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Kirchenjahr

15 Min. LesezeitStand: 8 Quellen

Kurz beantwortet

An Allerheiligen, dem 1. November, feiert die katholische Kirche alle Heiligen, auch die vielen ohne eigenen Gedenktag. Am Tag danach, an Allerseelen, betet sie für alle Verstorbenen. Daher kommen Friedhofsbesuch, Grablichter und Gräbersegnung. In Thüringen ist Allerheiligen kein gesetzlicher Feiertag, frei ist hier der Reformationstag am 31. Oktober.

Steckbrief

Allerheiligen1. November (2026: Sonntag, 2027: Montag)
Allerseelen2. November (2026: Montag, 2027: Dienstag)
RangAllerheiligen ist ein Hochfest, Allerseelen ist im Rang den Hochfesten gleichgestellt
Liturgische FarbeWeiß an Allerheiligen, Violett oder Schwarz an Allerseelen
Feiertag in ThüringenNein, frei ist der Reformationstag am 31. Oktober
Gesetzlicher Feiertag inBaden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland
Am 1. November seitdem 8./9. Jahrhundert, im Frankenreich verbindlich seit 835
BräucheGräber schmücken, Grablichter, Gräbersegnung, Allerheiligenstriezel
Inhalt

Anfang November leuchten auf den Friedhöfen wieder die Lichter, viele davon in Rot. Familien stehen an Gräbern, zupfen Laub weg, stellen Heidekraut hin. Dahinter stehen zwei Tage, die viele verwechseln: Allerheiligen am 1. November und Allerseelen am 2. November. Sie gehören zusammen, meinen aber nicht dasselbe.

Hier liest du, was die Kirche an Allerheiligen feiert, was Allerseelen anders macht, woher beide Tage kommen und warum Menschen Lichter auf Gräber stellen. Dazu, was in Thüringen gilt, wo der 1. November ein Arbeitstag ist und der Tag davor frei.

Was feiert man an Allerheiligen?

An Allerheiligen feiert die katholische Kirche alle Menschen, die bei Gott angekommen sind. Gemeint sind die bekannten Heiligen mit eigenem Gedenktag, vor allem aber die vielen, deren Namen niemand mehr kennt.

Die Kirche kennt Tausende Heilige und Selige mit Namen. Der Kalender hat aber nur 365 Tage, und die meisten Heiligen stehen ohnehin in keiner Liste. Es sind Großmütter, Nachbarn, Krankenschwestern, Menschen, die still, treu und gut gelebt haben. Für sie alle gibt es diesen einen Tag. Offiziell zum Heiligen erklärt zu werden, durch eine Heiligsprechung, ist dafür keine Voraussetzung.

Heilig ist kein Sonderweg für wenige

Paulus nennt in seinen Briefen ganz normale Gemeindemitglieder „Heilige“, zum Beispiel die Christen in Rom (Röm 1,7). Er meint damit keine perfekten Menschen, sondern Menschen, die zu Gott gehören. Der Katechismus sagt es deutlich: Alle Christen, egal in welchem Stand, sind zur Fülle des christlichen Lebens und zur vollkommenen Liebe berufen (KKK 2013).

Heiligkeit ist also kein Preis für Überflieger. Sie ist das Ziel, auf das jedes Leben mit Gott zuläuft.

Deshalb ist Allerheiligen ein fröhliches Fest, kein Trauertag. Die liturgische Farbe ist Weiß, wie an Ostern. Die Kirche feiert, dass Menschen dieses Ziel erreicht haben, und sie macht damit allen Mut, die noch unterwegs sind.

Die Gemeinschaft der Heiligen

Hinter Allerheiligen steht ein Satz aus dem Glaubensbekenntnis: „Ich glaube an die Gemeinschaft der Heiligen.“ Die Kirche versteht darunter eine Verbindung, die der Tod nicht zerreißt. Zu ihr gehören die Lebenden auf der Erde, die Verstorbenen, die noch geläutert werden, und die, die schon bei Gott sind (KKK 954–962).

