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Heilige

14 Min. LesezeitStand: 8 Quellen

Kurz beantwortet

Bonifatius war ein Mönch aus England, der im 8. Jahrhundert in Hessen, Thüringen und Bayern missionierte und die Kirche dort neu ordnete. Er gründete um 725 das erste Kloster Thüringens in Ohrdruf und 742 das Bistum Erfurt. Am 5. Juni 754 wurde er in Friesland erschlagen. Sein Grab liegt im Dom von Fulda.

Steckbrief

NameBonifatius, eigentlich Wynfreth (Winfried)
Lebteum 673 bis 5. Juni 754 (manche Forscher: 755)
Geborenwahrscheinlich in Crediton, Wessex (Südwestengland)
Gestorbenbei Dokkum in Friesland (heute Niederlande), als Märtyrer erschlagen
GrabBonifatiusgruft im Dom zu Fulda
Gedenktag5. Juni (2026: Freitag, 2027: Samstag), im deutschen Sprachgebiet ein Fest
Liturgische FarbeRot
Patronu. a. der Bistümer Fulda und Erfurt (Mitpatron), der Bierbrauer und Schneider
Bekannt fürDonareiche bei Geismar, Kloster Fulda, Bistumsgründungen wie Erfurt 742
Inhalt

Wer durch Thüringen fährt, begegnet ihm öfter, als man denkt. Im Stadtwappen von Bad Salzungen steht er im Bischofsgewand, in Bad Langensalza trägt die große Marktkirche seinen Namen, und mit einem Brief von ihm beginnt die schriftliche Geschichte Erfurts. Die Rede ist von Bonifatius, einem Mönch aus England, der vor rund 1.300 Jahren hierherkam.

Bonifatius gilt als „Apostel der Deutschen“. Er fällte die berühmte Donareiche, gründete Klöster und Bistümer und starb mit etwa 80 Jahren als Märtyrer. Hier liest du, was man über sein Leben sicher weiß, was er in Thüringen getan hat, wo du ihm heute noch begegnest und warum man ihn auch kritisch sehen kann.

Wer war Bonifatius?

Bonifatius war ein angelsächsischer Mönch, Missionar und Bischof, der im 8. Jahrhundert die Kirche im Osten des Frankenreichs aufbaute. Über ihn weiß man ungewöhnlich viel, weil 37 seiner eigenen Briefe erhalten sind und ein Mainzer Priester namens Willibald wenige Jahre nach seinem Tod sein Leben aufschrieb.

Geboren wurde er um 673 in Wessex im Südwesten Englands, wahrscheinlich in Crediton. Sein Taufname war Wynfreth, heute meist Winfried geschrieben. Schon als Kind kam er ins Kloster, erst nach Exeter, dann nach Nursling bei Southampton. Mit etwa 30 Jahren wurde er Priester.

Winfried war ein kluger Kopf. Er unterrichtete Latein, schrieb eine lateinische Grammatik, eine Anleitung zum Dichten und Rätsel in Versform. Eine ruhige Laufbahn als Gelehrter lag vor ihm. Mit über 40 Jahren ließ er sie hinter sich.

  1. um 673Geboren in Wessex, wahrscheinlich in Crediton. Er heißt Wynfreth.
  2. 716Erster Versuch, die Friesen zu missionieren. Er scheitert und kehrt nach England zurück.
  3. 15. Mai 719Papst Gregor II. gibt ihm in Rom den Auftrag zur Mission und den Namen Bonifatius. Auf dem Rückweg ist er kurz in Thüringen.
  4. 30. November 722In Rom zum Bischof geweiht, noch ohne festen Sitz.
  5. 723Er fällt die Donareiche bei Geismar in Hessen.
  6. um 725In Ohrdruf entsteht das erste nachweisbare Kloster Thüringens.
  7. 732Papst Gregor III. ernennt ihn zum Erzbischof.
  8. 21. Oktober 741In Sülzenbrücken bei Arnstadt weiht er Willibald zum Bischof.
  9. 742Er gründet die Bistümer Würzburg, Büraburg und Erfurt.
  10. 744Sein Schüler Sturmi gründet in seinem Auftrag das Kloster Fulda.
  11. 746Bonifatius wird Bischof von Mainz.
  12. 5. Juni 754Er wird bei Dokkum in Friesland erschlagen, zusammen mit seinen Begleitern.

