die gewaltigen Unterbauten dafür heißen Kavaten.

Auf diesen Kavaten steht der Hohe Chor, ab 1349 weitergebaut und um 1370 geweiht. Deshalb wirkt der Dom vom Domplatz aus so hoch und so steil. Du siehst von unten zuerst diesen Chor mit seinen riesigen Fenstern, erst dahinter das Langhaus.

Martin Luther im Dom

Am 3. April 1507 wurde Martin Luther im Erfurter Dom zum Priester geweiht, in der Kilianskapelle, durch den Weihbischof Johann Bonemilch von Laasphe. Seine erste Messe feierte er danach in der Kirche seines Klosters. Wie Luther dort lebte und warum das Kloster heute evangelisch ist, liest du beim Augustinerkloster Erfurt.

Die Reformation veränderte Erfurt stark. Die Stadt wurde mehrheitlich evangelisch, der Dom blieb katholisch. Diese Nachbarschaft prägt Erfurt bis heute.

Pferdestall, Krieg und Neugründung

Im 19. Jahrhundert, als Erfurt preußisch war, wurde der Dom aufwendig restauriert und dabei stark verändert. Im Zweiten Weltkrieg bekam er keinen direkten Bombentreffer, Dach und Fenster wurden aber beschädigt. Die mittelalterlichen Glasfenster hatte man schon 1940/41 ausgebaut und in Sicherheit gebracht.

Zu DDR-Zeiten gehörten die Katholiken in Thüringen offiziell noch zu Bistümern im Westen, vor allem Fulda. Ab 1973 leitete deshalb ein Apostolischer Administrator die Kirche in diesem Gebiet von Erfurt aus. 1994, vier Jahre nach der Wiedervereinigung, gründete Papst Johannes Paul II. das Bistum Erfurt neu. Nach über 1200 Jahren war Erfurt wieder Sitz eines eigenen Bistums und der Dom wieder das, was er am Anfang war: die Kirche des Bischofs von Erfurt.

Die Gloriosa: die Königin der Glocken

Die Gloriosa ist die größte frei schwingende mittelalterliche Glocke der Welt. Sie hängt im Mittelturm des Erfurter Doms, wiegt 11,45 Tonnen und hat einen Durchmesser von gut 2,5 Metern. Ihr Name bedeutet „die Glorreiche“.

Vier Fehlversuche, dann der Guss

Die Erfurter wollten lange vor 1497 eine große Glocke. Zwischen 1251 und 1497 scheiterten vier Versuche: Glocken zersprangen, verbrannten oder gingen anders kaputt. Dann holte man den erfahrensten Glockengießer seiner Zeit, Gerhard van Wou aus Kampen in den Niederlanden. In der Nacht vom 7. auf den 8. Juli 1497 goss er die Gloriosa direkt auf dem Domberg, zwischen Dom und Severikirche.

Die Glocke zeigt Maria im Strahlenkranz. Ihr Schlagton ist ein tiefes E.

Risse, Reparaturen und ein neuer Klöppel

Die Gloriosa hat über 500 Jahre überstanden, aber nicht ohne Schäden. 1984 entdeckte man einen Riss, 1985 wurde er direkt im Turm geschweißt. Einige Jahre später zeigte sich ein neuer, fast 40 Zentimeter langer Haarriss. Die Glocke wurde ausgebaut, in einer Spezialwerkstatt in Nördlingen repariert und kam im Dezember 2004 zurück auf den Domberg.

Wann läutet die Gloriosa?

Die Gloriosa läutet nur an wenigen Tagen im Jahr. Das ist Absicht: Sie soll besondere Tage hörbar machen. Die Läuteordnung des Doms legt das jedes Jahr neu fest. 2026 standen darauf diese Anlässe:

Anlass Datum 2026
Hochfest der Gottesmutter Maria (Neujahr) 1. Januar
Ölweihmesse in der Karwoche 31. März
Ostersonntag 5. April
Pfingstsonntag 24. Mai
Mariä Himmelfahrt, Patronatsfest des Doms 15. August
Bistumswallfahrt 20. September
Vorabend des Martinstags, Martinsfest 10. November
Erster Weihnachtstag 25. Dezember

2026 kam ein trauriger Anlass dazu: das Requiem für Altbischof Joachim Wanke am 21. März. Bei Frost unter minus 10 Grad bleibt die Glocke still. Die Uhrzeiten wechseln, sie stehen jedes Jahr auf der Seite des Doms.

