Vielleicht hast du es bei Oma gesehen, im Stadion oder in einer Kirche in Erfurt: Jemand führt die Hand zur Stirn, zur Brust, zu den Schultern. Das ist das Kreuzzeichen. Es dauert drei Sekunden und ist trotzdem ein ganzes Gebet. Hier steht, wie du es richtig machst, was die Worte bedeuten und warum Christen seit rund 1800 Jahren damit anfangen.
Im Namen des Vaters
und des Sohnes
und des Heiligen Geistes.
Amen.
Wie macht man das Kreuzzeichen?
Du nimmst die rechte Hand, die Finger locker geschlossen, und zeichnest ein Kreuz über deinen Oberkörper: Stirn, Brust, linke Schulter, rechte Schulter. Dazu sprichst du die Worte, laut, leise oder nur in Gedanken.
- StirnBerühre bei „Im Namen des Vaters“ die Mitte deiner Stirn.
- BrustFühre die Hand bei „und des Sohnes“ senkrecht nach unten, etwa auf Höhe des Brustbeins.
- Linke SchulterBei „und des Heiligen Geistes“ gehst du zur linken Schulter.
- Rechte SchulterZieh die Hand quer hinüber zur rechten Schulter.
- AmenLeg die Hände zusammen oder lass sie ruhig sinken.
Mach es lieber langsam und groß als schnell und klein. Ein hastiges Wischen vor der Brust sieht man oft. Gemeint ist etwas anderes: Du stellst dich mit dem ganzen Körper unter das Kreuz.
Links oder rechts ist eine echte Frage, denn Christen machen es unterschiedlich. Katholiken und Protestanten gehen von links nach rechts. Orthodoxe Christen, etwa in Griechenland, Russland oder Serbien, gehen von rechts nach links und legen dabei Daumen, Zeige- und Mittelfinger zusammen, als Zeichen für die Dreifaltigkeit. Beide Formen sind alt, keine ist falsch.
Was bedeutet das Kreuzzeichen?
Das Kreuzzeichen verbindet zwei Dinge, die im Christentum das Wichtigste sind: das Kreuz Jesu und den dreieinen Gott. Die Bewegung zeichnet das Kreuz, die Worte nennen Vater, Sohn und Heiligen Geist.
Das Kreuz
Das Kreuz war im Römischen Reich eine Hinrichtungsart für Sklaven und Aufständische. Christen machen genau dieses Zeichen zu ihrem Erkennungszeichen, weil sie glauben: Am Kreuz hat Jesus nicht verloren. Dort zeigt Gott, wie weit seine Liebe geht. Paulus schreibt, er wolle sich allein des Kreuzes Jesu rühmen (Gal 6,14).
Wer sich bekreuzigt, sagt damit: Ich gehöre zu diesem Gekreuzigten. Das ist keine Deko. Es ist ein Bekenntnis.
Die Worte
„Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ ist fast wörtlich der Auftrag, mit dem Jesus seine Jünger zum Taufen aussendet (Mt 28,19). Die Formel nennt einen Gott in drei Personen. Was das heißt, erklärt der Artikel über die Dreifaltigkeit, einfach erklärt, und wer mit der dritten Person wenig anfangen kann, findet mehr unter Wer oder was ist der Heilige Geist?.
Das „Amen“ am Ende heißt: So ist es. Ich meine das.
Die Erinnerung an die Taufe
Mit denselben Worten wird jeder Christ getauft. Zu Beginn der Tauffeier zeichnen Priester, Eltern und Paten dem Kind ein Kreuz auf die Stirn. Der Katechismus sagt dazu: Christus prägt dem, der zu ihm gehören soll, sein Zeichen auf (KKK 1235). Jedes spätere Kreuzzeichen holt diesen Moment zurück. Mehr zum Anfang des Christseins steht bei der Taufe.
Der Katechismus fasst es so zusammen: Der Christ beginnt seinen Tag, sein Gebet und sein Tun mit dem Kreuzzeichen, und es stärkt ihn in Versuchungen und Schwierigkeiten (KKK 2157).
Woher kommt das Kreuzzeichen?