Warum heißt Bonifatius „Apostel der Deutschen“?

Weil er in weiten Teilen des heutigen Deutschlands die Kirche so geordnet hat, dass sie Bestand hatte. Den Ehrentitel trägt er seit dem 16. Jahrhundert. Richtig bekannt wurde er im 19. Jahrhundert, als man in ganz Deutschland nach nationalen Helden suchte.

Der Titel kann in die Irre führen. Bonifatius war nicht der Erste, der hier vom Christentum erzählte. Vor ihm waren schon irische und angelsächsische Missionare unterwegs, etwa Kilian in Würzburg und Willibrord, der auch in Thüringen wirkte. Als Bonifatius kam, gab es vielerorts Getaufte. Oft lebten sie aber einen Glauben, der sich mit alten Bräuchen vermischt hatte, und es fehlten Priester, Klöster und eine klare Ordnung.

Seine eigentliche Leistung war deshalb die Organisation. Er gründete Klöster als Stützpunkte, setzte Bischöfe ein, zog Grenzen für Bistümer und hielt Versammlungen ab, auf denen Regeln für Priester und Gemeinden beschlossen wurden. Dabei band er alles eng an den Papst in Rom. Das war ihm ein Herzensanliegen, und es prägt die katholische Kirche in Deutschland bis heute. Mehr zur Rolle des Papstes erklärt der Glossar-Eintrag zum Papsttum.

Und „Deutsche“ im heutigen Sinn gab es damals noch nicht. Bonifatius war bei Hessen, Thüringern, Franken und Bayern unterwegs.

Die Donareiche bei Geismar

Die bekannteste Geschichte über Bonifatius ist die Fällung der Donareiche im Jahr 723. Er ließ bei Geismar, heute ein Stadtteil von Fritzlar in Nordhessen, eine riesige Eiche fällen, die dem Gewittergott Donar geweiht war.

So erzählt es Willibald, sein erster Biograf, um 760. Die Eiche war ein wichtiges Heiligtum der Chatten, eines germanischen Stammes. Viele Menschen standen dabei und warteten darauf, dass Donar den Frevler mit einem Blitz bestraft. Es geschah nichts. Das beeindruckte die Umstehenden so sehr, dass sich viele taufen ließen. Aus dem Holz ließ Bonifatius ein kleines Bethaus bauen, das dem Apostel Petrus geweiht war. Daraus entstanden später Kloster und Stadt Fritzlar.

Zwei Dinge gehören zur ehrlichen Erzählung dazu. Willibald schrieb rund 40 Jahre später und wollte seinen Helden groß zeigen. Und Bonifatius stand nicht allein unter dem Baum: Er hatte einen Schutzbrief des fränkischen Herrschers Karl Martell, und fränkische Soldaten waren in der Nähe. Die Tat war mutig. Ein Risiko auf Leben und Tod war sie wohl nicht.

Warum die Eiche nicht im Eichsfeld stand

Im Eichsfeld wird bis heute erzählt, Bonifatius habe auf dem Hülfensberg einen Götzen namens Stuffo gestürzt. Der Grund für die Verwechslung ist ein Name: Am Fuß des Hülfensbergs liegt ebenfalls ein Ort namens Geismar. Historisch lässt sich die Sage nicht halten. Die Stuffo-Sage ist erst Jahrhunderte nach Bonifatius überliefert, und einen Gott dieses Namens halten die meisten Forscher für eine spätere Erfindung. Was es mit der Sage und der Wallfahrt auf sich hat, steht in unserem Porträt über den Hülfensberg.

Bonifatius in Thüringen

Thüringen war für Bonifatius kein Nebenschauplatz. Schon auf dem Rückweg aus Rom 719 kam er hierher. Um 725 machte er das Land zu einem Schwerpunkt seiner Arbeit, und 742 bekam es mit Erfurt ein eigenes Bistum.

Er fand hier ein Land vor, in dem das Christentum schon angekommen war, aber kaum Wurzeln hatte. Manche Adlige waren getauft und opferten trotzdem noch den alten Göttern. Bonifatius wollte beides trennen, und er wollte feste Orte schaffen, an denen der Glaube gelernt und gelebt werden konnte.