Zwei Termine lohnen sich besonders. Am 15. August feiert der Dom sein Patronatsfest, das Fest Mariä Himmelfahrt. Und am Abend des 10. November läutet die Gloriosa zum ökumenischen Martinsfest, wenn Tausende mit Laternen auf den Domplatz kommen. Die Geschichte dahinter steht in unserem Artikel über Sankt Martin und die Laternen.

Was du im Dom sehen kannst

Der Erfurter Dom ist innen zweigeteilt: vorne das helle, breite Langhaus, dahinter, ein paar Stufen höher, der schmale, sehr hohe Chor. Nimm dir für beides Zeit.

Die Glasfenster im Hohen Chor

Die Chorfenster sind das Herz des Doms. 15 Fenster, jedes gut 18 Meter hoch und bis zu 2,60 Meter breit, entstanden zwischen etwa 1380 und 1420. Von rund 1100 Glasscheiben stammen fast 900 noch aus dieser Zeit. Sie erzählen Geschichten aus der Bibel und aus dem Leben von Heiligen, Bild für Bild, von unten nach oben.

Wenn die Sonne durch die Fenster fällt, färbt sich der ganze Chor. Zwischen 1960 und 1962 kamen fünf moderne Fenster des Künstlers Charles Crodel dazu, mitten in der DDR-Zeit.

Der Wolfram

Im Dom steht ein Mann aus Bronze mit ausgebreiteten Armen, in denen früher Kerzen brannten. Das ist der Wolfram, ein Leuchter aus der Zeit um 1160, wahrscheinlich in Magdeburg gegossen. Er wiegt rund 290 Kilogramm und gilt als einer der ältesten frei stehenden Bronzegüsse Deutschlands.

An der Figur steht eine lateinische Inschrift. Sinngemäß heißt sie: „Wolfram: Bitte für uns, heilige Gottesgebärerin. Hiltiburc: dass wir der Gnade Gottes würdig werden.“ Wahrscheinlich waren Wolfram und Hiltiburc die Stifter. Ein Wolfram ist in Urkunden von 1144 und 1157 als Schultheiß belegt, wer Hiltiburc war, ist unklar. Untersuchungen zeigten, dass die Inschrift schon vor dem Guss angelegt war, also von Anfang an zur Figur gehört.

Chorgestühl, Hochaltar und Triangelportal

Im Chor steht das Chorgestühl von 1329, aus Eichenholz, mit 89 Sitzen. Hier saßen die Geistlichen des Stifts beim gemeinsamen Gebet.

Den Chor schließt der barocke Hochaltar ab, 16,5 Meter hoch und um 1700 entstanden. Außen, am nördlichen Querhaus, liegt das Triangelportal von etwa 1330, ein dreieckiger Eingang mit Figuren der zwölf Apostel und der klugen und törichten Jungfrauen aus einem Gleichnis Jesu (Mt 25,1–13).

Weitere Schätze

  • Die Stuckmadonna: eine romanische Marienfigur, ebenfalls um 1160 entstanden.
  • Ein Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren: Es zeigt die Vermählung der heiligen Katharina mit dem Jesuskind.
  • Die Krypta: Hier stehen die Hochgräber von Adolar und Eoban. Gräber und Reliquien von Heiligen erinnern daran, dass der Glaube hier von Menschen getragen wurde, nicht von Steinen.
  • Das Marienmosaik: Es hing von 1870 bis 1968 am Giebel des Langhauses, ist 8,63 Meter hoch und wird heute im Dachstuhl gezeigt. Sehen kannst du es nur mit Führung.
  • Der Kreuzgang: ruhig, schattig und leicht zu übersehen. Hier wurde im März 2026 Altbischof Joachim Wanke beigesetzt.

