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Gebete

13 Min. LesezeitStand: 8 Quellen

Kurz beantwortet

Das Ave Maria, auf Deutsch „Gegrüßet seist du, Maria“, ist das bekannteste Mariengebet. Sein erster Teil stammt fast wörtlich aus dem Lukasevangelium: aus dem Gruß des Engels Gabriel (Lk 1,28) und dem Gruß Elisabets (Lk 1,42). Der zweite Teil ist eine Bitte an Maria, für uns zu beten. Seit 1568 ist der lateinische Wortlaut in der katholischen Kirche fest.

Steckbrief

NameAve Maria, deutsch „Gegrüßet seist du, Maria“, auch Englischer Gruß
BibelstellenLukas 1,28 (Gruß des Engels) und Lukas 1,42 (Gruß Elisabets)
AufbauBiblischer Lobpreis, Name Jesus, Bitte um Fürsprache, Amen
Lateinischer WortlautSeit 1568 fest, aufgenommen ins Römische Brevier unter Papst Pius V.
Gebetet inRosenkranz, Engel des Herrn, persönlichem Gebet
Im KatechismusKKK 2673–2679
Inhalt

Viele kennen das Ave Maria, ohne es je bewusst gebetet zu haben. Man hört es auf Hochzeiten, bei Beerdigungen, in Filmen, manchmal leise gemurmelt von der Oma in der Kirchenbank. Und vielleicht kennst du auch den deutschen Anfang: „Gegrüßet seist du, Maria“. Irgendwann kommt dann ein Wort wie „gebenedeit“, und spätestens da steigen die meisten aus.

Dabei ist das Gebet kürzer und klarer, als es klingt. Seine erste Hälfte steht fast wörtlich in der Bibel. Die zweite ist eine einfache Bitte. Hier findest du den ganzen Text auf Deutsch und Latein, woher er kommt und was jede Zeile bedeutet.

Gegrüßet seist du, Maria

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes,
bitte für uns Sünder
jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.

Gegrüßet seist du, Maria: der Text und sein Aufbau

Das Ave Maria hat zwei Teile. Der erste lobt Maria mit Worten aus der Bibel und endet beim Namen Jesus. Der zweite bittet Maria, für uns bei Gott einzutreten.

Diese Zweiteilung ist kein Zufall. Der Katechismus beschreibt das Gebet zu Maria als „doppelte Bewegung“: Man preist Gott für das, was er an Maria getan hat, und man vertraut ihr die eigenen Bitten an (KKK 2675–2676). Im Ave Maria stehen beide Bewegungen direkt hintereinander, in nur acht Zeilen.

Der Name „Ave Maria“ kommt vom lateinischen Anfang des Gebets. Im Deutschen hieß es früher auch „Englischer Gruß“. Das hat nichts mit England zu tun: „englisch“ ist hier ein altes Wort für „vom Engel“. Gemeint ist der Gruß des Engels Gabriel an Maria.

Wenn ältere Menschen das Gebet etwas anders sprechen, liegt das an kleinen Änderungen im deutschen Wortlaut. Früher hieß es zum Beispiel „gebenedeit unter den Weibern“. Heute sagt man „unter den Frauen“. Der Sinn ist derselbe.

Ave Maria auf Latein

Jahrhundertelang wurde das Gebet in der Westkirche auf Latein gesprochen. So kennen es bis heute viele Chöre und Musiker, und so steht es auch unter den bekannten Vertonungen.

Ave Maria (Latein)

Ave Maria, gratia plena,
Dominus tecum.
Benedicta tu in mulieribus,
et benedictus fructus ventris tui, Iesus.
Sancta Maria, Mater Dei,
ora pro nobis peccatoribus,
nunc et in hora mortis nostrae.
Amen.

Wo steht das Ave Maria in der Bibel?

Der erste Teil stammt aus dem ersten Kapitel des Lukasevangeliums. Er verbindet zwei Szenen: den Besuch des Engels bei Maria in Nazaret und Marias Besuch bei ihrer Verwandten Elisabet.

