
Beten & Praxis

Kurz erklärt
Weihwasser ist Wasser, über das ein Priester oder Diakon ein Segensgebet gesprochen hat. Katholiken bekreuzigen sich damit und erinnern sich so an ihre Taufe.
Weihwasser ist Wasser, über das ein Priester oder Diakon ein Segensgebet gesprochen hat. Katholiken tauchen beim Betreten der Kirche die Finger hinein und machen das Kreuzzeichen. Das ist eine kleine Erinnerung an die eigene Taufe: Du gehörst zu Gott. Weihwasser zählt zu den Sakramentalien, also zu den heiligen Zeichen, die das Leben im Alltag Gott anvertrauen.
Woher kommt das Wort Weihwasser?
„Weih“ kommt von „weihen“, also etwas Gott übergeben und für ihn bestimmen. Weihwasser ist demnach Wasser, das durch ein Gebet Gott übergeben wurde. Chemisch ändert sich nichts. Es bleibt gewöhnliches Wasser.
Der Brauch knüpft an sehr alte Reinigungsrituale an, die es in vielen Religionen gab. Schon die Bibel verbindet Wasser mit innerer Reinigung. Ein Beter bittet Gott, ihn von Schuld reinzuwaschen, bis er weiß wie Schnee ist (Ps 51,9). Früher wurde dem Wasser zusätzlich Salz beigegeben. Das ist heute noch möglich, aber nicht vorgeschrieben.
Was bedeutet Weihwasser in der katholischen Kirche?
Weihwasser erinnert an die Taufe. Der Katechismus nennt die Besprengung mit Weihwasser ausdrücklich als Zeichen, „die an die Taufe erinnert“ (KKK 1668). Wer sich damit bekreuzigt, sagt ohne Worte: Ich bin getauft, und ich komme als jemand, der zu Gott gehört.
Weihwasser wirkt nicht aus sich selbst heraus. Es ist kein Sakrament wie Taufe oder Eucharistie, sondern ein Sakramentale. Der Katechismus erklärt, dass solche Zeichen durch das Gebet der Kirche dazu bereit machen, Gottes Gnade zu empfangen (KKK 1670). Magie ist das ausdrücklich nicht.
Weihwasser begegnet dir an vielen Stellen:
- Am Kircheneingang steht ein Weihwasserbecken. Viele bekreuzigen sich beim Kommen und Gehen.
- Im Gottesdienst kann der Priester die Gemeinde mit einem Weihwedel besprengen, dem Aspergill. Das kann an Sonntagen geschehen, besonders in der Osterzeit.
- In der Osternacht wird das Taufwasser feierlich geweiht. Dieses Wasser nennt man auch Osterwasser. Mehr dazu steht bei Ostern und der Osternacht.
- Bei Segnungen von Häusern, Autos, Gräbern oder Adventskränzen wird Weihwasser versprengt. Auch bei einer Beerdigung segnet der Priester den Sarg damit.
Weihwasser, Taufwasser und evangelische Praxis
Taufwasser ist das Wasser, mit dem jemand getauft wird. Weihwasser ist das Wasser, mit dem sich Getaufte später an ihre Taufe erinnern. Beides hängt eng zusammen, ist aber nicht dasselbe.
In evangelischen Kirchen gibt es in der Regel kein Weihwasser. Die Reformation hat diesen Brauch nicht übernommen. Wer die Unterschiede genauer verstehen will, findet sie im Überblick über katholisch und evangelisch.
Wenn du das nächste Mal eine Kirche betrittst, probier es aus: Finger ins Becken, Kreuzzeichen, ein kurzer Moment Stille. Mehr braucht es nicht. Du erinnerst dich daran, dass du nicht irgendwer bist, sondern gewollt.
Häufige Fragen
Darf man Weihwasser mit nach Hause nehmen?
Ja. In vielen Kirchen steht neben den Becken ein größerer Behälter mit Hahn, aus dem du Weihwasser in eine eigene Flasche füllen kannst. Es kostet nichts. Zu Hause nutzen es manche für das Kreuzzeichen am Morgen oder Abend, zum Segnen der Kinder oder bei einer Hausweihe. Wenn du keinen Behälter findest, frag im Pfarrbüro oder in der Sakristei nach.
Darf ich Weihwasser nehmen, wenn ich nicht katholisch oder nicht getauft bin?
Es gibt kein Verbot. Weihwasser ist ein Zeichen, das an die Taufe erinnert, und niemand kontrolliert am Eingang, wer sich bekreuzigt. Wer nicht getauft ist, kann das Becken auch einfach stehen lassen oder das Kreuzzeichen als stille Bitte verstehen. Wichtig ist nur ein respektvoller Umgang: Weihwasser ist kein Spielzeug und kein Glücksbringer.
Was macht man mit altem Weihwasser?
Weihwasser ist ganz normales Wasser und kann mit der Zeit abgestanden sein. Es ist üblich, altes Weihwasser nicht in den Ausguss zu schütten, sondern respektvoll in die Erde zu gießen, etwa in den Garten oder in einen Blumentopf. Danach kannst du dir in der Kirche frisches holen.

Die Runde
Allein grübelnmuss niemand.
In der Runde redest du mit jungen Leuten aus Thüringen weiter. Mitlesen ist okay, Fragen sind willkommen.