Ohrdruf: das erste Kloster Thüringens

Um 725 gründete Bonifatius in Ohrdruf, nördlich des Thüringer Waldes, eine kleine Klostergemeinschaft mit einer Kirche des Erzengels Michael. Es ist das erste Kloster Thüringens, das sich nachweisen lässt. Als Abt setzte er Wigbert ein, einen Mönch aus England, der hier auch eine Schule aufbaute. Später lebte in Ohrdruf die Engländerin Gunthildis, eine Verwandte von Bonifatius' Nachfolger Lul.

Von der alten Michaeliskirche ist nur der Turm geblieben. Die Kirche wurde im Februar 1945 bei einem Luftangriff zerstört, der Turm bis 1999 wieder aufgebaut. In seinem Erdgeschoss wird heute an Bonifatius erinnert. Der Erzengel Michael steht bis heute im Wappen der Stadt.

Altenbergen und der Candelaber

Oberhalb von Altenbergen bei Georgenthal soll Bonifatius 724 die erste Taufkirche Thüringens gegründet haben, die Johanniskirche. Das berichtet allerdings erst der Chronist Johannes Rothe um 1430. Zeitgenössische Belege gibt es nicht. Sicher ist, dass in dieser Kirche 1042 Ludwig der Springer getauft wurde, der später die Wartburg baute.

Als die Kirche verfallen war, stifteten Menschen aus der Umgebung ein Denkmal. Der sogenannte Candelaber wurde 1811 eingeweiht. Er sieht aus wie ein riesiger Kirchenleuchter. Die drei Flammen an der Spitze stehen für drei Konfessionen. Das Geld dafür kam aus Dörfern und Städten weit über die Region hinaus. Bis heute feiern Christen dort jedes Jahr am Pfingstmontag einen Gottesdienst.

Sülzenbrücken: eine Bischofsweihe auf dem Dorf

Ein kleines Dorf zwischen Arnstadt und Erfurt spielt in der Geschichte eine überraschend große Rolle. In Sülzenbrücken weihte Bonifatius am 21. Oktober 741 seinen Verwandten Willibald zum Bischof. Willibald ging danach nach Eichstätt und baute dort ein Bistum auf.

Erfurt 742: ein Bistum auf dem Domberg

742 schrieb Bonifatius an Papst Zacharias und bat ihn, drei neue Bistümer zu bestätigen. Eines davon lag, so schreibt er, an einem Ort namens „Erphesfurt“, einer alten befestigten Siedlung. Dieser Brief ist die älteste bekannte schriftliche Erwähnung Erfurts. Die Stadt zählt ihre Geschichte deshalb ab 742.

Das Bistum reichte vom Thüringer Wald bis an den Harz und vom Eichsfeld bis an Saale und Unstrut. Bischofskirche war eine Marienkirche an der Stelle des heutigen Erfurter Doms. Lange hielt die Gründung nicht. Um 755 wurde das Bistum aufgelöst und dem Bistum Mainz zugeschlagen. Zu Mainz gehörte Erfurt danach rund 1.000 Jahre lang.

Wer der Bischof von Erfurt war, ist nicht sicher belegt. Die Erfurter Tradition verehrt Adalar als ersten und einzigen Bischof, der zusammen mit Bonifatius starb. Seine Gebeine und die von Eoban, einem weiteren Gefährten, liegen seit dem Mittelalter im Erfurter Dom. Ihr Gedenktag ist der 7. Juni.

Bonifatius und das Bistum Erfurt heute

Als 1994 das Bistum Erfurt neu gegründet wurde, knüpfte man bewusst an 742 an. Papst Johannes Paul II. bestätigte Elisabeth von Thüringen als Hauptpatronin, Bonifatius und Kilian wurden Mitpatrone. Ein Patron ist ein Heiliger, dem eine Stadt, ein Bistum oder eine Berufsgruppe besonders verbunden ist. Mehr dazu erklärt unser Glossar zum Schutzpatron.

Fulda, Mainz und die Frauen um Bonifatius

In seinen letzten Lebensjahrzehnten war Bonifatius vor allem Kirchenpolitiker. 732 wurde er Erzbischof, 737 oder 738 päpstlicher Gesandter für das ganze Frankenreich. 746 bekam er den Bischofssitz in Mainz. Doch sein Lieblingsort lag woanders.