Der Hebräerbrief beschreibt die Vorausgegangenen als eine große Wolke von Zeugen, die uns umgibt, während wir unseren eigenen Lauf laufen (Hebr 12,1). Deshalb bitten Katholiken Heilige um ihre Fürsprache. Warum das kein Gebet an Ersatzgötter ist, erklären wir bei der Frage, warum Katholiken zu Heiligen beten.

Allerheiligen und Allerseelen: Was ist der Unterschied?

An Allerheiligen feiert die Kirche die, die schon bei Gott sind. An Allerseelen betet sie für alle Verstorbenen, auch für die, bei denen niemand weiß, wie es um sie steht.

Beide Tage folgen direkt aufeinander und werden deshalb oft in einen Topf geworfen. Weil Allerheiligen in vielen Regionen ein Feiertag ist, gehen die meisten schon am 1. November auf den Friedhof. Der Blick auf die Gräber gehört aber eigentlich zu Allerseelen.

Allerheiligen Allerseelen
Datum 1. November 2. November
Worum es geht Freude über alle, die bei Gott sind Gebet für alle Verstorbenen
Rang Hochfest den Hochfesten gleichgestellt
Farbe Weiß Violett oder Schwarz
Gefühl Dank und Hoffnung Trauer und Hoffnung
Seit wann in Rom seit dem 7. Jahrhundert seit 998 aus Cluny

Allerseelen am 2. November: Beten für die Verstorbenen

Allerseelen ist der Tag, an dem die katholische Kirche für alle Verstorbenen betet. Der Name kommt von den „Seelen“ aller Toten.

Eingeführt hat den Gedenktag Abt Odilo von Cluny. Er ordnete im Jahr 998 an, dass seine Klöster am Tag nach Allerheiligen für alle Verstorbenen beten und Messe feiern. Sein Erlass ist bis heute erhalten. Von Cluny aus breitete sich der Tag über die ganze westliche Kirche aus. Seit 1915 darf jeder Priester an Allerseelen drei Messen feiern. Papst Benedikt XV. erlaubte das weltweit wegen der vielen Toten des Ersten Weltkriegs.

Warum beten Katholiken für Tote?

Die Kirche glaubt, dass viele Menschen nicht ganz „fertig“ sterben. Wer in der Freundschaft mit Gott stirbt, ist gerettet, braucht aber vielleicht noch eine Läuterung, eine letzte Reinigung, bevor er Gott ganz begegnen kann (KKK 1030). Das nennt man Fegefeuer. Gemeint ist kein Ort mit Flammen, sondern ein Prozess, in dem Liebe alles wegbrennt, was noch im Weg steht.

Für diese Menschen kann man beten. Schon das Alte Testament erzählt, wie Judas Makkabäus für gefallene Soldaten ein Sühnopfer darbringen ließ (2 Makk 12,43-45). Der Katechismus beruft sich auf diese Stelle (KKK 1032). Das Gebet für die Toten ist damit ein Ausdruck von Liebe, die über das Grab hinausgeht. Worte dafür findest du bei unseren Gebeten für Verstorbene, das bekannteste ist dieses:

Ewige Ruhe

Herr, gib ihnen die ewige Ruhe,
und das ewige Licht leuchte ihnen.
Lass sie ruhen in Frieden.
Amen.

Der Allerseelenablass

Zu Allerseelen gehört ein Brauch, der vielen fremd ist: der Allerseelenablass. Wer vom 1. bis 8. November einen Friedhof besucht und dort für die Verstorbenen betet, kann nach katholischer Lehre einmal täglich einen vollkommenen Ablass für einen Verstorbenen erlangen. Dazu gehören Beichte, Kommunion, ein Gebet in den Anliegen des Papstes und der ehrliche Wille, sich von jeder Sünde abzuwenden. Der Gedanke dahinter ist nicht Handel mit Gnade, sondern Fürbitte: Die Lebenden tun etwas für die Toten, die sich selbst nicht mehr helfen können.