Das Kreuzzeichen ist älter als das Glaubensbekenntnis in seiner heutigen Form. Anfang des 3. Jahrhunderts schreibt der nordafrikanische Theologe Tertullian, dass Christen bei jedem Schritt, beim Hinausgehen und Hereinkommen, beim Anziehen, beim Essen und beim Schlafengehen ein kleines Kreuz auf ihre Stirn zeichnen. Er beruft sich dafür nicht auf die Bibel, sondern auf die Überlieferung: Der Brauch war also schon damals eingeübt.
Am Anfang war es also ein kleines Kreuz mit dem Daumen auf der Stirn. Christen der ersten Jahrhunderte dachten dabei auch an eine Stelle beim Propheten Ezechiel: Gott lässt dort die Menschen, die über das Unrecht in der Stadt klagen, mit einem Zeichen auf der Stirn markieren, damit sie verschont bleiben (Ez 9,4). Das hebräische Schriftzeichen dafür, das Taw, sah in der alten Schrift aus wie ein Kreuz.
Das große Kreuzzeichen über den ganzen Oberkörper setzte sich erst später durch. Im Osten und im Westen entstanden dabei die zwei Richtungen, die es bis heute gibt.
Das kleine Kreuzzeichen vor dem Evangelium
In der Messe gibt es eine zweite Form, die viele Gäste verwirrt. Vor dem Evangelium sagt der Priester oder Diakon: „Aus dem heiligen Evangelium nach …“ Dann zeichnen er und alle Mitfeiernden mit dem Daumen drei kleine Kreuze: auf die Stirn, auf den Mund und auf die Brust. So steht es in der Grundordnung des Römischen Messbuchs (Nr. 134). Die Gemeinde antwortet: „Ehre sei dir, o Herr.“
Eine verbreitete Deutung: Gottes Wort soll in meinem Denken sein, auf meinen Lippen und in meinem Herzen. Viele beten dabei still einen eigenen Satz in dieser Richtung. Wie die Messe insgesamt abläuft, erklärt die Seite zur Heiligen Messe.
Kreuzzeichen mit Weihwasser
Am Eingang jeder katholischen Kirche steht ein Becken mit Weihwasser, also Wasser, das gesegnet wurde. Katholiken tauchen die Fingerspitzen der rechten Hand hinein und bekreuzigen sich damit. Das Wasser verweist auf die Taufe. Der Katechismus sagt, Weihwasserbecken sollen die Erinnerung an das Taufversprechen wachhalten (KKK 1185).
Kreuzzeichen und Weihwasser zählen zu den Sakramentalien: heilige Zeichen, die das Leben im Alltag Gott anvertrauen (KKK 1668). Sie wirken nicht automatisch wie ein Schalter. Sie leben davon, dass du meinst, was du tust.
Als Gast musst du kein Weihwasser nehmen. Wenn du es tust, weil du den Moment ernst nehmen willst, ist das in Ordnung.
Wann bekreuzigen sich Katholiken?
Das Kreuzzeichen steht am Anfang und am Ende. Es rahmt Gebet, Gottesdienst und den Tag.
- In der Messe: zu Beginn nach dem Einzug, vor dem Evangelium (die kleine Form) und beim Schlusssegen.
- Beim Beten: vor und nach dem Vaterunser, dem Rosenkranz oder dem Angelus, der morgens, mittags und abends gebetet wird. Auch das Glaubensbekenntnis beginnt privat oft mit einem Kreuzzeichen.
- Im Alltag: morgens nach dem Aufstehen, vor dem Schlafen, vor dem Essen, vor einer Prüfung, einer Reise oder einer OP.
- Beim Segen: Wenn ein Priester segnet, bekreuzigen sich alle, die den Segen empfangen.
Kinder lernen das Kreuzzeichen meistens zuerst, lange vor der Vorbereitung auf die Erstkommunion. Viele Erwachsene erinnern sich noch an die Hand der Eltern, die es ihnen gezeigt hat.
Bekreuzigen sich auch Evangelische?
Ja, und das überrascht viele. Martin Luther, der in Erfurt studiert hat und im Augustinerkloster lebte, empfahl es ausdrücklich. In seinem Kleinen Katechismus heißt es sinngemäß: Morgens nach dem Aufstehen und abends vor dem Schlafen sollst du dich mit dem heiligen Kreuz segnen. In vielen evangelischen Gemeinden ist die Geste später selten geworden, verschwunden ist sie nicht. Mehr zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden steht bei katholisch und evangelisch.