In der ersten Szene kommt der Engel Gabriel zu einer jungen Frau, die mit Josef verlobt ist. Er grüßt sie und sagt ihr, dass Gott mit ihr ist (Lk 1,28). Dann kündigt er an, dass sie einen Sohn bekommen wird, den sie Jesus nennen soll. Die alte Lutherbibel gibt den Gruß so wieder:

„Gegrüßet seist du, Holdselige! Der HERR ist mit dir, du Gebenedeite unter den Weibern!“ (Lk 1,28, Luther 1912)

Maria erschrickt. Sie fragt, wie das gehen soll. Am Ende sagt sie Ja (Lk 1,38). Die Kirche feiert diese Szene am 25. März, neun Monate vor Weihnachten, als Fest der Verkündigung des Herrn.

In der zweiten Szene macht sich die schwangere Maria auf den Weg zu Elisabet, die ebenfalls ein Kind erwartet, den späteren Johannes den Täufer. Als Maria das Haus betritt, ruft Elisabet voller Freude aus, dass Maria gesegnet ist unter allen Frauen und ebenso das Kind, das sie trägt (Lk 1,42):

„Gebenedeit bist du unter den Weibern, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes!“ (Lk 1,42, Luther 1912)

Wer das Ave Maria betet, spricht also nicht zuerst eigene Worte. Man wiederholt, was ein Engel und eine schwangere Frau vor rund 2000 Jahren zu Maria gesagt haben. Der Katechismus formuliert es so: Gott selbst grüßt Maria durch seinen Engel, und unser Gebet wagt es, diesen Gruß aufzunehmen (KKK 2676).

Wie ist das Ave Maria entstanden?

Das Gebet ist über mehr als tausend Jahre gewachsen. Erst gab es nur die biblischen Grüße, dann kam der Name Jesus dazu, ganz zuletzt die Bitte. Seine feste lateinische Form hat es seit 1568.

  1. um 80 bis 90Das Lukasevangelium wird aufgeschrieben, mit dem Gruß des Engels und dem Gruß Elisabets.
  2. 431Das Konzil von Ephesus bestätigt für Maria den Titel „Gottesgebärerin“ (Theotokos).
  3. 6. JahrhundertIn der Ostkirche werden die beiden Grußworte bereits miteinander verbunden.
  4. 11. JahrhundertIm Westen wird der Gruß als Antiphon im Marienoffizium gebetet und wird zum Gebet des Volkes.
  5. um 1200Mehrere Synoden verlangen, dass Christen neben Glaubensbekenntnis und Vaterunser auch das Ave Maria kennen.
  6. 14. und 15. JahrhundertDie Bitte „Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns …“ verbreitet sich, zunächst in verschiedenen Fassungen.
  7. 1568Papst Pius V. nimmt das vollständige Gebet ins Römische Brevier auf. Seitdem ist der Wortlaut fest.

Vieles an dieser Geschichte lässt sich nicht auf das Jahr genau datieren. Klar ist aber die Richtung: Zuerst war das Ave Maria reines Lob. Die Bitte kam erst im Spätmittelalter dazu, in einer Zeit, in der Pest und Krieg den Tod sehr nah machten. Vor der offiziellen Festlegung wurde sie nur vereinzelt gesprochen, zum Beispiel vom Prediger Bernhardin von Siena, und in verschiedenen Fassungen. Gedruckt erscheint die heutige Form der Bitte zum ersten Mal 1495, in einer Auslegung des Ave Maria von Girolamo Savonarola.

Dass das Gebet dann so schnell überall bekannt wurde, hängt mit dem Rosenkranz zusammen. Wer zehnmal hintereinander dasselbe Gebet spricht, lernt es zwangsläufig auswendig. So wurde das Ave Maria neben dem Vaterunser und dem Glaubensbekenntnis zu einem der drei Gebete, die katholische Christen seit Jahrhunderten als Grundwissen lernen.

Was bedeutet das Ave Maria? Zeile für Zeile

Jede Zeile hat ihr eigenes Gewicht. Wer sie einmal in Ruhe durchgeht, betet das Gebet danach anders.

