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Beten & Praxis

Gemaltes Motiv zum Begriff Was ist ein Psalm?

Kurz erklärt

Ein Psalm ist eines der 150 Gebete und Lieder aus dem Buch der Psalmen im Alten Testament. Juden und Christen beten sie bis heute.

Ein Psalm ist ein Gebet oder Lied aus dem Buch der Psalmen, einem Buch des Alten Testaments. Es enthält 150 Psalmen. Sie loben Gott, danken ihm, klagen vor ihm und bitten ihn um Hilfe. Juden beten sie seit weit über zweitausend Jahren, Christen seit Beginn der Kirche. Wohl kein anderes Buch der Bibel wird so oft gebetet.

Woher kommt das Wort Psalm?

„Psalm“ kommt vom griechischen „psalmos“. Das bedeutet Saitenspiel oder Lied, abgeleitet von einem Wort für das Zupfen von Saiten. Psalmen waren also ursprünglich Lieder, die mit Instrumenten begleitet wurden. Der hebräische Name des Buchs lautet „Tehillim“, auf Deutsch „Lobgesänge“. Die ganze Sammlung heißt auch Psalter.

Die Psalmen entstanden über viele Jahrhunderte. Etwa die Hälfte nennt in der Überschrift König David. Ob er sie alle selbst geschrieben hat, ist unter Fachleuten umstritten. Die Sammlung wurde nach und nach in fünf Teile gegliedert (KKK 2585).

Welche Arten von Psalmen gibt es?

Die Psalmen umfassen fast jede menschliche Lage. Der Katechismus nennt Lob-, Klage- und Danklieder, Bitten, Königs- und Wallfahrtslieder und Weisheitstexte (KKK 2588).

Besonders wichtig sind die Klagepsalmen. Darin wird nichts beschönigt. Menschen fragen, warum Gott so fern ist, und klagen über Feinde, Krankheit und Einsamkeit. Jesus selbst betete am Kreuz den Anfang von Psalm 22 und rief, warum Gott ihn verlassen habe (Mk 15,34).

Andere Psalmen jubeln. Das Wort Halleluja, „Lobt Gott“, kommt in ihnen immer wieder vor.

Wie beten Christen heute Psalmen?

Psalmen sind bis heute das Rückgrat des kirchlichen Gebets. Du begegnest ihnen an mehreren Stellen:

  • In der Messe: Nach der ersten Lesung wird ein Antwortpsalm gesungen oder gesprochen. Die Gemeinde antwortet mit einem Kehrvers. Wie die Messe insgesamt abläuft, steht bei der Heiligen Messe.
  • Im Stundengebet: Priester, Ordensleute und viele Laien beten jeden Tag Psalmen, zum Beispiel im Abendgebet, der Vesper. Über vier Wochen verteilt kommen dabei die meisten Psalmen vor.
  • Im Gesangbuch: Im Gotteslob stehen zahlreiche Psalmen zum Singen und Beten.
  • Im persönlichen Gebet: Viele lesen einen Psalm am Morgen oder Abend. Mehr Anregungen dazu findest du beim Beten lernen.

Der Katechismus sagt, dass im Buch der Psalmen das Wort Gottes zum Gebet des Menschen wird (KKK 2587). Das heißt: Du leihst dir Worte, die schon Millionen Menschen vor dir getragen haben.

Wenn dir selbst die Worte fehlen, schlag einen Psalm auf. Lies ihn langsam, einmal reicht. Du wirst merken, dass jemand vor mehr als zweitausend Jahren schon genau das gefühlt hat, was dich heute bewegt.

Häufige Fragen

Welcher Psalm ist der bekannteste?

Der bekannteste ist wohl Psalm 23, der mit dem Bild vom guten Hirten beginnt. In der Lutherbibel von 1912 heißt der erste Vers: „Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.“ Der Psalm spricht von Vertrauen, auch im finsteren Tal. Deshalb wird er oft bei Beerdigungen, am Krankenbett und in schweren Zeiten gebetet.

Warum haben Psalmen manchmal zwei verschiedene Nummern?

Die hebräische Bibel und die alte griechische Übersetzung zählen die Psalmen unterschiedlich, weil sie einige Psalmen anders teilen oder zusammenfassen. Psalm 23 heißt in der griechischen und lateinischen Zählung Psalm 22. Heutige deutsche Bibeln folgen meist der hebräischen Zählung. In älteren katholischen Büchern kann die andere Nummer stehen.

Darf man in Psalmen auch klagen und wütend sein?

Ja, und genau das macht die Psalmen so ehrlich. Viele sind Klagepsalmen. Menschen schreien darin ihre Angst, ihre Einsamkeit und ihre Wut vor Gott hinaus. Sie fragen, warum Gott schweigt. Die Bibel zeigt damit: Du musst vor Gott nichts schönreden. Auch ein Gebet voller Fragen ist ein Gebet.

Die Runde

Allein grübelnmuss niemand.

In der Runde redest du mit jungen Leuten aus Thüringen weiter. Mitlesen ist okay, Fragen sind willkommen.