Biblischer Hintergrund: die große Schar und die Seligpreisungen

Ein eigenes Allerheiligenfest kennt die Bibel nicht. Die Lesungen der Messe zeigen aber, worum es geht.

Die erste Lesung stammt aus der Offenbarung des Johannes. Johannes sieht eine riesige Menschenmenge vor Gottes Thron, so groß, dass niemand sie zählen kann, aus allen Völkern und Sprachen, in weißen Gewändern (Offb 7,9). Das ist das Bild für Allerheiligen: nicht ein paar Auserwählte, sondern unzählbar viele.

Die zweite Lesung sagt: Wir sind schon jetzt Kinder Gottes. Was wir einmal sein werden, ist aber noch nicht sichtbar (1 Joh 3,2). Heiligkeit hat also schon begonnen und ist trotzdem noch nicht fertig.

Im Evangelium stehen die Seligpreisungen aus der Bergpredigt (Mt 5,1-12). Jesus nennt dort die glücklich, die man sonst übersieht: die Armen vor Gott, die Trauernden, die Sanftmütigen, die Barmherzigen, die Friedensstifter. Das ist so etwas wie die Stellenbeschreibung eines Heiligen. Da steht nichts von Erfolg, Ansehen oder Fehlerlosigkeit.

Woher kommt Allerheiligen?

Das Fest ist aus dem Gedenken an die Märtyrer entstanden, also an Christen, die für ihren Glauben getötet wurden. Weil es irgendwann zu viele für einzelne Gedenktage waren, feierte man sie gemeinsam. Später kamen alle Heiligen dazu.

  1. 4. JahrhundertIn den Kirchen des Ostens gibt es einen gemeinsamen Gedenktag aller Märtyrer. Die orthodoxen Kirchen feiern Allerheiligen bis heute am ersten Sonntag nach Pfingsten.
  2. 13. Mai 609 oder 610Papst Bonifatius IV. weiht in Rom das Pantheon, einen antiken Tempel für alle Götter, zur Kirche für Maria und alle Märtyrer.
  3. 731–741Papst Gregor III. weiht in Sankt Peter eine Kapelle allen Heiligen. Aus dem Märtyrerfest wird ein Fest aller Heiligen, in Rom am 1. November.
  4. um 800Irische und angelsächsische Klöster feiern das Fest am 1. November, von dort verbreitet sich der Termin.
  5. 835Unter Papst Gregor IV. und Kaiser Ludwig dem Frommen wird der 1. November im Frankenreich verbindlich. Er gilt seitdem in der ganzen westlichen Kirche.
  6. 998Abt Odilo von Cluny führt Allerseelen am 2. November ein.
  7. 1915Papst Benedikt XV. erlaubt jedem Priester drei Messen an Allerseelen.

Warum gerade der 1. November, ist nicht sicher geklärt. Oft heißt es, die Kirche habe damit ein keltisches Fest namens Samhain ersetzt. Historiker sind da vorsichtig. Belegt ist vor allem, dass Klöster auf den britischen Inseln den 1. November um 800 schon kannten und dass sich der Termin von dort im Frankenreich durchsetzte.

Wie feiert die Kirche Allerheiligen?

Allerheiligen ist ein Hochfest, also ein Fest der höchsten Stufe im Kirchenjahr. Die Messe wird mit Gloria und Glaubensbekenntnis gefeiert, die Gewänder sind weiß.

Fällt der 1. November auf einen Sonntag wie 2026, verdrängt das Hochfest den normalen Sonntag. Die Sonntagsmesse ist dann die Messe von Allerheiligen. Am Nachmittag laden viele Gemeinden zu einer Andacht auf den Friedhof ein, oft mit Gräbersegnung.