„Gegrüßet seist du, Maria“

Das griechische Wort, das im Evangelium steht, heißt eigentlich „Freue dich“. Der Katechismus weist ausdrücklich darauf hin (KKK 2676). Es ist also kein förmliches „Guten Tag“, sondern eine Einladung zur Freude. Der Engel bringt eine gute Nachricht, und das erste Wort sagt das schon.

„voll der Gnade“

Gnade heißt: Gottes Zuwendung, die man sich nicht verdienen kann. Maria ist nicht deshalb besonders, weil sie mehr geleistet hat als andere. Sie ist ganz erfüllt von Gottes Nähe. Martin Luther hat hier „Holdselige“ übersetzt, also: die, der Gott seine Huld schenkt. Beide Übersetzungen meinen dasselbe Geschenk.

„der Herr ist mit dir“

Dieser Satz erklärt den vorigen. Maria ist voll der Gnade, weil der Herr mit ihr ist (KKK 2676). Den Satz kennst du vielleicht aus dem Gottesdienst, wo er in leicht veränderter Form als Gruß vorkommt. In der Bibel sagt Gott ihn oft zu Menschen, bevor sie etwas Großes wagen sollen. Er ist eine Zusage, keine Floskel.

„Du bist gebenedeit unter den Frauen“

Hier beginnen die Worte Elisabets. „Gebenedeit“ kommt vom lateinischen „benedicere“, wörtlich „gut sagen“, daraus wurde „segnen“ und „preisen“. Das Wort klingt alt, weil es alt ist. Heute würde man sagen: Du bist gesegnet wie keine andere Frau. Elisabet begründet das kurz darauf selbst: Maria ist selig, weil sie geglaubt hat (Lk 1,45).

„und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus“

„Frucht deines Leibes“ ist eine biblische Umschreibung für das Kind, das Maria erwartet. Mit dem Namen Jesus erreicht das Gebet seinen Mittelpunkt. Der Katechismus sagt, der Name Jesu sei das Herz des christlichen Betens, und nennt dabei ausdrücklich das Ave Maria (KKK 435). Das ist wichtig: Das bekannteste Mariengebet kreist um Jesus.

„Heilige Maria, Mutter Gottes“

Jetzt spricht der Betende selbst. „Mutter Gottes“ klingt für viele übertrieben. Gemeint ist aber vor allem eine Aussage über Jesus: Wenn er wirklich Gott und wirklich Mensch ist, dann ist seine Mutter auch die Mutter Gottes (KKK 495). Die Kirche hat diesen Titel schon im Jahr 431 bestätigt.

„bitte für uns Sünder“

Diese Zeile ist die ehrlichste im ganzen Gebet. Man stellt sich nicht besser dar, als man ist. Man sagt einfach: Ich brauche Hilfe. Und man bittet Maria nicht, selbst etwas zu bewirken, sondern für einen zu beten. So, wie du einen Freund bitten würdest, an dich zu denken, wenn es schwer wird.

„jetzt und in der Stunde unseres Todes“

Zwei Zeitpunkte, mehr nicht. Das Jetzt, mit allem, was heute ansteht: die Prüfung, der Streit, die Frage, wie es weitergeht. Und der Tod, an den man mit 20 selten denkt. Der Katechismus erinnert daran, dass Maria beim Sterben ihres Sohnes unter dem Kreuz stand (KKK 2677). Die Bitte heißt: Sei auch bei mir, wenn es so weit ist.

Man muss den Tod nicht ständig vor Augen haben. Aber wer ihn ganz ausblendet, lebt nicht freier, nur unvorbereiteter.

„Amen“

Das hebräische Amen heißt so viel wie „So ist es“ oder „So soll es sein“. Damit machst du dir das Gebet zu eigen.

Beten Katholiken Maria an?

Nein. Anbetung gilt nach katholischer Lehre allein Gott. Maria wird verehrt, und diese Verehrung unterscheidet sich wesentlich von der Anbetung, die nur dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist gebührt (KKK 971).