744 gründete sein Schüler Sturmi in seinem Auftrag das Kloster Fulda. Es sollte ein Ort des Gebets, des Lernens und der Ausbildung von Missionaren werden, und genau das wurde es. Bonifatius wollte dort begraben werden.

Er holte nicht nur Mönche aus England, sondern auch Nonnen. Die bekannteste ist Lioba, eine Verwandte, die 735 kam. Nach der Überlieferung leitete sie das Frauenkloster in Tauberbischofsheim. Auch Thekla kam aus England und wurde Äbtissin. Frauen haben die Mission in Mitteldeutschland mitgetragen, als Lehrerinnen, Beraterinnen und Leiterinnen von Klöstern. Das Bistum Erfurt feiert Lioba und Thekla gemeinsam am 28. September.

Wie starb Bonifatius?

Bonifatius wurde am 5. Juni 754 bei Dokkum in Friesland erschlagen. Er war etwa 80 Jahre alt und wollte an diesem Tag Neugetaufte firmen. Mit ihm starben seine Begleiter.

Im Alter hätte er sich zurückziehen können. Stattdessen übergab er Mainz an seinen Schüler Lul und brach noch einmal nach Friesland auf, wo seine Mission fast 40 Jahre zuvor gescheitert war. Seinem Nachfolger schrieb er, er spüre, dass sein Ende nahe sei. Er bat ihn, den Bau in Fulda zu vollenden und ihn dort zu begraben.

Am Morgen des 5. Juni lagerte die Gruppe an einem Fluss bei Dokkum. Eine bewaffnete Schar griff an. Nach Willibalds Bericht hielt Bonifatius seine Leute vom Kämpfen ab. Die Schrift lehre, Böses nicht mit Bösem zu vergelten, sondern mit Gutem (Röm 12,17–21). Er sagte ihnen, sie sollten mutig sein. Dann wurde er erschlagen.

Willibald nennt elf Begleiter mit Namen, sodass es mit Bonifatius zwölf Tote sind, so viele wie die Apostel. Eine spätere Quelle spricht von 52. Beide Zahlen sind vermutlich auch symbolisch gemeint.

Der Weg nach Fulda

Die Leiche wurde zuerst nach Utrecht gebracht, dann per Schiff nach Mainz und von dort nach Fulda. Mainz wollte den Märtyrer behalten, Fulda setzte sich durch. Heute liegt Bonifatius in der Bonifatiusgruft im Fuldaer Dom. Seit 1867 treffen sich die katholischen Bischöfe Deutschlands jedes Jahr an diesem Grab. Den Weg des Leichenzugs von Mainz nach Fulda kann man heute auf der Bonifatius-Route wandern, einem Pilgerweg von rund 170 Kilometern.

Verehrt wurde Bonifatius sofort nach seinem Tod als Märtyrer, also als jemand, der für seinen Glauben gestorben ist. Warum Katholiken Heilige wie ihn um ihre Fürsprache bitten, erklärt der Artikel Warum beten wir zu Heiligen?. Was einen Heiligen überhaupt ausmacht, steht im Glossar.

Gedenktag, Patronate und Erkennungszeichen

Der Gedenktag des heiligen Bonifatius ist der 5. Juni, sein Todestag. Im deutschen Sprachgebiet hat er den Rang eines Festes, im Bistum Fulda sogar eines Hochfestes. Die liturgische Farbe ist Rot, die Farbe der Märtyrer. Auch evangelische und anglikanische Christen erinnern am 5. Juni an ihn.

Bonifatius ist Hauptpatron des Bistums Fulda und Mitpatron des Bistums Erfurt. Er gilt außerdem als Schutzpatron der Bierbrauer und der Schneider. Warum gerade dieser Berufe, lässt sich nicht mehr klären.

Auf Bildern erkennst du ihn meist am Bischofsgewand. Oft hält er ein Buch, das von einem Schwert durchbohrt ist. Das erinnert an seinen Tod und an das Wort Gottes, für das er gelebt hat. Axt und Eiche sind vor allem auf neueren Bildern und Denkmälern zu sehen. Seine Gebeine sind Reliquien, die in Fulda verehrt werden; kleinere Teile gibt es auch an anderen Orten.

Bonifatius kritisch gesehen

Wer Bonifatius nur als freundlichen Glaubensboten kennt, sollte auch die andere Seite kennen. Er arbeitete eng mit den fränkischen Herrschern zusammen. Die wiederum nutzten eine geordnete Kirche, um ihre Macht zu festigen. Mission und Politik waren nicht sauber getrennt.