Ein gebotener Feiertag, auch in Thüringen

Für Katholiken ist Allerheiligen im Bistum Erfurt ein kirchlich gebotener Feiertag. So hat es die Deutsche Bischofskonferenz 1995 festgelegt. Das heißt: Die Kirche erwartet, dass Katholiken an diesem Tag die Messe mitfeiern, wie an einem Sonntag (KKK 2180). Das gilt auch dann, wenn der Tag staatlich ein normaler Werktag ist.

Wer einen gewichtigen Grund hat, etwa Krankheit, ist entschuldigt (KKK 2181). Viele Gemeinden in Thüringen feiern deshalb am Abend oder am Vorabend. Die Gottesdienstzeiten erfährst du direkt bei deiner Pfarrei.

In welchen Bundesländern ist Allerheiligen ein Feiertag?

Allerheiligen ist in fünf Bundesländern ein gesetzlicher Feiertag: Baden-Württemberg, Bayern, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und das Saarland. Auch in Österreich und Liechtenstein ist frei. In Thüringen ist der 1. November ein normaler Arbeitstag.

Dafür ist in Thüringen der Tag davor frei: Der Reformationstag am 31. Oktober ist hier gesetzlicher Feiertag. Er erinnert an die Thesen, die Martin Luther 1517 veröffentlichte. Für viele Thüringer beginnt der November also mit einem evangelischen Feiertag und einem katholischen Fest direkt hintereinander.

Tag 2026 2027 In Thüringen
Reformationstag, 31. Oktober Samstag Sonntag gesetzlicher Feiertag
Allerheiligen, 1. November Sonntag Montag religiöser Feiertag, kein freier Tag
Allerseelen, 2. November Montag Dienstag kein Feiertag

Was das Thüringer Gesetz trotzdem regelt

Ganz ignoriert wird Allerheiligen in Thüringen nicht. Das Thüringer Feier- und Gedenktagsgesetz führt den Tag als religiösen Feiertag. Schüler können auf Antrag für den Gottesdienst vom Unterricht freigestellt werden. Arbeitnehmer und Azubis können unbezahlt freibekommen, wenn im Betrieb nichts Zwingendes dagegensteht.

In den Gemeinden, in denen Fronleichnam gesetzlicher Feiertag ist, also vor allem im katholischen Eichsfeld, ist Allerheiligen außerdem ein stiller Tag (§ 6 Abs. 2). Ab drei Uhr morgens sind dort Musik und Unterhaltung in Gaststätten, öffentlicher Sport und öffentliche Veranstaltungen untersagt, die nicht zum Charakter des Tages passen. In welchen Orten Thüringens Fronleichnam frei ist, liest du im Artikel über Fronleichnam.

Bräuche an Allerheiligen und Allerseelen

Die meisten Bräuche drehen sich um den Friedhof. Sie sind schlicht, und gerade das macht sie für viele so wichtig.

Gräber herrichten

In den Tagen vorher werden die Gräber gepflegt: Laub weg, Erde lockern, ein Gesteck hin, oft mit Heidekraut, Tannengrün oder Chrysanthemen. Für viele Familien ist das ein fester Termin im Jahr, an dem man sich am Grab trifft, auch wenn man sonst verstreut lebt.

Grablichter

Ein Licht auf dem Grab steht für die Hoffnung, dass der Tod nicht das Letzte ist. Jesus nennt sich selbst das Licht der Welt (Joh 8,12). Und er sagt, dass, wer an ihn glaubt, leben wird, auch wenn er stirbt (Joh 11,25). Das Licht sagt aber auch ganz menschlich: Hier denkt jemand an dich. In katholischen Gegenden ist ein Friedhof am Abend von Allerheiligen ein Meer aus kleinen Flammen.