Das ist mehr als Wortklauberei. Im Ave Maria wird Maria gegrüßt und um ihr Gebet gebeten, so wie man Freunde um ihr Gebet bittet. Der Katechismus sagt, Maria verstelle den Weg zu Jesus nicht, sie zeige ihn (KKK 2674). Jesus bleibt der einzige Mittler. Warum Christen überhaupt Heilige um ihre Fürsprache bitten, erklären wir in einem eigenen Text dazu, warum wir zu Heiligen beten. Wer Maria besser kennenlernen will, findet mehr unter Maria, die Mutter Jesu.

Ave Maria im Rosenkranz und im Engel des Herrn

Das Ave Maria wird selten allein gebetet. Meistens steht es in einem größeren Gebet, am häufigsten im Rosenkranz und im Engel des Herrn.

Im Rosenkranz sprichst du das Ave Maria zehnmal hintereinander, während du an eine Szene aus dem Leben Jesu denkst. Im deutschen Sprachraum gibt es dabei eine Besonderheit: Nach dem Namen Jesus wird ein kurzer Satz eingefügt, zum Beispiel „den du, o Jungfrau, vom Heiligen Geist empfangen hast“. So wird jedes Ave Maria zu einer kleinen Betrachtung. Wie das genau geht, welche Einfügungen es gibt und wie die Kette aufgebaut ist, erklärt unser Artikel Was ist der Rosenkranz? Schritt für Schritt.

Der Engel des Herrn ist kürzer. Er erzählt in drei Versen, wie Gott Mensch geworden ist, und nach jedem Vers folgt ein Ave Maria. In vielen Orten läuten die Kirchenglocken dazu morgens, mittags und abends. Wenn du um 12 Uhr eine Kirchenglocke hörst, ist das oft genau dieses Läuten.

Dazu kommt das ganz persönliche Gebet. Viele sprechen ein einzelnes Ave Maria vor einer Prüfung, auf dem Weg ins Krankenhaus oder abends vor dem Einschlafen, oft zusammen mit dem Kreuzzeichen. Es ist kurz genug, um es in jedem Moment zu beten, und fest genug, um auch dann zu tragen, wenn einem eigene Worte fehlen.

Wie sehen evangelische und orthodoxe Christen das Ave Maria?

Die Ostkirchen beten eine eigene Form. In der orthodoxen Kirche beginnt das Mariengebet mit „Gottesgebärerin und Jungfrau, freue dich“. Es verbindet ebenfalls die Worte Gabriels und Elisabets, hat aber keinen Bittteil wie die westliche Fassung. Der Katechismus betont, dass die Überlieferung des Mariengebets in Ost und West im Grunde die gleiche geblieben ist (KKK 2678).

In der evangelischen Kirche ist das anders. Martin Luther hat Maria sehr geschätzt und den ersten Teil des Ave Maria als biblisches Lob behalten. In seinem Betbüchlein von 1522 schreibt er aber, darin stehe kein Gebet, sondern nur Lob und Ehre. Man solle es als Betrachtung verwenden, nicht als Anrufung Marias. Den späteren Bittteil lehnte die Reformation ab, weil evangelische Christen im Gebet direkt Gott ansprechen.

Hier liegt ein echter Unterschied, und er muss nicht kleingeredet werden. In der Ökumene ist aber viel gewachsen. Die biblischen Worte des ersten Teils gehören allen Christen. Viele evangelische Chöre singen das Ave Maria, und Komponisten wie Heinrich Schütz haben den Engelsgruß auch nach Luthers Übersetzung vertont.

Ave Maria von Schubert und Gounod: Lied oder Gebet?

Wenn jemand „Ave Maria“ sagt, meint er oft kein Gebet, sondern ein Musikstück. Die beiden bekanntesten sind das Ave Maria von Franz Schubert und das von Bach und Gounod.