Hart war er auch nach innen. Auf einer Kirchenversammlung 742 wurden für Priester, Mönche und Nonnen, die gegen die Regeln lebten, Gefängnis und Prügelstrafen beschlossen. Mit Iren und Priestern, die ihren Glauben anders lebten als er, lag er dauerhaft im Streit.

Bonifatius war kein sanfter Heiliger.

Darstellungen, die ihn als Helden mit der Axt zeigen, sehen Kritiker deshalb als Verherrlichung einer Christianisierung, die mit Druck und Macht verbunden war. Das darf man ernst nehmen, ohne ihn deshalb abzuschreiben. Heilige sind keine fehlerfreien Menschen. Die Kirche verehrt Bonifatius für seinen Glauben, seine Ausdauer und dafür, dass er am Ende nicht zurückschlug. Seine Methoden muss man deshalb nicht alle gut finden. Ganz ähnlich lohnt es sich bei anderen Heiligen, Legende und Geschichte auseinanderzuhalten, etwa bei der heiligen Barbara, über die fast nur Legenden erzählen.

Ein Vergleich zeigt, wie verschieden Heilige sein können. Franz von Assisi ging rund 500 Jahre später ohne Schutzbrief und ohne Soldaten zu den Menschen. Bonifatius dagegen dachte in Strukturen. Beide haben die Kirche geprägt, auf ganz unterschiedliche Art.

Bonifatius Kindern erklärt

Für Kinder reicht die Geschichte in wenigen Sätzen. Wichtig ist, dass Bonifatius mutig war und dass er am Ende nicht zurückgeschlagen hat.

Für Kinder erklärt

  1. Bonifatius war ein Mönch aus England und hieß eigentlich Winfried.
  2. Er reiste über das Meer, um den Menschen hier von Jesus zu erzählen.
  3. Einmal fällte er einen Baum, vor dem die Leute Angst hatten, weil er einem Gott gehören sollte. Es passierte nichts, und viele wollten danach getauft werden.
  4. In Thüringen baute er Kirchen und Klöster, zum Beispiel in Ohrdruf und in Erfurt.
  5. Als er schon sehr alt war, wurde er überfallen. Er sagte zu seinen Freunden: Wehrt euch nicht mit Gewalt. Heute erinnern wir uns jedes Jahr am 5. Juni an ihn.

Was Bonifatius heute bedeuten kann

Bonifatius kam in ein Land, in dem der Glaube dünn geworden war. Thüringen ist heute wieder so ein Land. Nur etwa 7 Prozent der Menschen sind katholisch, die meisten gehören keiner Kirche an. Was es heißt, in dieser Lage zu glauben, beschreibt unser Artikel über katholisch sein in der Diaspora. Manche fragen sich auch, ob sie überhaupt bleiben wollen, und informieren sich über einen Kirchenaustritt in Thüringen.

Nach Bonifatius ist das Bonifatiuswerk benannt, ein Hilfswerk, das 1849 gegründet wurde. Es unterstützt katholische Gemeinden dort, wo sie klein sind, auch in Ostdeutschland, etwa bei den Religiösen Kinderwochen. Bekannt ist es auch durch seine Nikolausaktion, von der unser Artikel über den heiligen Nikolaus erzählt.

In einem seiner Briefe warnte Bonifatius davor, wie stumme Hunde oder schweigende Wächter zu sein, die nichts sagen, wenn Gefahr droht. Wer Verantwortung trägt, soll reden, ob es passt oder nicht. Er greift damit ein Wort aus der Bibel auf (2 Tim 4,2).

Glaube, über den niemand spricht, wird still und verschwindet irgendwann.

Du musst dafür keine Eiche fällen und nicht nach Friesland reisen. Bonifatius hat klein angefangen, mit einer Handvoll Leute in Ohrdruf. Genau so kann es heute gehen.

