
Kirche & Gemeinschaft

Kurz erklärt
Ein Kaplan ist ein katholischer Priester, der einen Pfarrer in der Seelsorge unterstützt, meist in den ersten Jahren nach der Priesterweihe. Er leitet selbst keine Pfarrei.
Ein Kaplan ist ein katholischer Priester, der einem Pfarrer in der Seelsorge zur Seite steht. Meist ist er jung und in seinen ersten Jahren nach der Priesterweihe. Er feiert Gottesdienste, hört Beichte, begleitet Jugendliche und lernt im Alltag einer Pfarrei, was es heißt, Seelsorger zu sein. Eine eigene Pfarrei leitet er nicht.
Woher kommt das Wort Kaplan?
Das Wort hat eine überraschende Geschichte, und sie beginnt mit einem Mantel. Die fränkischen Könige bewahrten einen Mantel auf, den sie für den Umhang des heiligen Martin hielten, lateinisch cappa. Der Raum, in dem diese Reliquie lag, hieß capella, daher unser Wort Kapelle. Der Geistliche, der dort Dienst tat, hieß capellanus: der Kaplan.
Vielleicht kennst du Martin aus dem Laternenumzug: den Soldaten, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt. Wer er war und was aus seinem Mantel wurde, erzählt der Artikel über Sankt Martin. Im Wort Kaplan lebt diese Geschichte bis heute weiter.
Was ein Kaplan heute tut
Im Kirchenrecht heißt der Kaplan Pfarrvikar. Ein Bischof kann ihn einem Pfarrer an die Seite stellen, wenn die Seelsorge in einer Pfarrei das braucht (CIC can. 545). Gültig ernannt werden kann nur, wer Priester ist (can. 546).
Typische Aufgaben:
- die Heilige Messe feiern, taufen, trauen, beerdigen,
- in der Beichte Menschen zuhören und lossprechen,
- Jugendarbeit, Ministranten, Firmvorbereitung,
- Religionsunterricht in Schulen,
- Besuche bei Kranken und alten Menschen.
Die Kaplanszeit ist so etwas wie die erste Zeit im Beruf nach der Ausbildung. Der Kaplan arbeitet voll mit, aber die Verantwortung trägt der Pfarrer. So lernt er, eine Gemeinde zu begleiten, bevor er selbst eine leitet.
Kaplan, Pfarrer, Diakon: Wo ist der Unterschied?
Kaplan und Pfarrer sind beide Priester. Der Pfarrer leitet die Pfarrei, der Kaplan arbeitet unter seiner Verantwortung mit. Ein Diakon hat dagegen die erste Stufe der Weihe empfangen, nicht die Priesterweihe. Er darf taufen, trauen und predigen, aber keine Messe feiern und keine Beichte hören.
Das Wort Kaplan wird auch für Priester mit einer besonderen Aufgabe gebraucht, etwa Jugendkaplan, Krankenhauskaplan oder Studentenkaplan in der Hochschulseelsorge.
In der evangelischen Kirche gibt es keine Kapläne. Die Ausbildungszeit nach dem Studium heißt dort Vikariat.
Kapläne in Thüringen
Im Bistum Erfurt gibt es wie fast überall in Deutschland immer weniger Neupriester. Kapläne sind deshalb seltener geworden als früher. Wo es einen gibt, ist er oft der erste Ansprechpartner für junge Leute in einer Gemeinde.
Kapläne sind oft nur wenige Jahre älter als du. Wenn du eine Frage zum Glauben hast, die du dem Pfarrer nicht stellen magst, ist der Kaplan ein guter Anfang.
Häufige Fragen
Ist ein Kaplan ein Priester?
Ja. Ein Kaplan hat die Priesterweihe empfangen. Er darf deshalb alles, was ein Priester darf: die Messe feiern, die Beichte hören und die Krankensalbung spenden. Das Kirchenrecht schreibt ausdrücklich vor, dass nur ein geweihter Priester als Pfarrvikar, also als Kaplan in einer Pfarrei, eingesetzt werden kann. Der Unterschied zum Pfarrer liegt in der Leitung, nicht in der Weihe.
Wie lange ist man Kaplan?
Das ist nicht allgemein festgelegt. Die Kaplanszeit dauert meist einige Jahre, oft in mehr als einer Pfarrei, damit der junge Priester verschiedene Gemeinden kennenlernt. Danach wird er in der Regel selbst Pfarrer oder übernimmt eine andere Aufgabe im Bistum. Weil es heute weniger Priester gibt, fällt die Kaplanszeit vielerorts kürzer aus als früher. Genaue Regeln legt jedes Bistum selbst fest.
Wie spricht man einen Kaplan an?
Üblich ist „Herr Kaplan“, oft mit Nachnamen. Viele Kapläne sind jung und stellen sich selbst mit Vornamen vor, dann darfst du dabei bleiben. Gehört der Kaplan einem Orden an, sagt man meist „Pater“. In Bayern oder Österreich hört man für dieselbe Aufgabe manchmal auch „Kooperator“, in einigen Bistümern „Vikar“.

Die Runde
Allein grübelnmuss niemand.
In der Runde redest du mit jungen Leuten aus Thüringen weiter. Mitlesen ist okay, Fragen sind willkommen.