Schuberts Lied entstand 1825 und heißt eigentlich „Ellens dritter Gesang“ (D 839). Der Text stammt aus einer Verserzählung des schottischen Dichters Walter Scott, übersetzt von Adam Storck. Darin betet die junge Ellen in einer Höhle zu Maria um Schutz. Es ist ein romantisches Lied, das mit den Worten „Ave Maria“ beginnt, aber nicht den Gebetstext hat. Erst später hat man den lateinischen Wortlaut des Gebets auf Schuberts Melodie gesetzt. In dieser Form hört man es heute oft bei Trauungen und Beerdigungen.

Das zweite Stück hat eine ungewöhnliche Geschichte. Der Franzose Charles Gounod nahm das Präludium in C-Dur aus Johann Sebastian Bachs Wohltemperiertem Klavier und legte eine eigene Melodie darüber. Später unterlegte er sie mit dem lateinischen Text des Ave Maria. Bach selbst hat also nie ein Ave Maria geschrieben.

Dazu kommen Vertonungen von Mendelssohn, Brahms, Bruckner und vielen anderen. Die Musik ist schön. Aber das Gebet braucht sie nicht. Du kannst das Ave Maria leise im Bus sprechen, und es ist genauso vollständig.

Maria in Thüringen: wo das Gebet zu Hause ist

Auch in Thüringen, wo die meisten Menschen keiner Kirche angehören, gibt es Orte, an denen das Ave Maria seit Jahrhunderten gebetet wird.

Die bekannteste Kirche ist Maria selbst gewidmet: der Erfurter Dom St. Marien, heute die Bischofskirche des Bistums Erfurt. Wer dort sitzt, sitzt in einer Kirche, deren Name schon ein kleines Ave Maria ist.

Im katholisch geprägten Eichsfeld gibt es mehrere Wallfahrtsorte, die mit Maria verbunden sind. Einer davon ist die Kapelle in Etzelsbach, wo Menschen seit Langem zum Gnadenbild der schmerzhaften Mutter pilgern. Am 23. September 2011 feierte Papst Benedikt XVI. dort eine Marienvesper, ein Abendgebet zu Ehren Marias.

Und im Kirchenjahr gibt es Tage, an denen Maria im Mittelpunkt steht. Der bekannteste im Sommer ist Mariä Himmelfahrt am 15. August, in vielen Gemeinden mit Kräuterweihe. Der Mai und der Oktober gelten traditionell als Monate, in denen besonders viel zu Maria gebetet wird, der Oktober vor allem mit dem Rosenkranz.

So betest du das Ave Maria

Du brauchst keinen besonderen Ort und keine Vorkenntnisse. Wenn du das Ave Maria ausprobieren willst, reicht ein ruhiger Moment von einer Minute.

  1. AnkommenSetz dich hin oder bleib stehen, wo du gerade bist. Atme ein paar Mal ruhig durch. Wenn du magst, beginne mit dem Kreuzzeichen.
  2. Langsam sprechenSag den Text laut oder leise, Zeile für Zeile. Lies ihn am Anfang ruhig ab. Es geht nicht um Tempo.
  3. Bei einem Wort bleibenSuch dir eine Zeile aus, die dich heute anspricht, zum Beispiel „der Herr ist mit dir“ oder „jetzt“. Sprich sie ein zweites Mal und lass sie wirken.
  4. Ein Anliegen mitgebenBei „bitte für uns“ darfst du jemanden konkret nennen: einen Freund vor einer Prüfung, jemanden, der krank ist, dich selbst.
  5. WiederholenWenn es dir guttut, bete drei Ave Maria hintereinander. Die Wiederholung soll nicht abhaken, sondern ruhig machen.

Vielleicht fühlt sich das beim ersten Mal fremd an. Das ist normal. Ein Gebet, das Menschen seit Jahrhunderten sprechen, muss nicht sofort passen. Es wächst, wenn man es benutzt. Mehr darüber, wie Beten überhaupt funktioniert, findest du unter Beten lernen.