  1. HingehenBesuche einen Bonifatius-Ort in deiner Nähe: den Michaelisturm in Ohrdruf, den Candelaber bei Altenbergen oder den Erfurter Dom mit dem Grab von Adalar und Eoban. Stell dir vor, wie es hier vor 1.300 Jahren aussah.
  2. Den 5. Juni merkenTrag dir den Gedenktag in den Kalender ein. Viele Gemeinden feiern an diesem Tag einen Gottesdienst. Welche Gemeinde in deiner Nähe liegt, findest du über unsere Gemeindesuche.
  3. Nicht stumm bleibenErzähl einer Person, was dir am Glauben wichtig ist, oder frag jemanden, was ihm wichtig ist. Ein ehrliches Gespräch reicht.
  4. Andere suchenBonifatius war nie allein unterwegs. In unserer Runde reden junge Leute aus Thüringen über Glauben und Alltag. Mitlesen ist ausdrücklich okay.

Häufige Fragen

Wann ist der Gedenktag des heiligen Bonifatius?

Am 5. Juni, seinem Todestag. 2026 fällt er auf einen Freitag, 2027 auf einen Samstag. In Deutschland, Österreich und der Schweiz wird der Tag als Fest gefeiert, im Bistum Fulda mit seinem Grab sogar als Hochfest. Ein gesetzlicher Feiertag ist der 5. Juni nirgends. Auch die evangelische Kirche erinnert an diesem Tag an Bonifatius.

Wo ist Bonifatius begraben?

Im Dom von Fulda in Osthessen. Nach seinem Tod bei Dokkum brachte man den Leichnam zunächst nach Utrecht, dann über Mainz nach Fulda, wie er es sich gewünscht hatte. Heute liegt er in der Bonifatiusgruft des Doms. Um den 5. Juni pilgern jedes Jahr viele Menschen dorthin, und die Deutsche Bischofskonferenz trifft sich seit 1867 an diesem Grab.

Was bedeutet der Name Bonifatius?

Bonifatius ist lateinisch und wird meist als „der gutes Schicksal Bringende“ gedeutet, also jemand, der Gutes bewirkt. Papst Gregor II. gab ihm diesen Namen 719 in Rom, als er ihn zum Missionar ernannte. Sein Taufname war Wynfreth, heute meist Winfried geschrieben. Wer Bonifatius, Winfried oder Winfrid heißt, kann am 5. Juni Namenstag feiern.

Hat Bonifatius Erfurt gegründet?

Nein, die Siedlung gab es schon vorher. Bonifatius gründete 742 das Bistum Erfurt. In seinem Brief an Papst Zacharias nennt er den Ort „Erphesfurt“ und beschreibt ihn als alte, befestigte Siedlung. Dieser Brief ist die älteste bekannte schriftliche Erwähnung Erfurts. Die Stadt feiert deshalb das Jahr 742 als Beginn ihrer Geschichte.

Warum hat Bonifatius die Donareiche gefällt?

Er wollte zeigen, dass der Gott Donar keine Macht hat. Die Eiche bei Geismar nahe Fritzlar war ein wichtiges Heiligtum der Chatten. Nach dem Bericht seines Biografen Willibald warteten die Umstehenden darauf, dass Donar den Frevler bestraft. Als nichts geschah, ließen sich viele taufen. Aus dem Holz baute Bonifatius eine kleine Kirche. Geschützt wurde er dabei von fränkischen Soldaten.

War Bonifatius auf dem Hülfensberg im Eichsfeld?

Das ist nicht belegt. Die Sage, er habe dort einen Götzen namens Stuffo gestürzt, ist erst viele Jahrhunderte später überliefert. Die berühmte Eichenfällung geschah bei Geismar in Hessen, nicht in Geismar im Eichsfeld, das nur zufällig genauso heißt. Die Bonifatiuskapelle auf dem Hülfensberg erinnert trotzdem an die alte Tradition. Ein Wallfahrtsort ist der Berg ohnehin: Seit dem Spätmittelalter pilgern Menschen zum „Heiligen Berg des Eichsfeldes“.

Ist Bonifatius der Schutzpatron von Deutschland?

Nicht offiziell. Die Kirche hat ihn nie zum Patron für ganz Deutschland erklärt. Bonifatius trägt aber seit dem 16. Jahrhundert den Ehrentitel „Apostel der Deutschen“, weil er die Kirche in weiten Teilen des heutigen Deutschlands aufgebaut hat. Hauptpatron ist er im Bistum Fulda, Mitpatron im Bistum Erfurt. Einige Heiligenlexika nennen ihn auch Schutzpatron Thüringens.

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