Gräbersegnung

In vielen Gemeinden geht ein Priester, Diakon oder eine Gemeindereferentin nach einer kurzen Andacht über den Friedhof und segnet die Gräber mit Weihwasser. Das Wasser erinnert an die Taufe. Mit ihr hat für Christen das Leben mit Gott begonnen, und es soll im Tod nicht enden. Die Familien stehen dabei an ihren Gräbern und warten, bis der Segen vorbeikommt.

Namen der Verstorbenen verlesen

In manchen Gottesdiensten an Allerseelen oder am Sonntag danach werden die Namen aller Menschen vorgelesen, die im letzten Jahr in der Gemeinde gestorben sind. Für jeden Namen wird eine Kerze angezündet. Für Angehörige ist das oft ein sehr stiller, sehr starker Moment.

Allerheiligenstriezel und Seelenbrot

In Bayern und Österreich schenken Paten ihren Patenkindern zu Allerheiligen einen Allerheiligenstriezel, einen geflochtenen Hefezopf. In anderen Gegenden backte man früher Seelenbrote oder Seelenwecken und verteilte sie an Arme und Kinder. Das Teilen mit Lebenden war eine Form, der Toten zu gedenken.

Halloween: der Vorabend

Halloween heißt übersetzt „der Abend vor Allerheiligen“, von All Hallows’ Eve. Nach Deutschland kam der Verkleidungsabend erst in den 1990er-Jahren aus den USA, kräftig angeschoben, als 1991 wegen des Golfkriegs vielerorts der Karneval ausfiel und die Kostümbranche einen neuen Anlass suchte. Mit dem Fest am nächsten Tag haben Kürbisse und Gruselmasken wenig zu tun. Wer an Halloween feiert, kann am Tag danach trotzdem auf den Friedhof gehen. Das eine schließt das andere nicht aus.

Allerheiligen in Thüringen

In Thüringen sind Katholiken eine Minderheit, rund sieben Prozent der Bevölkerung. Allerheiligen ist hier deshalb kein Tag, an dem die ganze Stadt stillsteht. Trotzdem gibt es in fast jeder katholischen Gemeinde eine Andacht oder eine Gräbersegnung. Weil der Feiertag fehlt, liegt sie oft am Nachmittag, am Abend oder am Wochenende davor.

Anders ist es im Eichsfeld. Im Landkreis sind rund 64 Prozent der Menschen katholisch. In den Eichsfelder Gemeinden, in denen Fronleichnam gesetzlicher Feiertag ist, ist Allerheiligen per Gesetz ein stiller Tag, und der Tag hat ein anderes Gewicht als in Jena oder Gera.

Eine Kirche namens Allerheiligen

Mitten in der Erfurter Altstadt, an der Ecke von Allerheiligenstraße und Marktstraße, steht die Allerheiligenkirche. Sie wurde 1117 als Stift mit Kloster und Hospital gegründet und gehört heute zur Dompfarrei. 2007 bekam sie etwas, das es in katholischen Kirchen in Mitteldeutschland bis dahin nicht gab: ein Kolumbarium, also eine Grabstätte für Urnen. 630 Urnenplätze stehen in 15 Stelen aus Stein.

Besonders ist, wer dort bestattet werden kann. Das Bistum Erfurt hat die Kirche ausdrücklich für Christen und Nichtchristen geöffnet. In einem Land, in dem die Mehrheit keiner Kirche angehört, ist das eine starke Geste: Eine Kirche, die allen Heiligen geweiht ist, bietet allen Toten einen Ort.

Totensonntag: das evangelische Gegenstück

Wer in Thüringen evangelisch aufgewachsen ist, kennt einen anderen Tag des Totengedenkens: den Totensonntag, auch Ewigkeitssonntag genannt. Er ist der letzte Sonntag vor dem Advent, 2026 der 22. November. Eingeführt hat ihn 1816 der preußische König Friedrich Wilhelm III. für die evangelischen Kirchen. In Thüringen ist er per Gesetz ein stiller Tag.