Das Ave Maria ist ein Gebet für Momente, in denen dir die eigenen Worte fehlen. Du musst nicht alles verstehen oder glauben, um anzufangen. Fang mit einem einzigen Ave Maria an, heute Abend, und schau, was es mit dir macht.

Häufige Fragen

Wie viele Ave Maria hat ein Rosenkranz?

Ein ganzer Rosenkranz hat 53 Ave Maria. Fünfzig davon verteilen sich auf die fünf Gesätze, jeweils zehn hintereinander. Drei weitere betest du am Anfang, auf dem kurzen Stück der Kette, meist mit den Bitten um Glaube, Hoffnung und Liebe. Wer nur ein einzelnes Gesätz betet, kommt auf zehn Ave Maria, eingerahmt von einem Vaterunser und einem Ehre sei dem Vater.

Heißt es „unter den Frauen“ oder „unter den Weibern“?

Heute heißt es „Du bist gebenedeit unter den Frauen“. Ältere Fassungen sagten „unter den Weibern“, und manche Großeltern beten noch so. Das Wort „Weib“ war früher kein abwertender Ausdruck, sondern einfach das normale Wort für Frau. So steht es auch in der Lutherbibel. Weil es heute anders klingt, wurde der Gebetstext angepasst. Gemeint ist in beiden Fassungen genau dasselbe.

Dürfen evangelische Christen das Ave Maria beten?

Niemand verbietet es. Die Worte aus dem ersten Teil stehen in der Bibel, und viele evangelische Christen sprechen oder singen sie ohne Probleme mit. Schwieriger ist für die meisten der zweite Teil, die Bitte „Heilige Maria, bitte für uns“. Evangelische Theologie wendet sich im Gebet direkt an Gott und nicht an Heilige. Wer evangelisch ist und mitbetet, kann deshalb beim Lobpreis mitsprechen und beim Bittteil still bleiben.

Warum heißt Maria im Ave Maria „Mutter Gottes“?

Weil Jesus nach christlichem Glauben wirklich Mensch und wirklich Gott ist. Wer die Mutter dieses Menschen ist, ist deshalb auch die Mutter Gottes. Das Konzil von Ephesus hat im Jahr 431 den Titel „Gottesgebärerin“ bestätigt, griechisch Theotokos (KKK 495). Der Titel sagt vor allem etwas über Jesus aus. Maria ist nicht die Mutter der Dreifaltigkeit oder eine Göttin, sondern die Mutter des Sohnes Gottes, der Mensch geworden ist.

Was ist der Unterschied zwischen Ave Maria und Engel des Herrn?

Das Ave Maria ist ein einzelnes kurzes Gebet. Der Engel des Herrn ist ein längeres Gebet, in das das Ave Maria eingebaut ist. Er erzählt in drei kurzen Versen die Verkündigung und die Menschwerdung Jesu, nach jedem Vers folgt ein Ave Maria. Traditionell betet man den Engel des Herrn morgens, mittags und abends, wenn die Kirchenglocken dazu läuten.

Welches Ave Maria wird bei Hochzeiten und Beerdigungen gesungen?

Meist eines von zwei Stücken: das Ave Maria von Franz Schubert oder das von Bach und Gounod. Schuberts Lied von 1825 hatte ursprünglich einen deutschen Text nach Walter Scott, heute wird oft der lateinische Gebetstext darauf gesungen. Gounod hat über Bachs Präludium in C-Dur eine eigene Melodie gelegt. Ob ein Stück im Gottesdienst passt, besprichst du am besten mit der Pfarrei, die die Feier gestaltet.

Wie lerne ich das Ave Maria auswendig?

Teil es in drei Stücke: den Gruß des Engels bis „der Herr ist mit dir“, den Gruß Elisabets bis „Jesus“ und die Bitte ab „Heilige Maria“. Lern jeden Tag ein Stück dazu und sprich die Zeilen laut, am besten bei einer Routine wie dem Zähneputzen. Nach einer Woche sitzt das Gebet meist. Wer die Bibelszene dahinter kennt, merkt sich die Reihenfolge leichter, weil sie eine kleine Geschichte erzählt.

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