So probierst du es aus
Das Kreuzzeichen ist kein Talisman. Es schützt dich nicht vor schlechten Noten und macht keinen Tag automatisch gut. Es ist ein Anfang: ein Moment, in dem du bewusst sagst, in wessen Namen du etwas tust.
- Morgens, bevor du aufs Handy schaust. Einmal langsam das Kreuzzeichen, dann aufstehen. Das dauert drei Sekunden.
- Vor dem Essen. Auch ohne Tischgebet reicht ein stilles Kreuzzeichen. Anregungen findest du bei den Tischgebeten.
- Vor etwas Schwerem. Prüfung, Gespräch, Arzttermin: Leg das Kreuzzeichen davor und nimm einen ruhigen Atemzug.
- Abends als Schluss. Mit dem Kreuzzeichen schließt du den Tag ab, auch wenn er nicht gut war.
Wer anfangen will zu beten und nicht weiß wie, ist hier richtig. Größer als das Kreuzzeichen muss der erste Schritt nicht sein. Wie es danach weitergehen kann, steht bei Beten lernen.
Häufige Fragen
Macht man das Kreuzzeichen von links nach rechts oder von rechts nach links?
Katholiken und Protestanten gehen nach Stirn und Brust zuerst zur linken, dann zur rechten Schulter. Orthodoxe Christen machen es umgekehrt: erst rechts, dann links. Beides ist alt, beides ist richtig. Die unterschiedliche Richtung hat sich über Jahrhunderte in Ost und West auseinanderentwickelt. Wenn du in einer katholischen Kirche bist, orientiere dich an links, dann rechts.
Darf ich mich bekreuzigen, wenn ich nicht getauft oder nicht katholisch bin?
Ja. Das Kreuzzeichen ist kein Privileg für Mitglieder. Es ist ein Gebet, und beten darf jeder. Wenn du nicht glaubst und dich nur aus Höflichkeit anpasst, musst du es nicht machen. Niemand in einer Kirche erwartet das von Gästen. Wenn du es aber ehrlich versuchen willst, als Frage an Gott oder als ersten Schritt, dann ist das genau der Sinn des Zeichens.
Warum bekreuzigen sich Fußballer oder Sportler vor dem Spiel?
Viele Sportler aus katholischen oder orthodoxen Ländern haben das Kreuzzeichen von klein auf gelernt. Vor dem Anpfiff oder nach einem Tor stellen sie damit, was jetzt kommt, unter Gottes Schutz oder danken. Das ist kein Glücksbringer und kein Zauber. Das Kreuzzeichen bewirkt keinen Sieg. Es ist ein kurzes Gebet in einem Moment, in dem viel auf dem Spiel steht.
Was sagt man beim Kreuzzeichen?
Man sagt: „Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Bei „Vater“ berührst du die Stirn, bei „Sohn“ die Brust, bei „Heiligen Geistes“ die linke und dann die rechte Schulter, beim „Amen“ legst du die Hände zusammen. Du kannst die Worte laut oder leise sprechen oder nur denken. In der Messe spricht sie der Priester, und alle antworten mit „Amen“.
Warum machen Katholiken ein Kreuzzeichen mit Weihwasser?
Weihwasser erinnert an die Taufe. Wer beim Betreten der Kirche die Finger ins Becken taucht und sich bekreuzigt, erinnert sich daran, dass er getauft ist und zu Christus gehört. Der Katechismus sagt, dass Weihwasserbecken genau dafür da sind: die Erinnerung an das Taufversprechen wachzuhalten. Es ist keine Reinigung und kein Schutzzauber, sondern ein bewusster Anfang.
Quellen
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2157 (Das Kreuzzeichen am Beginn von Gebet und Tag)
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1235 (Das Kreuzzeichen in der Tauffeier)
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1667–1668 (Sakramentalien: Kreuzzeichen und Weihwasser)
- Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1185 (Weihwasserbecken und Taufversprechen)
- Deutsche Bischofskonferenz: Grundordnung des Römischen Messbuchs, Nr. 50, 124 und 134 (Arbeitshilfen 215)
- EKHN: Bekreuzigen für Evangelische? (mit Luthers Morgensegen aus dem Kleinen Katechismus)
- Wikipedia: Kreuzzeichen (Geschichte, Tertullian, östliche und westliche Form)
Stand: September 2026. Fehler gefunden? Schreib uns. Wie wir arbeiten