So hat der November in Thüringen gleich mehrere Gedenktage. Dazwischen liegen zwei, die vom Leben erzählen: Sankt Martin am 11. November und Elisabeth von Thüringen am 19. November. Beide sind Heilige, die man an Allerheiligen mitfeiert.

Allerheiligen Kindern erklären

Kinder erleben auf dem Friedhof oft zum ersten Mal, dass Erwachsene traurig sind. Für sie reicht eine einfache, ehrliche Erklärung. Du kannst sie so vorlesen oder frei erzählen, zum Beispiel auf dem Weg zum Grab.

Allerheiligen für Kinder erklärt

  1. An Allerheiligen denken wir an alle Menschen, die schon bei Gott sind.
  2. Manche von ihnen sind berühmt, wie Sankt Martin. Die meisten kennt niemand mehr mit Namen.
  3. Am Tag danach, an Allerseelen, beten wir für alle, die gestorben sind, auch für Oma und Opa.
  4. Wir zünden Lichter auf den Gräbern an. Das Licht sagt: Wir haben dich nicht vergessen.
  5. Und es sagt auch: Bei Gott ist es hell. Der Tod ist nicht das Ende.

Wenn Kinder fragen, ob der Opa jetzt ein Heiliger ist, musst du nichts Genaues wissen. Eine gute Antwort ist: Wir hoffen, dass er bei Gott ist, und wir beten für ihn.

Wenn Allerheiligen schwer ist

Für viele ist Allerheiligen vor allem der Tag, an dem die Lücke wieder spürbar wird. Der erste November nach einem Todesfall kann sich anfühlen, als würde alles noch einmal aufgerissen. Das ist normal.

Du musst an diesem Tag nichts leisten. Du musst nicht in die Kirche, nicht stark sein, nicht die richtigen Worte finden. Ein Licht anzünden, einen Namen laut sagen, an einen Moment denken: Das reicht.

Trauer ist kein Zeichen von schwachem Glauben.

Paulus schreibt, dass Christen trauern, aber nicht wie Menschen, die keine Hoffnung haben (1 Thess 4,13). Er verbietet die Trauer nicht. Er stellt ihr etwas zur Seite. Was Christen über das Leben nach dem Tod hoffen, liest du im Artikel Was passiert nach dem Tod?, und was die Kirche mit Himmel und Hölle wirklich meint, steht dort ohne Angstmache erklärt.

Wenn die Trauer dich über Wochen nicht mehr schlafen oder arbeiten lässt, ist das ein Grund, dir Hilfe zu holen, bei deiner Hausärztin oder einer Trauerberatung. Und wenn es gerade richtig schwer ist: Auf unserer Hilfe-Seite stehen Nummern, die rund um die Uhr erreichbar sind.

Was Allerheiligen heute bedeuten kann

Allerheiligen sagt zwei Dinge, die gut zusammenpassen. Die Toten sind nicht einfach weg. Und du selbst bist nicht zu klein oder zu kaputt für ein Leben mit Gott.

Die meisten Heiligen waren keine Helden. Sie waren Menschen mit Schwächen, die jeden Tag wieder angefangen haben. Genau das macht das Fest so ehrlich: Es feiert nicht die Fehlerlosen, sondern die, die drangeblieben sind.

  1. Geh auf einen FriedhofAuch wenn dort niemand aus deiner Familie liegt. Nimm ein Licht mit und stell es an ein Grab, an dem keins brennt.
  2. Sag einen NamenDenk an einen Menschen, der dir fehlt, und sprich seinen Namen aus. Im Gebet, im Gespräch mit jemandem oder einfach für dich.
  3. Such dir einen HeiligenLies die Geschichte von jemandem, dessen Leben dich anspricht, etwa Martin, Elisabeth oder jemand ganz Unbekanntes. Frag dich: Was davon könnte ich heute tun?
  4. Denk an die StillenWer in deinem Umfeld lebt gut, ohne dass es jemand bemerkt? Sag es ihm. Heilige erkennt man oft erst, wenn man hinschaut.
  5. Geh mit in den NovemberNach Erntedank im Oktober und den Gedenktagen im November beginnt Ende des Monats der Advent. Das Kirchenjahr erzählt vom Ende her auf einen Anfang zu.