Was so ein Raum mit dir macht

Der Katechismus sagt, dass Kirchen keine bloßen Versammlungsräume sind. Sie sollen schön sein und zum Gebet einladen, weil Christus in ihnen gegenwärtig ist (KKK 1180–1181). Der Erfurter Dom zeigt, was damit gemeint ist. Viele, die nicht glauben, erleben hier trotzdem etwas: Weite, Licht, eine Stille, die man in der Stadt sonst nicht findet.

St. Severi: die Schwesterkirche nebenan

Die Severikirche ist die zweite Kirche auf dem Domberg und vielleicht sogar älter als der Dom. Sie ist nach dem heiligen Severus benannt, einem Bischof von Ravenna, dessen Gebeine 836 nach Erfurt kamen.

Die heutige Kirche entstand ab den 1270er Jahren als fünfschiffige gotische Hallenkirche, im Wesentlichen fertig war sie Mitte des 14. Jahrhunderts. Ihre drei spitzen Türme machen sie von unten unverwechselbar. Innen lohnen zwei Stücke den Weg: der Severi-Sarkophag, dessen Reliefs um 1360 bis 1370 entstanden, und der fast 15 Meter hohe Taufstein von 1467. Sie ist eine eigenständige Kirche, keine Kapelle des Doms. Wenn du oben bist, geh in beide.

Die Domstufen: Bühne, Treffpunkt, Pilgerweg

Die Domstufen sind 70 breite Stufen vom Domplatz hinauf zum Dom und zur Severikirche. Wer hinaufgeht, spürt, dass er aus der Stadt heraus nach oben steigt.

Seit 1994 macht das Theater Erfurt die Stufen jeden Sommer zur Bühne der DomStufen-Festspiele. Die erste Inszenierung war Carl Orffs „Carmina Burana“, später kamen große Opern und Musicals dazu, 2026 „Jesus Christ Superstar“. Jeden Sommer kommen Zehntausende Zuschauer.

Im November wird der Domplatz zum Ziel des Martinsfests, im Advent steht hier der Erfurter Weihnachtsmarkt. Am 24. September 2011 feierte Papst Benedikt XVI. auf dem Domplatz eine Messe mit rund 30.000 Menschen. In seiner Predigt erinnerte er an die Heiligen des Bistums und an die Christen in Thüringen, die unter zwei Diktaturen ihrem Glauben treu geblieben waren.

Ist der Erfurter Dom ein Wallfahrtsort?

Ja, auch wenn er nicht so heißt. Der Domberg ist seit Jahrhunderten ein Ziel für Pilger, und einmal im Jahr kommt fast das ganze Bistum hierher. Eine Wallfahrt ist ein Weg zu einem heiligen Ort, allein oder mit anderen.

Die Bistumswallfahrt im September

Jedes Jahr im September lädt das Bistum Erfurt zur Bistumswallfahrt auf den Domplatz ein. Laut Dom kommen dazu und zu den Kinderwallfahrten jährlich viele hundert Menschen. Pilgergruppen gehen morgens aus verschiedenen Richtungen los, dann folgen Messe auf dem Domplatz, Programm für Kinder, Begegnung und der Abschlusssegen im Dom. 2026 war sie am 20. September. Den Termin für 2027 veröffentlicht das Bistum.

Pilgerstempel und Pilgerwege

Der Domberg liegt an zwei Pilgerwegen: am Ökumenischen Pilgerweg von Görlitz nach Vacha und am „Weg der starken Frauen“ von Erfurt über Arnstadt und Paulinzella nach Coburg. Unterwegs begegnest du unter anderem den Spuren der heiligen Landgräfin Elisabeth von Thüringen, der Patronin des Bistums Erfurt. Im Dom bekommst du auf Nachfrage einen Pilgerstempel und einen Reisesegen. Welche Routen durch Thüringen führen, zeigt unsere Übersicht der Pilgerwege in Thüringen.

Für Katholiken ist so ein Ort kein Talisman. Gott ist auf dem Domberg nicht näher als in deinem Zimmer. Aber Orte, an denen Menschen seit Jahrhunderten beten, helfen vielen, selbst wieder anzufangen.

Den Erfurter Dom besuchen: Öffnungszeiten, Führungen, Anreise

Der Dom ist außerhalb der Gottesdienste frei zugänglich, zum Beten und zum Anschauen. Eintritt kostet er nicht. Die aktuellen Öffnungszeiten stehen auf der offiziellen Seite des Doms, sie wechseln zwischen Sommer und Winter und an Feiertagen.

Führungen

Die Dominformation bietet verschiedene Führungen an: durch den Dom, durch die Schatzkammer, zum Marienmosaik im Dachstuhl, durch die Severikirche und hinauf in den Turm zur Gloriosa. Für Einzelbesucher gibt es regelmäßige offene Führungen, Gruppen melden sich vorher an. Wenn du die Gloriosa aus der Nähe sehen willst, ist die Turmführung der einzige Weg.

Barrierefreiheit

Die 70 Stufen sind für viele ein echtes Hindernis. Es gibt aber einen stufenfreien Zugang über die Straße am Severihof. Seit 2019 verbindet eine Rampe im Dom Langhaus und Hohen Chor. Außerdem gibt es Hörschleifen, Texte in Blindenschrift, und Führhunde sind willkommen.

Anreise

Der Domplatz liegt mitten in der Altstadt. Mehrere Straßenbahnlinien halten direkt am Platz. Vom Hauptbahnhof gehst du zu Fuß rund 20 Minuten durch die Altstadt.

Muss ich katholisch sein?

Nein. Der Dom steht allen offen, Getauften und Ungetauften, Suchenden und Neugierigen. Auch wer aus der Kirche ausgetreten ist, darf hinein, sich hinsetzen und mitfeiern. Was ein Austritt kirchlich bedeutet und was nicht, erklären wir beim Kirchenaustritt in Thüringen. Zur Kommunion gehen katholische Christen. Alle anderen sind trotzdem willkommen, einfach dabei zu sein.

Ruhig sein, das Handy leise stellen, während der Messe nicht herumlaufen und nicht fotografieren: Mehr Regeln brauchst du nicht. Wer eine katholische Messe erleben will, findet die Gottesdienstzeiten auf der Seite des Doms. Du kannst einfach hinten sitzen und zuschauen.

In der Umgebung

Das Augustinerkloster, Luthers Kloster, ist vom Domplatz aus zu Fuß erreichbar. Gleich neben dem Domberg liegt der Petersberg mit der Zitadelle, von oben hast du einen der besten Blicke auf Dom und Severi.

Wer weiter will: Im Eichsfeld liegt Etzelsbach, ein kleiner Marienwallfahrtsort. Dort feierte Benedikt XVI. am Tag vor der Messe auf dem Domplatz eine Vesper. Im Nordwesten Thüringens liegt Kloster Volkenroda, ein altes Zisterzienserkloster, in dem heute eine evangelisch geprägte Gemeinschaft lebt und der Christus-Pavillon der Expo 2000 steht. Eine Übersicht aller Orte findest du bei den Wallfahrtsorten in Thüringen.

Wenn du hingehen willst

Der Erfurter Dom ist groß genug, um sich darin zu verlieren, und ruhig genug, um sich wiederzufinden. Fünf Ideen für deinen Besuch:

  1. Geh die Stufen zu FußAlle 70. Oben dreh dich um und schau auf die Stadt. Du stehst dort, wo seit fast 1300 Jahren Menschen hinaufgehen.
  2. Setz dich zehn Minuten in den ChorHandy weg, Blick nach oben in die Fenster. Du musst nicht beten. Schau einfach, was passiert, wenn es still wird.
  3. Komm an einem Gloriosa-TagStell dich am 10. November oder am 15. August auf den Domplatz, wenn sie läutet. Den Ton vergisst du nicht.
  4. Nimm eine FührungTurm, Krypta oder Schatzkammer. Mit jemandem, der den Dom kennt, siehst du doppelt so viel.
  5. Bring jemanden mitIn unserer Runde treffen sich junge Leute aus Thüringen, manchmal auch in Erfurt. Vielleicht findest du dort jemanden, der mit dir die Stufen hochgeht.