Heiligkeit ist kein fernes Ideal für Leute in Kutten. Sie fängt da an, wo du heute ehrlich lebst und andere nicht übersiehst. Wenn du mit anderen darüber reden willst, wie das im Alltag aussieht, oder über jemanden, der dir fehlt: In der Runde treffen sich junge Leute aus Thüringen genau für solche Gespräche.

Häufige Fragen

Wann ist Allerheiligen 2026?

Allerheiligen ist immer am 1. November. 2026 fällt der Tag auf einen Sonntag, Allerseelen folgt am Montag, 2. November. 2027 ist Allerheiligen an einem Montag und Allerseelen an einem Dienstag. Weil der Reformationstag am 31. Oktober direkt davor liegt, haben viele in Thüringen 2026 ein langes Wochenende mit Feiertag am Samstag.

Haben Schüler in Thüringen an Allerheiligen frei?

Nein, Allerheiligen ist in Thüringen ein normaler Schul- und Arbeitstag. Das Thüringer Feier- und Gedenktagsgesetz zählt ihn aber zu den religiösen Feiertagen. Schülerinnen und Schüler können deshalb auf Antrag für den Gottesdienst vom Unterricht freigestellt werden. Beschäftigte und Azubis können eine unbezahlte Freistellung beantragen, wenn im Betrieb nichts Zwingendes dagegensteht.

Muss man an Allerheiligen in die Kirche?

Für Katholiken ja, im Bistum Erfurt ist Allerheiligen ein kirchlich gebotener Feiertag. Die Kirche erwartet an diesem Tag die Mitfeier der Messe wie an einem Sonntag. Wer einen gewichtigen Grund hat, etwa Krankheit, ist entschuldigt. 2026 fällt Allerheiligen ohnehin auf einen Sonntag, die Sonntagsmesse ist dann die Messe vom Fest.

Wann zündet man die Grablichter an?

Eine feste Uhrzeit gibt es nicht. Viele zünden das Licht bei ihrem Besuch am Nachmittag von Allerheiligen an, oft nach der Gräbersegnung, und lassen es über Nacht bis Allerseelen brennen. In Regionen, in denen der 1. November ein Arbeitstag ist, gehen viele erst am Abend oder am Wochenende auf den Friedhof. Das ist genauso richtig.

Welche Farbe hat Allerheiligen in der Kirche?

An Allerheiligen trägt der Priester Weiß, die Farbe der Freude und des Osterfestes. Das zeigt: Es ist ein Fest, kein Trauertag. An Allerseelen ist die Farbe Violett oder Schwarz. Beide Farben stehen für Trauer und Buße, aber auch für das Warten auf die Auferstehung.

Hat Halloween etwas mit Allerheiligen zu tun?

Der Name schon. Halloween ist die Kurzform von All Hallows’ Eve, dem Vorabend von Allerheiligen. Mit dem Fest selbst haben Kürbisse und Kostüme wenig zu tun. Irische Auswanderer brachten Bräuche des Vorabends im 19. Jahrhundert in die USA. Von dort kam Halloween in den 1990er-Jahren als Party- und Verkleidungstag nach Deutschland.

Darf ich als Nicht-Katholik zur Gräbersegnung gehen?

Ja. Die Gräbersegnung ist eine offene Andacht auf dem Friedhof, niemand kontrolliert, wer dazugehört. Du kannst einfach dazukommen, zuhören und am Grab stehen bleiben, wenn der Priester vorbeikommt. Mitbeten oder Kreuzzeichen machen musst du nicht. Viele Gemeinden freuen sich, wenn Angehörige verschiedener Konfessionen oder ganz ohne Kirche gemeinsam da sind.

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