Der Dom steht seit fast 900 Jahren. Er hat Kriege, Diktaturen und Jahrzehnte fast leerer Bänke überstanden. Er wartet nicht darauf, dass du perfekt glaubst. Er ist offen, wenn du kommst.

Häufige Fragen

Wie viele Stufen hat der Erfurter Dom?

Vom Domplatz hinauf zum Dom und zur Severikirche führen 70 Stufen, die Domstufen. Im Sommer sind sie die Bühne der DomStufen-Festspiele. Wer die Stufen nicht gehen kann, erreicht den Domberg stufenfrei über die Straße am Severihof. Im Dom selbst gibt es seit 2019 eine Rampe zwischen Langhaus und Hohem Chor.

Wann läutet die Gloriosa?

Nur an wenigen Tagen im Jahr, vor allem an Hochfesten. Die Läuteordnung des Doms nennt 2026 unter anderem Neujahr, die Ölweihmesse in der Karwoche, Ostern, Pfingsten, den 15. August, die Bistumswallfahrt im September, den Abend vor dem Martinstag und den ersten Weihnachtstag. Bei Frost unter minus 10 Grad bleibt sie still. Die genauen Zeiten stehen jedes Jahr neu auf der Seite des Doms.

Kostet der Erfurter Dom Eintritt?

Nein. Der Dom ist außerhalb der Gottesdienste zum Beten und Anschauen frei zugänglich. Geld kosten nur Zusatzangebote wie Domführungen, die Schatzkammer, das Marienmosaik im Dachstuhl oder Turm- und Glockenführungen. Die aktuellen Öffnungszeiten und Preise stehen auf der offiziellen Seite des Doms.

Ist der Erfurter Dom katholisch oder evangelisch?

Katholisch. Der Dom ist die Bischofskirche des katholischen Bistums Erfurt, auch die Severikirche daneben ist katholisch. Evangelische Christen feiern trotzdem regelmäßig mit, etwa beim ökumenischen Martinsfest auf dem Domplatz. Evangelisch ist dagegen das Augustinerkloster, in dem Martin Luther als Mönch lebte, bevor er 1507 im Dom zum Priester geweiht wurde.

Wie alt ist der Erfurter Dom?

Die heutige Kirche entstand ab 1154 als romanische Basilika. Die Türme wurden 1201 und 1237 fertig, der gotische Hochchor um 1370 geweiht, das Langhaus um 1465 neu gebaut. Eine erste Bischofskirche an dieser Stelle geht auf Bonifatius zurück, der 742 ein Bistum Erfurt gründete. Wie sie aussah, weiß niemand.

Wer ist im Erfurter Dom begraben?

In der Krypta stehen die Hochgräber der heiligen Adolar und Eoban, zwei Gefährten des Bonifatius. Ihre Gebeine wurden laut Stadtchronik 1154 im Dom aufgefunden und feierlich erhoben. Im Kreuzgang wurde im März 2026 Altbischof Joachim Wanke beigesetzt, der erste Bischof des 1994 neu gegründeten Bistums Erfurt.

Warum heißt es Dom und nicht einfach Kirche?

Dom kommt vom lateinischen domus, Haus. Gemeint war ursprünglich das Haus, in dem die Geistlichen einer Bischofskirche gemeinsam lebten. Heute nennt man so meist große Hauptkirchen, vor allem Bischofskirchen. Der Fachbegriff dafür ist Kathedrale, von cathedra, dem Sitz des Bischofs. Der Erfurter Dom ist beides.

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